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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
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Tragsessel an den Höfen der österreichischen Habsburger 241 in ihrem Tragsessel in die Stiftskirche tragen, wo sie eine Litanei hörte. Der darauf folgende Tag brachte einen Wetterumschwung mit starken Regenfällen. In kurzer Zeit ließen die Niederschläge die Donau anschwellen und über ihre Ufer treten. Um eine akute Gefähr- dung der Kaiserin und ihrer mitreisenden Hofdamen auszuschließen, beschloss man, die Frauen bei Greifenstein aus den Schiffen zu bergen. Damit sie nicht selbst im tiefen Wasser und Schlamm des überfluteten Auwaldes waten mussten, wurden die schwangere Königin und ihre Hofdamen nacheinander im Tragsessel der Monarchin an Land gebracht. Die sechs mitgereisten königlichen Sesselträger, die vor der Abfahrt noch neu eingekleidet worden wa- ren, zeigten sich in dieser Situation mit ihrer Aufgabe überfordert und mussten deshalb von Khevenhüller, dem Obersthofmeister der Königin, sowie von einigen anderen Kavalieren tatkräftig unterstützt werden.117 Nachdem sich das Wetter gebessert hatte und der Pegelstand des Flusses wieder gesunken war, konnte die Reise fortgesetzt werden. Am 10. August trafen die schwangere Königin und ihr Gefolge schließlich wohlauf in Passau ein.118 Nach einer Nacht auf dem Schiff wurde die Königin am darauf folgenden Tag im Tragsessel an Land gebracht und unter einem Baldachin in die Domkirche geleitet.119 Die Wiedersehensfreude der beiden Geschwister war groß. Kardinalinfant Ferdinand ließ seiner Schwester am 13. August einen „galanten“ Tragsessel als Geschenk überreichen.120 Bei einem Besuch der auf einem Hügel bei Passau gelegenen Wallfahrtskirche Mariahilf testete die Königin sogleich ihren neuen Tragsessel.121 Sie scheint ihn auch noch in späteren Jahren verwendet zu haben, denn am 4. Mai 1637, zu einem Zeitpunkt, als Maria Anna bereits Kaiserin war und gerade wieder ein Kind erwartete, werden in einer Liste von Vehikeln, die für einen Landaufenthalt in Laxenburg bereitgestellt werden sollten, auch „ir. m[ajestä]t drey sessel“ erwähnt. Die Kai- serin benötigte gemäß dieser Liste an Tragsesseln „den von sereniss[i]mo infante“, also jenen, den ihr Bruder ihr 1634 in Passau geschenkt hatte, außerdem „den päpstl[ichen]“, also jenen, den sie 1631 auf ihrer Brautreise nach Wien von Urban VIII. als Präsent erhalten hatte, und schließlich „den khlain“122, womit vermutlich der mit grünem Seidendamast bezogene kleine Tragsessel gemeint ist, der uns ebenfalls schon in den Quellen des Jahres 1631 begegnete. 117 Ebenda, Bd. 12, Sp. 1446–1450. Franz Christoph von Khevenhüller an Kaiser Ferdinand II., Tulmb (Tulln) 1634 Juli 16, ÖStA, HHStA, ÄZA, K. 2, Konv. 18, fol. 3r. Zu dieser Reise siehe auch Otto Friedrich Winter, Die Donaureise Königin Marias im Sommer 1634. In: Mitteilungen des Öster- reichischen Staatsarchivs 25 (1972), S. 359–373. 118 Khevenhüller 1721–1726 (wie Anm. 61), Bd. 12, Sp. 1455 f. 119 Kardinal Dietrichstein an Kaiser Ferdinand II., Passau 1634 August 12, ÖStA, HHStA, ÄZA, K. 2, Konv. 18, fol. 76r. 120 Khevenhüller 1721–1726 (wie Anm. 61), Bd. 12, Sp. 1457; Franz Christoph Khevenhüller an Kaiser Ferdinand II., Passau 1634 August 15, ÖStA, HHStA, ÄZA, K. 2, Konv. 18, fol. 83r. 121 Khevenhüller 1721–1726 (wie Anm. 61), Bd. 12, Sp. 1457. 122 ÖStA, HHStA, OMeA, SR, K. 76, Konv. 8, unfol. Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Titel
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Untertitel
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Autor
Mario Döberl
Herausgeber
Alejandro López Álvarez
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorien
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