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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
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160 Alejandro López Álvarez Schon kurze Zeit später lenkte der Rat sein Augenmerk auf die Sesselträger selbst. Am 12. April 1639 wurde konstatiert, dass auf Basis verschiedener Verordnungen der Gebrauch von Miettragsesseln einem grundsätzlichen Verbot unterliege, und da eine Nichtbeach- tung dieser gesetzlichen Bestimmungen inopportun sei, würden mit 14. April der Be- sitz und die Verwendung von Miettragsesseln untersagt. Sesselträger, die Miettragsessel besaßen oder betrieben, würden fortan nicht nur ihre Vehikel durch Beschlagnahmung verlieren, sondern müssten zudem einen vierjährigen Strafdienst in den Festungen ge- wärtigen. Sollten sie aber zum wiederholten Mal das Verbot übertreten, drohe ihnen ein sechsjähriger Galeerendienst, und dies ohne jegliche Möglichkeit einer Strafumwandlung oder -minderung.391 Vermutlich diente diese Maßnahme, die zu einem Zeitpunkt getrof- fen wurde, zu dem die Vergabe von Lizenzen freigiebiger gehandhabt wurde, dazu, den Gebrauch von Tragsesseln allein auf jenen Personenkreis zu beschränken, der dazu eine formale Berechtigung besaß. Unbekannt ist, ob die Maßnahme, die vermutlich auf Mad- rid beschränkt blieb, von Erfolg gekrönt war.392 Von da an gab es allem Anschein nach keine weiteren Verordnungen mehr, die die Nutzer von Tragsesseln selbst berührt hätten. Die in der Folge erlassenen gesetzlichen Be- stimmungen bezogen sich zunächst auf die Ausstattung der Tragevehikel und später auf die Zahl der Sesselträger, was wiederum bestätigt, dass Tragsessel damals bereits vollends in das Hofleben integriert waren. Einen Ausnahmefall scheint jedoch Bilbao darzustellen, wo 1657 in einer Ratssitzung beklagt wurde, dass einige Personen den verbotenen Brauch, sich im Tragsessel durch die Straßen tragen zu lassen, erneut einführen wollten.393 5 2 Gesetzliche Regelungen rund um die Ausstattung von Tragsesseln (1600–1691) Angesichts der Tatsache, dass Kutschen betreffende Verordnungen zu einer vermehrten Verwendung von Tragsesseln geführt hatten und dass auch der Hofstaat der Königinnen und andere Machtinstanzen immer häufiger Tragsessel gebrauchten, ist es nicht weiter ver- wunderlich, dass diese in zunehmendem Maße mit kostbaren Materialien und pracht- vollen Verzierungen ausgestattet wurden. Dieser Prozess hatte bereits Ende des 16. Jahr- 391 AHN, Consejos, Libro 1224, fol. 70r–v. 392 In Sevilla wurden 1642 die Tarife für Kutscher und Sesselträger festgelegt. Sesselträger sollten „für einen halben Tag zwei Reales, für einen ganzen Tag, an dem nur einer einzigen Person gedient wird, vier Reales und für eine einzige Strecke eineinhalb Real“ („por medio día dos reales, y por un día entero sirviendo a una persona, quatro reales, y por un viaje solo, real y medio“) erhalten. Siehe dazu BNE, VE/208-45. 393 Teófilo Guiard y Larrauri, Historia de la noble villa de Bilbao (1300–1600) (Bilbao 1905), Bd. 1, S. 529 f. Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Titel
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Untertitel
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Autor
Mario Döberl
Herausgeber
Alejandro López Álvarez
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorien
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