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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Seite - 192 -
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192 Attilio Antonelli – Stefano Moscatelli – Ilaria Telesca zur Kirche San Gregorio Armeno, zum Dom, zur Piazza Mercato, nach Piedigrotta sowie zu den am Rande der Stadt gelegenen Gärten. Aufgrund ihrer geringen Größe und guten Manövrierbarkeit eigneten sich Tragsessel auf unwegsamem Boden und in schmalen Gassen besser als Karossen, weshalb Tragsessel auch bei festlichen Anlässen häufig Verwendung fanden. Sie ermöglichten aber nicht nur ein schnelles und bequemes Fortkommen, sondern auch einen glanzvollen Auftritt. Dies ließ sie als Machtsymbole besonders geeignet erscheinen. Der Vizekönig, und in der Folge auch Vertreter des Adels, waren bestrebt, Fußwege so kurz wie möglich zu halten. Karossen und Tragsessel waren deshalb unverzichtbare Transportmittel, die durchaus dem hohen Rang eines Vizekönigs entsprachen. Dies geht besonders deutlich aus dem diesem Beitrag vorangestellten Motto hervor, das der Feder von Díez de Aux entstammt. Weltliche Macht ließ sich aber nicht nur mittels der gezielten Wahl bestimmter Transportmittel versinnbild- lichen, sondern auch durch das Gefolge, etwa durch die Zahl der Sesselträger, der Garden, die den Tragsessel gegebenenfalls begleiteten, sowie durch zusätzliche vergleichbare Trans- portmittel. Bislang konnten wir sehen, dass Tragsessel ihren festen Platz im Hofleben Neapels hat- ten und für ihre praktischen Eigenschaften geschätzt wurden. Aber nicht alle standen ih- nen wohlwollend gegenüber. Renao etwa äußerste sich mehrfach kritisch über sie. Er war der Ansicht, dass bei ihnen nicht nur höchste Maßhaltung angebracht sei, sondern dass sie sogar nur dann verwendet werden sollten, wenn sich dies gar nicht vermeiden ließe. Re- naos Haltung gegenüber Tragsesseln war zum Teil wohl auch seinen eigenen persönlichen Vorlieben geschuldet. Wie später noch zu sehen sein wird, sah er im Tragsessel ein Objekt, das der Würde eines Vizekönigs abträglich sei beziehungsweise das sich nur schlecht für die zeremoniellen Zwecke und das Bild, das vom Herrschenden vermittelt werden sollte, eigne. Wie bereits erwähnt, lag die Erfolgsgeschichte des Tragsessels auch darin begründet, dass es sich dabei sowohl um ein schnelles als auch um ein praktisches Transportmittel handelte. Dies verdeutlicht eine Anekdote, in deren Zentrum Vizekönig Perafán de Ribera steht. Der Vizekönig weilte in der Nacht des 15. August 1570 im Haus des Fürsten von Stigliano (heute Palazzo Cellamare), als Türken völlig überraschend einen Raubzug an der Küste von Chiaia durchführten. Alarmiert von Schreien und Kampfgeräuschen brach Pe- rafán de Ribera sofort auf, um in der Festung des alten Königspalasts Zuflucht zu suchen. Um den Weg durch die Gassen der Stadt raschestmöglich zurückzulegen, ließ er sich in einem Tragsessel befördern.25 25 „Succedió en su tiempo que tres galeras turquescas, noche de la Sanctíssima Assunción, año 1570, vieron encima en tierra en el burgo de Chaya, el qual saquearon y cautiuaron nouenta y ocho personas; estando Su Excelencia en casa del príncipe de Astillano sobre la puerta de Chaya, y sintiendo el rumor y gritos de Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Titel
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Untertitel
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Autor
Mario Döberl
Herausgeber
Alejandro López Álvarez
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorien
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