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Bei der Anpassung an den Klimawandel ist Innovation,
die über Planungs- und Beteiligungsprozesse aktiviert wer-
den kann, von entscheidender Bedeutung. Planungsprozesse
haben zudem meist auch die Aufgabe, sektorenübergreifend
Anpassungsmaßnahmen und -bedarf gleichzeitig zu berück-
sichtigen und neben inhaltlichen Aspekten auch die räumliche
Perspektive mehr in den Mittelpunkt zu rücken (Strasser et al.
2018; Pröbstl-Haider 2014b). Weiterhin unterstützt Planung
die erforderliche sektorenübergreifende räumliche Abwägung,
welche die Grundlage für die räumliche Gesamtentwicklung
darstellt. Darüber hinaus wird eine proaktive Planung als wich-
tige Voraussetzung für die Implementierung innovativer und
nachhaltiger Technologien, Infrastrukturkonzepte und Markt-
modelle angesehen (Strigl et al. 2019; Rehbogen et al. 2020).
Planungsprozesse leisten damit einen wesentlichen Beitrag
zur Unterstützung, Abstimmung und Kosteneffizienz von In-
vestitionen und Finanzierung von Klimawandelanpassungs-
maßnahmen.
Innerhalb der Planungsinstrumente können verpflichtende
Instrumente, freiwillig angewandte und von rechtlichen Vor-
gaben losgelöste Planungsprozesse unterschieden werden.
Verpflichtende Planungsinstrumente basieren in der Regel
auf rechtlichen Grundlagen. Hierzu zählen unter anderem die
Raumordnungsgesetzgebung, die Naturschutzgesetzgebung, aber auch die Gesetzgebung zur Umweltverträglichkeits-
prüfung und zur strategischen Umweltprüfung.
Vor allem die Instrumente der Raumplanung, wie der Be-
bauungsplan, ermöglichen eine proaktive Steuerung. Auch di-
verse Maßnahmen zur Klimawandelanpassung können darin
verpflichtend aufgenommen werden. Dazu gehören Festset-
zungen zum Einsatz von erneuerbarer Energie ebenso wie zur
Energieversorgung (Busse et al. 2013). Dieses Steuerungs-
instrument wird in Österreich, insbesondere im ländlichen
Raum, kaum eingesetzt (Stöglehner et al. 2016). Auch Dach-
und Fassadenbegrünungen und eine angemessene Durchgrü-
nung mit Bäumen und Sträuchern können darüber gesteuert
werden. Dies betrifft nicht nur Planungen für die Hotelinfra-
struktur, sondern gilt auch für touristische Entwicklungs-
räume, historische Ortszentren und städtische Destinationen.
Abb. 13.12 zeigt beispielhaft, welche Fragestellungen sich
im Zusammenhang mit dem Städtetourismus stellen.
Die Betrachtung der Energieversorgung bereits auf der
Bebauungsplanebene könnte nicht nur im Hinblick auf den
Bau von und die Umrüstung auf klimaschützende Heizungs-
systeme relevant sein, sondern aus touristischer Sicht auch
im Zusammenhang mit der Klimatisierung von Betrieben.
Diskutiert werden hier Lösungen durch Dämmung, Dach-
begrünung und vertikale Begrünung. Eine besondere Heraus-
forderung stellen historische Gebäude dar.7
Allen rechtlich verankerten Planungsinstrumentarien ge-
mein sind Abwägungsentscheidungen, zu denen regelmäßig
auch der Einfluss des Klimawandels und touristischer Be-
lange, etwa durch das Schutzgut „Mensch-Erholung“ und/
oder die Betrachtung des „Landschaftsbilds“, gehört. Wie
wichtig entsprechende raumplanerische Abwägungsprozesse
für den Tourismus sind, zeigen Jiricka-Pürrer et al. (2019).
Eine Befragung von Sommer- und Wintergästen in Skige-
bieten zeigte, dass Anpassungsstrategien durch große Wind-
räder und andere großmaßstäbliche Anlagen zur Gewinnung
7 Siehe dazu beispielsweise das Interreg-Central-Europe-Projekt BhE-
NEFIT unter https://www.interreg-central.eu/Content.Node/BhENEFIT.
html.
Kreativer
PlanungsprozessAusgesetztheit
Empfindlichkeit
Mögliche Auswirkungen Kapazität zur
Anpassung
Verletzlichkeit
Anpassung
Abb. 13.11 Kreative Planung erlaubt eine Anpassung unabhängig
vom Grad der Aussetzung und Verletzlichkeit. (Grafik: Ulrike Pröbstl-
Haider in Pröbstl 2011)
Abb. 13.12 Planerische Heraus-
forderungen im Zusammenhang
mit dem Städtetourismus Was wäre, wenn die Temperaturen in den Sommermonaten weiter ansteigen und damit den
Aufenthalt im Freien sowie charakteristische Produkte (z. B. geführte Stadtrundgänge) einschränken?
Welche Steuerung ist durch raumplanerische Instrumente – insbesondere Durchgrünung und
Entsiegelung –möglich?
Welche weiteren Beiträge lassen sich durch Wasserkühlung und andere
Infrastruktureinrichtungen erreichen?
Welche Vermeidungsmaßnahmen sind möglich (Verlagerung von Teilen in Gebäude,
Bewerbung der kühleren Jahreszeiten)?
Wie kann die Hauptreisezeit für den Städtetourismus in die kühlere Randsaison verlagert
werden?
Welche Zielgruppen sind betroffen und welche ökonomischen Einbußen ergeben sich daraus
für welche Anbieter?
13 Ableitung von Handlungsoptionen 239
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Buch Tourismus und Klimawandel"
Tourismus und Klimawandel
- Titel
- Tourismus und Klimawandel
- Autoren
- Ulrike Pröbstl-Haider
- Dagmar Lund-Durlacher
- Marc Olefs
- Franz Prettenthaler
- Verlag
- Springer Spektrum
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-662-61522-5
- Abmessungen
- 21.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 263