Seite - 168 - in Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
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168 Alejandro López Álvarez
Die getroffenen Maßnahmen führten auf der einen Seite zu einer Verknappung des An-
gebots an Miettragsesseln und erschwerten somit für viele Menschen den Zugang zu die-
sen Vehikeln; andererseits wurden Personen, die mit Sesselträgerdiensten ihr tägliches
Brot verdienten, einer stärkeren Kontrolle unterworfen. Gleichzeitig wurde aber auch der
Zugang zu Tragsesseln für all jene erleichtert, die sich den Unterhalt eigener Diener und
Sklaven leisten konnten. Die Gruppe vagabundierender Sesselträger, die jedermann ihre
Dienste anboten, wurde durch die Registrierungspflicht schärfer überwacht, und bereits
bestehende soziale Unterschiede erfuhren eine Konsolidierung. Zwar sind uns die kon-
kreten Folgen der Verordnung von 1594 unbekannt, fest steht jedoch, dass die Bestrebun-
gen der Städte Kastiliens und des Kastilischen Rats, das Sesselträgergewerbe zu regulieren,
auch in den darauf folgenden Jahren nicht nachließen. Als der Hof nach Valladolid verlegt
wurde, erneuerte man am 2. April 1601 auch die Verordnung aus dem Jahr 1594. Damals
wurde bestimmt, dass Mietsesselträger für den Hin- und Rückweg nicht mehr als einen
Real pro Kopf von den beförderten Personen verlangen beziehungsweise erhalten sollten;
andernfalls drohten ihnen hundert Peitschenhiebe und eine vierjährige Verbannung vom
Hof außerhalb eines Umkreises von fünf Meilen.413 Anlässlich der Rückkehr des Hofes nach
Madrid wurde dieselbe Maßnahme getroffen, jedoch wurden nun sowohl die Tarife erhöht
als auch die Strafen verschärft. Mit 20. Februar 1607 wurde Sesselträgern untersagt, mehr
als anderthalb Real pro Person für einen Hin- und Rückweg innerhalb des Stadtgebiets von
Madrid zu verlangen. Weiterhin wurde streng verboten, dieses Gewerbe ohne Registrierung
und Genehmigung auszuüben. Zuwiderhandelnden wurden der öffentliche Ehrverlust, eine
vierjährige Verbannungs- sowie eine Geldstrafe in der Höhe von 20 Dukaten angedroht.414
Der hier zu beobachtende Mechanismus, ein Gewerbe zu kontrollieren, basierte auf der
Eingliederung in eine Zunft, auf der Registrierung der Gewerbetreibenden und auf der
Überwachung durch eine Aufsichtsbehörde. Dies entsprach dem Vorgehen, das in der Ver-
gangenheit schon auf anderen Gebieten von den Gemeinden und dem Rat mit Erfolg
erprobt worden war.415
25 de febrero de este presente año de mil y quinientos y noventa y quatro, juntamente de la gran
justicia que en la ciudad de Lisboa se hizo de un inglés luterano y de otras personas, y lleva al cabo
una letrilla nueva al tono de la zarabanda sobre la nueva premática. Compuesto en verso castellano
por Benito Carrasco, vecino de Ávila. In: Bartolomé José Gallardo, Ensayo de una biblioteca
española de libros raros y curiosos […], 4 Bde. (Madrid 1863–1889), Bd. 2, S. 238 f., hier S. 239.
413 „[…] no pueda llevar ni lleve más de tan solamente un real cada uno, de yda y vuelta, a la parte donde
llevare a la persona que los alquilare sopena de cien açotes, y de quatro años de destierro, de la corte y cinco
leguas“. Pregón general para la gobernación desta corte, Valladolid 1601, BNE, VE 154-30, fol. 9v.
414 AHN, Consejos, Libro 1201, fol. 143.
415 José Antolín Nieto Sánchez, Artesanos y mercaderes. Una historia social y económica de Madrid,
1450–1850 (Ciencia 297, Serie „Sociología“, Madrid 2006), S. 174.
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
- Titel
- Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
- Untertitel
- Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
- Autor
- Mario Döberl
- Herausgeber
- Alejandro López Álvarez
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20966-9
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 432
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918