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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Seite - 217 -
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Tragsessel an den Höfen der österreichischen Habsburger 217 nur die Wagen, Pferdesänften und Schlitten, die der Erzherzog selbst benutzte, sondern auch die seines Sohnes aus erster Ehe, Markgraf Karl von Burgau (1560–1618)31, sowie jene seiner zweiten Gemahlin, der aus Mantua stammenden Anna Caterina Gonzaga (1566–1621). Mit ihrer Ankunft in Tirol hatte sich der Innsbrucker Hof zunehmend ita- lienischen Einflüssen gegenüber geöffnet.32 So sind im Fuhrparkinventar von 1596 auch Vehikel aus Italien aufgelistet, etwa eine Pferdesänfte, die der Herzog von Mantua 1583 als Geschenk nach Tirol gesandt hatte, oder ein kleiner Wagen aus Ferrara.33 Tragsessel, die damals bereits in mehreren Städten Italiens – allen voran Genua und Neapel – weit verbreitet waren,34 sind in diesem Inventar jedoch keine zu finden. Auch in den vollstän- dig vorliegenden Fuhrparkinventaren eines anderen habsburgischen Landesfürsten Tirols, jenen des Erzherzogs Maximilian III. (1558–1618)35 aus den Jahren 1614 und 1618/19, sind keine Tragsessel verzeichnet.36 Zu den Fuhrparks österreichischer Adeliger können hier nur einige wenige Vergleichs- beispiele angeführt werden. Das Bild, das sich dabei in Hinblick auf Tragsessel zeigt, ist jedoch sehr ähnlich jenem, das sich bei den Mitgliedern der Herrscherfamilie beobachten ließ. Ein von 1587 datierendes Stallinventar des überaus wohlhabenden und politisch ein- flussreichen Wolf Rumpf zu Wielroß, Geheimer Rat und Oberstkämmerer unter Kaiser Rudolf II., führt unter anderem einen Frauenzimmerwagen, einen spanischen Wagen so- wie eine italienische Karosse an, jedoch keinen Tragsessel.37 Einen frühen Hinweis auf das I–XIX, Regest 5556. 31 Von seiner Rüst- und Sattelkammer zu Günzburg existiert ein mit 10. April 1619 datierendes Nach- lassinventar, in dem sich zwar zahlreiche Fahrzeuge befinden, aber kein einziger Tragsessel. TLA, Inventare, A 1/15 d. 32 Elena Taddei, Anna Caterina Gonzaga und ihre Zeit: Der italienische Einfluss am Innsbrucker Hof. In: Heinz Noflatscher/Jan Paul Niederkorn (Hg.), Der Innsbrucker Hof. Residenz und höfische Gesellschaft in Tirol vom 15. bis 19. Jahrhundert (Archiv für österreichische Geschichte 138, Wien 2005), S. 213–239. 33 ÖNB, Handschriftensammlung, Cod. 8228, fol. 214r, 218v. 34 Siehe dazu die Beiträge von Farida Simonetti sowie von Attilio Antonelli, Stefano Moscatelli und Ilaria Telesca in diesem Band. 35 Zu ihm siehe Josef Hirn, Erzherzog Maximilian der Deutschmeister. Regent von Tirol, 2 Bde. (Innsbruck 1915–1936); Heinz Noflatscher, Glaube, Reich und Dynastie. Maximilian der Deutschmeister (1558–1618) (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 11, Mar- burg 1987). 36 DOZA, Abt. Hochmeister, K. 484, Nr. 4/b, unfol., und K. 485, Konv. „Todesfall und Verlassen- schaft. 1618–1619“, unfol. 37 Andrea Schober, Das Inventar des Wolf Rumpf zu Wielroß. Ein Beispiel materieller Kultur des Adels in Österreich unter der Enns im 16. Jahrhundert (ungedr. Diplomarbeit, Universität Wien 2002), S. 119–123. Zur Person des Rumpf zu Wielroß siehe auch Friedrich Edelmayer, „Manus manum lavat“. Freiherr Wolf Rumpf zum Wielroß und Spanien. In: Erwein H. Eltz/Arno Stroh- Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Titel
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Untertitel
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Autor
Mario Döberl
Herausgeber
Alejandro López Álvarez
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorien
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