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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
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210 Mario Döberl war bereits alt und von der Gicht geplagt, als er Ende 1431 nach Italien reiste, um sich in Rom vom Papst zum Kaiser krönen zu lassen. Seine Reise an den päpstlichen Hof dauerte außergewöhnlich lange und wurde von zahlreichen längeren Aufenthalten in italienischen Städten unterbrochen. Die Ankunft in diesen Städten erfolgte häufig in Form festlicher Einzüge. Als Sigismund am 9. Mai 1433 Viterbo erreichte, war er aus gesundheitlichen Gründen gezwungen, bei seinem Einzug von einer Pferdesänfte Gebrauch zu machen, die die Form eines Sessels hatte. Offenbar wurden die Tragetiere vor oder während der Zeremonie aber ausgespannt und der Sessel des Kaisers unter einem Baldachin von einer größeren Anzahl an Männern transportiert, die sich dabei zweier langer, runder Trage- holme bedienten.10 Dieses Beispiel zeigt, dass die Grenzen zwischen Pferde- beziehungs- weise Maultiersänften und Tragsesseln zuweilen durchlässig waren und Erstere fallweise zu Letzteren umfunktioniert werden konnten. Meist ist in den Quellen, die von Fürsten berichten, denen weder das Reiten noch das Gehen möglich war, jedoch nicht von Tragsesseln, sondern von Sänften oder Wagen die Rede. Von den österreichischen Herzögen Albrecht IV. (1377–1404)11 und seinem Sohn Albrecht V. (als Kaiser Albrecht II., 1397–1439)12 ist beispielsweise überliefert, dass sich beide während ihrer letzten Lebenstage, an der Ruhr erkrankt und vom Tode gezeichnet, (Mainz 2006); Karel Hruza/Alexandra Kaar (Hg.), Kaiser Sigismund (1368–1437). Zur Herr- schaftspraxis eines europäischen Monarchen (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Beihefte zu J. F. Böhmer, Regesta Imperii 31, Wien/Köln/Weimar 2012). 10 „Lì vi andò incontro tutto il popolo di Viterbo con un drappo di fin oro, lo quale posero con certe aste sopra il capo dell’imperatore, e con grandissimo onore lo remisero dentro alla porta di S. Lucia della città, e smontò a S. Francesco. Lo detto imperatore venìa sopra una sedia, che si posava sopra dui corsieri, e molti omini aiutavano a portarla con dui legni lunghi e tondi.“ Nicola della Tuccia, Cronache di Viterbo e di altre città. In: Ignazio Ciampi (Hg.), Cronache e statuti della città di Viterbo (Do- cumenti di storia italiana publicati a cura della R. deputazione sugli studi di storia patria per le provincie di Toscana, dell’Umbria e delle Marche 5, Firenze 1872), S. 1–272, hier S. 124. Vgl. Dazu auch Achim Thomas Hack, Das Empfangszeremoniell bei mittelalterlichen Papst-Kaiser-Treffen (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Beihefte zu J. F. Böhmer, Regesta Imperii 18, Köln/Weimar/Wien 1999), S. 347; Claudia Märtl, Papst Pius II. (1458–1464) in der Kapelle des Palazzo Medici Riccardi zu Florenz. Ein Beitrag zu Ikonographie und Zeremoniell der Päpste in der Renaissance. In: Concilium medii aevi. Zeitschrift für Geschichte, Kunst und Kultur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit 3 (2000), S. 155–183, hier S. 163. 11 Zu ihm Gerda Mraz, Albrecht IV. In: Hamann 1988 (wie Anm. 4), S. 38 f. 12 Zu ihm Wilhelm Wostry, König Albrecht II. (1437–1439), 2 Bde. (Prager Studien aus dem Gebiete der Geschichtswissenschaft 12–13, Prag 1906–1907); Gerda Koller, Princeps in Ecclesia. Unter- suchungen zur Kirchenpolitik Herzog Albrechts V. von Österreich (Archiv für österreichische Ge- schichte 124, Graz/Wien/Köln 1964); Günther Hödl, Albrecht II. Königtum, Reichsregierung und Reichsreform 1438–1439 (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Bei- hefte zu J. F. Böhmer, Regesta Imperii 3, Wien/Köln/Graz 1978), im Besonderen S. 36. Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Titel
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Untertitel
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Autor
Mario Döberl
Herausgeber
Alejandro López Álvarez
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorien
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