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beschriebenen Klimarisiken in der zweiten Hälfte des Jahr-
hunderts noch deutlich durch wirksame und rasche globale
Klimaschutzmaßnahmen beeinflussbar ist.
• Die Strategien zur Reduktion der Treibhausgasemis-
sionen im Tourismus können sowohl auf der Ebene der
Europäischen Kommission als auch der Bundesregierung
zu einem prioritären Thema angesetzt werden.
• Die Tourismusstrategien auf europäischer, nationaler und
(teilweise) Länderebene beinhalten zwar Maßnahmen
zur Emissionsreduktion, eine Weiterentwicklung und
Anpassung dieser Strategien erscheint auf der Grundlage
des vorliegenden Berichtes sinnvoll.
Im Transport- und Verkehrsbereich könnte zur Umsetzung der
dringend erforderlichen Maßnahmen der Einsatz rechtlicher
und normativer Instrumente (z. B. gesetzliche Regelun-
gen und Verordnungen) notwendig sein. Zu den wichtigen
Handlungsoptionen gehören in diesem Zusammenhang unter
anderem:
• volle Anlastung der Klimakosten bei allen Verkehrs-
mitteln,
• Bereitstellung von Infrastrukturen für Fahrzeuge mit
alternativen Antrieben,
• Maßnahmen zur Klimawandelanpassung der Verkehrsin-
frastruktur sowie des Verkehrsmanagements im Krisen-
fall zur Erhöhung der Resilienz und Sicherstellung der
Erreichbarkeiten.
Die gezielte wirtschaftliche Förderung von Klimawan-
delanpassungsmaßnahmen und der Einsparung von Treib-
hausgasemissionen wird zukünftig weiter an Bedeutung
gewinnen. Nachdem im Tourismussektor vor allem bei der
Beherbergung, der Gastronomie und dem Transport ein hohes
Potenzial zur Einsparung von Emissionen besteht, würden
ökonomische Steuerungsinstrumente hier idealerweise an-
setzen:
• Steuerungsmaßnahmen und finanzielle Anreize zu
Energie- und Ressourceneinsparung sowie zur Schaffung
klimaneutraler Angebote und Innovationen entlang der
gesamten touristischen Wertschöpfungskette sollten mit
besonderer Beachtung der touristischen Betriebe weiter
und noch stärker gefördert werden.
• Im Hinblick auf den Klimaschutz stehen Förderungen
zur Reduktion des Energieverbrauchs in der Beher-
bergung im Vordergrund, vor allem die sehr effektiven
Maßnahmen in Bezug auf bauliche Substanzen (Wärme-
dämmung etc.). Zu beachten ist auch ein stärkerer
Energiebedarf durch höheren Kühlungsbedarf in den
Sommermonaten, vor allem im Städtetourismus. • Im Bereich von wellnessorientierten Betrieben könnte
der Fokus auf die Förderung energiesparender tech-
nischer Maßnahmen sowie auf die Schaffung von
Standards zur Sicherstellung eines möglichst sparsamen
Verbrauchs gelegt werden.
• In Gastronomiebetrieben könnte der Einsatz innovativer
und energieeffizienter Küchentechnik vermehrt gefördert
werden, wenn dadurch Treibhausgasemissionen reduziert
werden können.
• Weiterhin wäre es möglich, halböffentliche und
öffentliche Mobilitätsangebote für An- und Abreise
und vor Ort zu fördern, insbesondere solche, die auch
von der lokalen Bevölkerung mitgenutzt werden
können.
• Im Zusammenhang mit den Aktivitäten könnten Maß-
nahmen zur Energiegewinnung im Zusammenhang mit
Betriebsgebäuden (z. B. Berghütten, Hangar, Golfanla-
gen) vermehrt gefördert werden.
• Wenn durch den Klimawandel besonders aufwendige
Anpassungsmaßnahmen zum Beispiel für den Bau von
Pools bei Gewässerproblemen, Wegeneubau und Schutz-
maßnahmen im Gebirge erforderlich sind, könnten für
besondere Härtefälle Fördermittel zur Verfügung gestellt
werden.
Klimawandelanpassung im Tourismus bedeutet auch eine
Anpassung des Verhaltens von Touristinnen und Touristen.
Daher zählen auch Instrumente der verhaltensbezogenen
Ökonomie und Psychologie zu den wesentlichen Hand-
lungsansätzen.
• In diesem Zusammenhang geht es darum, Angebote
zu entwickeln und zu präsentieren, die dazu beitragen,
dass Tourismusformen gewählt werden, die eine klima-
schonende An- und Abreise und Vor-Ort-Mobilität und
-Verhalten fördern.
• Bei der Energieeinsparung im Bereich der Beherber-
gungsbetriebe spielt auch der Faktor „Mensch“ (Per-
sonal, Gäste) bei der Umsetzung von klimarelevanten
Maßnahmen eine wichtige Rolle. Entsprechende Anreize
sind zu entwickeln und einzusetzen.
• Die Entwicklung klimaneutraler Angebote und In-
novationen entlang der gesamten touristischen Wert-
schöpfungskette ist dann erfolgreich, wenn die Gäste in
die Entwicklung miteinbezogen werden.
• Die Gäste sowie deren Konsumverhalten spielen bei der
Transformation zu klimaschonenden Gastronomieange-
boten eine wesentliche Rolle. Präsentationsmöglich-
keiten der Speisen und entsprechende Techniken der
Verhaltenssteuerung (z. B. Nudging- und Kommunika-
tionstechniken) spielen eine wichtige Rolle und sollen
entsprechend vermehrt eingesetzt werden.
13 Ableitung von Handlungsoptionen 245
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Tourismus und Klimawandel
- Titel
- Tourismus und Klimawandel
- Autoren
- Ulrike Pröbstl-Haider
- Dagmar Lund-Durlacher
- Marc Olefs
- Franz Prettenthaler
- Verlag
- Springer Spektrum
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-662-61522-5
- Abmessungen
- 21.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 263