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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
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Tragsessel an den Höfen der österreichischen Habsburger 211 jeweils in einer Sänfte („letica“ beziehungsweise „lectica“) transportieren ließen.13 Auch Kaiser Maximilian I. (1459–1519) hatte in den letzten Jahren seines Lebens mit gravieren- den gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, die es ihm immer wieder verunmöglichten, auf Reisen oder bei öffentlichen Auftritten zu reiten.14 So musste er sich etwa im Jahr 1515 beim Einzug anlässlich des Wiener Fürstenkongresses in einer Pferdesänfte transportieren lassen, die mit schwarz und scharlachrot kariertem Samt bezogen war.15 Das genaue Aus- sehen dieser Sänfte ist uns leider nicht bildlich überliefert, sie ähnelte aber womöglich jener, die seine Tochter Margarete (1480–1530) im gleichen Jahr beim Einzug ihres Neffens Karl V. in Brügge verwendete (Abb. 2).16 Siegmund von Herberstein war Augenzeuge, als Maximilian I. ein anderes Mal eine Sänfte verwendete. Herberstein traf den bereits vom nahenden Tod gezeichneten Kaiser, als dieser gegen Ende des Jahres 1518, nur wenige Wo- chen vor seinem Ableben, durch Salzburg reiste. Dabei wurde er laut Angaben Herber- steins in einer Sänfte getragen.17 Die letzte Station im Leben des bereits dahinsiechenden 13 Thomas Ebendorfer, Chronica Austriae, hg. von Alphons Lhotsky (Monumenta Germaniae Historica, Scriptores rerum Germanicarum, Nova series 13, Berlin/Zürich 1967), S. 321, 378. 14 Zu den Krankheiten des Kaisers, die zeitweise zu Gehbehinderungen führten, siehe Hermann Wiesflecker, Kaiser Maximilian I. Das Reich, Österreich und Europa an der Wende zur Neuzeit, 5 Bde. (Wien 1971–1986), Bd. 4: Gründung des habsburgischen Weltreiches. Lebensabend und Tod 1508–1519 (Wien 1981), S. 629–632. 15 Wo und wie Ro. Kay. Maiestat und die Kunig von Hungern, Poln und Peham zusammen kumen und zu Wienn eingeritten sendt (o.O. o.J., aber Wien 1515), o.S.; (Johannes Cuspinianus), Der nambhaftigen kay. Ma. und dreyer Kunigen zu Hungern Beham und Poln zamenkumung und versamlung so zu Wienn in dem Heymonat […] MDXV. jar geschehen […] (o.O. o.J. aber Wien 1515), o.S.; Marino Sanuto, I Diarii, Bd. 20 (Venezia 1887), Sp. 481 f.; Wiesflecker 1971–1986 (wie Anm. 14), Bd. 4: Gründung des habsburgischen Weltreiches. Lebensabend und Tod 1508–1519 (Wien 1981), S. 186–189. Am Wiener Hof scheinen zu jener Zeit für Sänften Pferde und nicht Maultiere verwendet worden zu sein. Vgl. dazu auch Anneliese Gatt, Der Innsbrucker Hof zur Zeit Kaiser Maximilians I. 1493–1519 (ungedr. Dissertation, Universität Innsbruck 1943), S. 102; Thomas Fellner/Heinrich Kretschmayr, Die österreichische Zentralverwaltung I/2 (Veröffentli- chungen der Kommission für neuere Geschichte Österreichs 6, Wien 1907), S. 144; ÖStA, FHKA, NÖHA, W 61/a/36/a, fol. 28v. 16 Wenn wir einer unmittelbar nach dem Einzug Karls entstandenen Buchmalerei, die diesen Ein- zug zum Thema hat, Authentizität zuschreiben können, handelte es sich dabei um eine von zwei Schimmeln getragene Sänfte mit schwarzer Kobelbespannung, goldenen Verzierungen und einem Einstieg an der Längsseite, dessen Verdeck sich zurückschlagen ließ. Ihr tonnengewölbtes Dach wurde an den Schmalseiten von einer vergoldeten Maßwerkstruktur gestützt. Zur Entstehung des Codex, in dem sich die Darstellung befindet, siehe Franz Unterkircher, Die datierten Hand- schriften der Österreichischen Nationalbibliothek von 1501 bis 1600 (Katalog der datierten Hand- schriften in lateinischer Schrift in Österreich 4, Wien 1976), S. 23. 17 Th[eodor] G. von Karajan (Hg.), Johannes Tichtel’s Tagebuch MCCCCLXXVII bis MCCCCXCV, Sigmunds von Herberstein Selbstbiographie MCCCCLXXXVI bis MDLIII, Jo- Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Titel
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Untertitel
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Autor
Mario Döberl
Herausgeber
Alejandro López Álvarez
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorien
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