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Tragsessel in der spanischen Monarchie des 16 und 17 Jahrhunderts 161
hunderts seinen Anfang genommen. Nachdem sich am spanischen Hof kritische Stimmen
erhoben hatten, die forderten, diesen Entwicklungen Einhalt zu gebieten, erging schließ-
lich im Oktober des Jahres 1599 ein Gesuch an den neuen Monarchen Philipp III., die
Zahl der begleitenden Dienerschaft zu reduzieren, die Einhaltung bereits existierender
Kleiderordnungen strenger zu kontrollieren, den Gebrauch von Seide einzuschränken so-
wie Verordnungen für „Betten, Behänge, Tragsessel, Kutschen und anderen profane Dingen
zu erlassen, damit diese weder Gold, Silber, feine oder unechte Metallfäden noch Stickereien
aufwiesen“394. Als Reaktion darauf wurde am 2. Juni 1600 eine Verordnung veröffentlicht, in
der hinsichtlich Tragsesseln verboten wurde, dass diese
mit Brokat, Gold-, Silber- oder diese Metalle beinhaltendem Seidenstoff ausgestattet sind,
auch darf das Futter mit keinerlei Stickereien verziert werden; sie dürfen ausschließlich mit
Samt, Damast oder Seide versehen sein; erlaubt sind Fransenbesätze und Zierschnüre aus
Seide, nicht aber aus Gold oder Silber; die Pfosten der Tragsessel dürfen weder Gold- oder
Silberborten noch Seidenposamenterie oder Ziernägel aufweisen.395
Tragsessel, die vor Inkrafttreten der Verordnung angefertigt worden waren, durften weiter-
hin genutzt, repariert und veräußert werden, jedoch war es verboten, ihr Aussehen zu ver-
ändern. Darüber hinaus mussten sie binnen sechs Monaten den zuständigen Justizstellen
der Städte und Dörfer gemeldet werden. Zuwiderhandelnden Handwerkern drohte beim
ersten Verstoß eine vierjährige Verbannung sowie eine Strafzahlung von 20.000 Maravedís.
Beim zweiten Übertreten verdoppelte sich die Strafe, und beim dritten wurde der öffent-
liche Ehrverlust sowie eine zehnjährige Verbannung über den Gesetzesbrecher verhängt.396
Am 3. Januar 1611 wurde im Rahmen allgemeiner Verbotsgesetze auch erneut eine ge-
setzliche Regelung hinsichtlich der Dekoration von Tragsesseln veröffentlicht. Der Text
war beinahe mit jenem von 1600 identisch, mit der Ausnahme, dass Tragsessel nunmehr
auch Seidenposamenterie und Ziernägel an den Pfosten aufweisen durften. Jedoch wurden
394 „[…] camas colgaduras sillas coches y en las demás cosas del serviçio profano de modo q no puedan tener
tela de oro ni de plata ni hilo fino ni falso ni ser bordadas“. Exposºn de 10 puntos q se tocaron en
villete q se embió al Rey Nsºr D. Phe 3º año 1599, BNE, Mss. 2346, fol. 65.
395 „[…] de brocado, ni tela de oro, o plata, ni de seda alguna q lo lleve, ni puedâ ser bordados los aforros
dellas de cosa alguna, y no se puedan hazer sino de terciopelo, o damasco, o otra qualquier seda; y puedâ
llevar flocaduras, y alamares della, y no de oro, ni plata, y los pilares de las dichas sillas no puedan ser
guarnecidos de trencillas de oro, ni de plata, ni de passamanos de seda, ni de tachuelas“. Premática en
que se prohíben colgaduras y adereços de casas de brocados, y telas de oro y plata y bordado, y he-
chura de joyas de oro y pieças de plata, y se da la forma en ella contenida, y se permite traer cuellos
de ochava con almidón, 1600, RAE, 13-A-23 (40).
396 Ebenda.
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
- Titel
- Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
- Untertitel
- Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
- Autor
- Mario Döberl
- Herausgeber
- Alejandro López Álvarez
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20966-9
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 432
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918