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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Seite - 164 -
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164 Alejandro López Álvarez Aufwands im Bereich der Lakaien und der Ausstattung von Kutschen und Tragsesseln ver- boten werden könnten, „ohne gegen die Artikel des Friedensabkommens zu verstoßen“ – sie bezog sich dabei auf eine am 30. Januar desselben Jahres publizierte Verordnung, die den Handel mit allen aus Frankreich stammenden Waren untersagte. In einer Ratssitzung vom 15. Februar wurden daraufhin Reformen erörtert, die sowohl Vehikel als auch die aus- ufernde Zahl an Lakaien betreffen sollten. Damals wurde vorgeschlagen, die Einhaltung der Gesetze entschiedener als bisher zu überwachen und in diesem Punkt auch die verschie- denen Räte stärker in die Pflicht zu nehmen. Die Königin zeigte sich damit einverstanden und ordnete die Ausarbeitung einer entsprechenden Verordnung an. Schon am 10. März war die Reform fertig abgefasst. Wie die in den Ratssitzungen geführten Debatten erahnen lassen, sollte die neue Verordnung auf jenen der Jahre 1657 und 1600 basieren.401 Allein die Etablierung und internationale Verbreitung eines neuen französischen Fahrzeugtypus – der sogenannten Carrosse moderne – führte zu neuen Aspekten im Gesetzestext.402 Wenngleich der Kastilische Rat ausdrücklich auf der Einhaltung der Verordnung bestand, ließen einige ihrer Punkte eine lockere Auslegung zu. Zudem wurde ihr Inkrafttreten mehrmals ver- schoben. Die ursprünglich einjährige Frist (März 1675) wurde schließlich auf zwei Jahre ver- längert (Mai 1676). Allerdings durften auch schon davor bereits existierende Vehikel weder neu vergoldet noch bemalt noch in einer anderen Art als bisher äußerlich verziert werden. Das für die Fristverlängerung ins Feld geführte Argument lautete, dass man die in der vor- hergegangenen Verordnung geforderten Änderungen an den Vehikeln zwar umgesetzt habe, aber zu wenig Zeit vergangen sei, um die adaptierten Vehikel auch tatsächlich zu nutzen. Eine zu kurze Frist würde deshalb zusätzliche Ausgaben für den Bau neuer Vehikel verursa- chen.403 Als drei Jahre später die Verordnung schließlich tatsächlich in Kraft trat, wurde sie von mehreren Personen einfach ignoriert. Dies hatte neuerlich Debatten im Rat zur Folge, bei denen verschiedene Gegenmaßnahmen diskutiert wurden, etwa die Androhung hoher Geldstrafen, eine strenge Mahnung an die königlichen Bediensteten, mit der Botschaft, die Königin fordere die pünktliche Befolgung der Gesetze seitens ihrer Diener und deren Ver- wandter, oder aber die konsequente Inpflichtnahme unterschiedlichster Ratsgremien bei der Kontrolle von Gesetzesübertretungen. Schließlich wurde im August 1677 aber nur eine Verordnung veröffentlicht, die einfach die Bestimmungen von 1674 unverändert wieder- holte.404 401 AHN, Consejos, Leg. 51.438/1. 402 Pragmática que su Magestad manda publicar sobre la reformación en el excesso de Traxes, lacayos, y coches, y prohibición del consumo de las mercadurías de Francia […] y otras cosas, 1674, BNE, R 23.879 (18), fol. 5v–7r; AHN, Consejos, Leg. 51.438/1. 403 AHN, Consejos, Leg. 51.438/1, Libro 1260, fol. 28–29; ebenda, Libro 1261, fol. 65. 404 AHN, Consejos, Libro 1262, fol. 109, 113v–115r; Vando del Rey para que se cumpla la pragmática Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Titel
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Untertitel
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Autor
Mario Döberl
Herausgeber
Alejandro López Álvarez
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorien
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