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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
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220 Mario Döberl in den Garten tragen lassen könne.48 Mehrere Wochen später berichtete der spanische Botschafter Conde de Monteagudo aus Prag, dass die Beine des Kaisers kaum noch ein- satzfähig seien und dass er stets im Tragsessel befördert werde.49 Als Maximilians II. Sohn Rudolf II. am 27. Oktober 1575 in Regensburg nach erfolgter Wahl zum Römischen König proklamiert wurde, konnte der Kaiser, der bei diesem Ereignis anwesend war, die Kirche nicht zu Fuß verlassen, sondern musste dafür einen Tragsessel zu Hilfe nehmen.50 Auch zu einer Messe am Wiener Hof Ende März 1576 musste Maximilian II. laut einem Augen- zeugenbericht im Tragsessel gebracht werden.51 Kurz nach dem Eintreffen Maximilians II. in Regensburg im Juni desselben Jahres berichtete auch der päpstliche Nuntius, dass der Kaiser sich im Palast tragen lassen müsse, da er nicht mehr fähig sei, selbst zu gehen.52 Wenige Monate später verstarb Maximilian II. unter letztlich nicht zur Gänze geklärten Umständen, vermutlich aber an einem chronischen Herzleiden in Zusammenhang mit Tuberkulose.53 Welche Personen aber hatten den Kaiser während seiner letzten Lebensjahre getragen? Da in den Quellen jener Jahre keine Hinweise auf am Hof beschäftigte Sesselträger zu finden sind, können dazu nur Vermutungen angestellt werden. Möglicherweise erfüllten andere Hofdiener, zum Beispiel Leiblakaien, diese Aufgabe. Offenbar nahm man damals an, dass die Verwendung eines Tragsessels seitens des Monarchen nur eine vorübergehende Ausnahmeerscheinung sei, die schon in absehbarer Zeit – mit dem Tod des Kaisers – wie- der obsolet würde. Man hielt es deshalb anscheinend nicht für nötig, kurzfristig Sesselträ- ger in den festen Personalstand des Hofes zu integrieren. 48 Toskanischer Botschafter Giambatista Concini, Prag 1575 August 7, ASF, MdP, filza 4333, fol. 194r. 49 „[…] y hallándose muy impedido de los pies porque siempre lo traen en silla […].“ Conde de Mon- teagudo an Philipp II., Prag 1575 September 29, Marques de la Fuensanta del Valle (Hg.), Cor- respondencia de los Príncipes de Alemania con Felipe II y de los embajadores de este en la corte de Viena (1556 á 1576), Bd. 6 (Colección de documentos inéditos para la historia de España 113, Madrid 1895, Reprint Nendeln 1975), S. 194. 50 Burgi Knorr, Die Wahl und Krönung Rudolphs II. zum Römischen König 1575. In: Karl Möse- neder (Hg.), Feste in Regensburg. Von der Reformation bis in die Gegenwart (Regensburg 1986), S. 124–127, hier. S. 125. 51 Elena Venturini (Hg.), Le collezioni Gonzaga. Il carteggio tra la corte cesarea e Mantova (1559– 1636) (Milano 2002), S. 243. 52 „Et giunto al palazzo, dove s’era ridotta tutta la corte, S. M. venne ad incontrare S. S. I., o più tosto si fece portare, non potendo, come lo sa, caminare, fino all’ultima porta della sala appresso la scala, dove ricevè S. S. I. con grandissima allegrezza et cortesia, et toccò la mano a tutta la sua famiglia.“ Dolfin an Gallio, Regensburg 1576 Juni 20, Nuntiaturberichte aus Deutschland nebst ergänzenden Akten- stücken, 3. Abt.: 1572–1585, Bd. 8: Daniela Neri (Bearb.), Nuntiatur Giovanni Dolfins (1575–1576) (Tübingen 1997), S. 595. 53 Sutter Fichtner 2003 (wie Anm. 43), S. 208–210. Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Titel
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Untertitel
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Autor
Mario Döberl
Herausgeber
Alejandro López Álvarez
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorien
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