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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Seite - 206 -
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206 Mario Döberl anderen Teilen Europas behandeln. Ferner wird der Versuch unternommen, die vielen ver- streuten Informationen zum Aussehen und zur Ausstattung der kaiserlichen Tragsessel zu sammeln und den ältesten erhaltenen Tragsessel des Kaiserhofs zeitlich einzuordnen. Be- sonderes Augenmerk soll im vorliegenden Aufsatz auch den kaiserlichen Sesselträgern selbst geschenkt werden. Sie zählten zu jener großen Gruppe einfacher, niederrangiger Hofdiener, über die die Quellen des 17. Jahrhunderts für gewöhnlich schweigen und von denen sie bestenfalls die Höhe ihrer Besoldung beziehungsweise biographische Eckdaten preisgeben, hinter denen die Funktionsträger jedoch nur selten als Individuen mit eigener Geschichte hervortreten. Durch einen glücklichen Zufall haben sich in einem privaten Adelsarchiv mehrere Bittgesuche kaiserlicher Sesselträger erhalten, die Informationen zu ihrer Herkunft, ihren Karriereverläufen und ihren privaten Nöten liefern. Diese Schreiben werden in einem eigenen, den Sesselträgern gewidmeten Abschnitt ausgewertet. Behandelt wird außerdem die Einführung von Miettragsesseln in der kaiserlichen Residenzstadt Wien, die dort wesent- lich später als in vielen anderen europäischen Machtzentren vonstattenging. Der zeitliche Rahmen der vorliegenden Untersuchung erstreckt sich hauptsächlich vom 16. Jahrhundert bis zum Tod Kaiser Leopolds I. im Jahr 1705, wobei punktuell auch Rückblicke ins Spät- mittelalter und Ausblicke in die Zeit bis Mitte des 18. Jahrhunderts gemacht werden. Zwar stellt die obere zeitliche Begrenzung mit dem Ableben Leopolds I. für die Geschichte der Tragsessel am Kaiserhof keineswegs eine Zäsur dar, jedoch lässt sie sich als Schlusspunkt für eine Untersuchung der Frühzeit dieser Tragevehikel vertreten, da Tragsessel bis dahin sowohl im Rahmen des Hofzeremoniells als auch in Form mietbarer Verkehrsmittel im Straßenbild der kaiserlichen Residenzstadt Wien ihren festen Platz gefunden hatten. 2 Tragsessel an österreichischen Höfen bis zum Ende der Regierung Kaiser Leopolds I. (1705) 2 1 Frühe Erwähnungen von Tragsesseln bis Anfang des 17 Jahrhunderts: Ein Transportmittel für gehbehinderte Fürsten Eine Suche nach dem exakten Zeitpunkt, an dem Tragsessel an den Höfen der österrei- chischen Länder erstmals aufschienen, bliebe wohl vergebens. Es ist vielmehr davon aus- zugehen, dass altersschwache und gehbehinderte Mitglieder des Hauses Habsburg immer schon zu Hilfsmitteln wie Tragsesseln griffen, um ihre Mobilität zu erhalten beziehungs- weise wiederzuerlangen, denn ohne diese war die Wahrnehmung herrschaftlicher Pflichten und eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben kaum denkbar. Fürsten, denen es aus gesundheitlichen Gründen verwehrt war, Wege zu Fuß oder auf dem Rücken eines Pferdes Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Titel
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Untertitel
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Autor
Mario Döberl
Herausgeber
Alejandro López Álvarez
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorien
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