Seite - 216 - in Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Bild der Seite - 216 -
Text der Seite - 216 -
216 Mario Döberl
ausführliche Informationen liegen auch zum Fuhrpark von Erzherzogin Elisabeth (1526–
1545) vor, die 1543 den polnischen König Sigismund II. August heiratete. Auf der Liste der
Stallgegenstände, die sie von Wien auf ihre Brautreise nach Krakau mitnahm, sind allein
zwei prachtvolle Wagen samt Zubehör und Pferdegespann erwähnt, aber keinerlei Trage-
vehikel.26 Im Jahr 1553 vermählte sich Sigismund II. August in dritter Ehe mit Erzherzogin
Katharina (1533–1572), der Schwester seiner ersten Frau Elisabeth. Nachdem sich heraus-
gestellt hatte, dass die Ehe kinderlos bleiben würde, wandte sich Sigismund II. August von
seiner Frau ab, woraufhin diese 1566 Polen verließ und sich nach Linz zurückzog.27 Weder
in einem von 1568 datierenden Inventar all ihrer Textilien, das unter anderem verschie-
denste Wagen- und Sänftendecken, Wagenpolster und -teppiche, Matratzen für Sänften
und Wagen sowie Schlittendecken und Ähnliches verzeichnet, noch in ihrem Nachlass-
inventar, das ebenfalls derartige Gegenstände auflistet, und auch nicht in den testamen-
tarischen Verfügungen der Erzherzogin, in denen sie mehrere Mitglieder ihres Hofstaats
mit Fahrzeugen bedachte, finden sich Hinweise auf etwaige in ihrem Besitz befindliche
Tragsessel.28
Der älteste bisher bekannte vollständige Überblick über den Fuhrpark eines habsbur-
gischen Fürsten des österreichischen Familienzweigs findet sich im Nachlassinventar von
Ferdinand II. von Tirol (1529–1595)29 aus dem Jahr 1596.30 Dieses Inventar umfasst nicht
Anfänge der Ofener Hofhaltung der Königin Maria von Ungarn. In: Martina Fuchs/Orsolya
Réthelyi (Hg.), Maria von Ungarn (1505–1558). Eine Renaissancefürstin (Geschichte in der Epo-
che Karls V. 8, Münster 2007), S. 221–243.
26 Hans von Voltelini, Urkunden und Regesten aus dem k. und k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv
(Fortsetzung). In: Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses,
Bd. 11 (1890), S. I–LXXXIII, hier Reg. 6360. Die Fahrzeuge werden auch in der Autobiographie
des Siegmund von Herberstein erwähnt, der Elisabeth als Hofmeister nach Polen begleitete: Kara-
jan 1855 (wie Anm. 17), S. 355.
27 Walter Pillich, Königin Katharina von Polen in Linz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Linz
1966 (1967), S. 169–198; Anna Sucheni-Grabowska, Zu den Beziehungen zwischen den Jagiello-
nen und den Habsburgern. Katharina von Österreich, die dritte Gemahlin des Königs Sigismund
August. Ein Forschungsbeitrag. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 1979 (1980), S. 59–100.
28 ÖStA, FHKA, NÖHA, W 61/a/36/b, fol. 528–533; TLA, Inventare, A 1/28; Pillich 1967 (wie
Anm. 27), S. 169–198.
29 Zu ihm siehe Josef Hirn, Erzherzog Ferdinand II. von Tirol. Geschichte seiner Regierung und
seiner Länder, 2 Bde. (Innsbruck 1885–1888); Václav Bůžek, Ferdinand von Tirol zwischen Prag
und Innsbruck. Der Adel aus den böhmischen Ländern auf dem Weg zu den Höfen der ersten
Habsburger (Wien/Köln/Weimar 2009).
30 ÖNB, Handschriftensammlung, Cod. 8228, fol. 203r–223v, 227v, 663v–664r. Jene Passagen des
Nachlassinventars, die Objekte des Marstalls erwähnen, sind auszugsweise angeführt in: Wendelin
Boeheim, Urkunden und Regesten aus der k. k. Hofbibliothek. In: Jahrbuch der kunsthistori-
schen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses 7 (1888), S. XCI–CCCXIV und 10 (1889), S.
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
- Titel
- Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
- Untertitel
- Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
- Autor
- Mario Döberl
- Herausgeber
- Alejandro López Álvarez
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20966-9
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 432
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918