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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
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130 Alejandro López Álvarez Aus anderen Quellen wissen wir, dass die Verwendung von Tragsesseln in Städten und Dörfern Kastiliens immer üblicher wurde. Selbst wenn wir in Betracht ziehen, dass die zu- vor erwähnten in den Cortes geäußerten Stimmen letztlich Interessen der kastilischen Eli- ten repräsentierten, die damals noch vom Wunsch besessen waren, an billigere Kutschen zu gelangen,160 verdient doch ein Vorschlag Beachtung, den Juan Serrano in einem Gesuch vom 12. Mai 1603 vorbrachte. Serrano verlieh darin seiner Ansicht Ausdruck, dass in Ge- genden außerhalb Madrids, Valladolids, Granadas und Sevillas von Maultieren gezogene Kutschen genehmigt werden sollten, weil dadurch eine größere Zahl an Arbeitskräften verfügbar würde: […] viele Menschen, die für die Feldarbeit nützlich wären, befördern Tragsessel, denn fast überall sind diese in großer Zahl vorhanden und werden zum Transport von allem Mög- lichen eingesetzt. Dies könnte mittels Maultierkutschen vermieden werden, denn selbst wenn es in einem Stadtviertel oder einer Straße nur eine einzige Kutsche eines Edelmanns und seiner Frau gäbe, würden sich Nachbarinnen hinzugesellen und gemeinsam in dem Fahrzeug ihre Besuche und Landausflüge unternehmen, sodass Sesselträger eingespart wer- den könnten. Und da besonders zu Beginn der Reform viele Leute dieses Gewerbes arbeits- los würden […], scheint es angebracht, Eure Majestät zu bitten, die Strafen gegen Herum- treiber zu erhöhen, damit diese aus Furcht vor der Härte des Gesetzes beginnen, sich jener Tätigkeit zuzuwenden, die erwünscht ist.161 Nachdem sich das Gerücht verbreitet hatte, dass man erneut zum Gebrauch vierspänni- ger Kutschen zurückkehren wolle, stimmten die Cortes am 22. Juli 1604 darüber ab, ob vom König nicht gefordert werden sollte, die Verwendung von Kutschen mit nur zwei vorgespannten Maultieren in allen Gebieten des Königreichs – mit Ausnahme des Hofes – zuzulassen. Dem positiven Votum zufolge verlangte man schließlich unter Punkt 30 der dem König vorgelegten Capítulos, dass man mit Ausnahme der zum Hof gehörigen Städte 160 Seit 1600 war es erlaubt, zweispännige Kutschen zu fahren. Die kastilischen Eliten bevorzugten je- doch Kutschen mit zwei Maultieren, da diese für den Ackerbau nützlicher, billiger in der Haltung und einfacher zu lenken waren. 161 „[…] mucha gente muy útil para el campo, que andan a traer sillas, porque pocos son los lugares donde no las haya en mucho número, y las que pueden y las que no, las traen, que se excusaría con los coches de mulas, porque aunque en un barrio o calle no hubiese más de un coche de un caballero con su mujer, se juntan las vecinas a la fiesta y van a sus visitas y al campo y ahorran mozos de silla. Y porque especi- almente a los principios de la reforma destos oficios habría mucha gente desocupada dellos […] parece sería conveniente suplicar a S.M. se aumentasen las penas contra los vagamundos para que con el temor dellas, siendo rigurosas, comenzasen desde luego a trabajar en lo que se pretende“. Actas de las Cortes de Castilla 1861–2006 (wie Anm. 76), Bd. 21, S. 380 f., Bd. 22, S. 445. Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Titel
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Untertitel
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Autor
Mario Döberl
Herausgeber
Alejandro López Álvarez
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorien
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