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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
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Seite - 243 - in Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts

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Tragsessel an den Höfen der österreichischen Habsburger 243 hin erfolgten Zahlungen an mehrere Wiener Handwerker, die sich an der Herstellung des Tragsessels beteiligten, nämlich an Hofsattler Hans Pusch (42 Gulden)127, an Hofriemer Hans Leüttl (20 Gulden)128, an Hofschlosser Daniel Knaupus (26 Gulden)129 und an den bürgerlichen Messerschmied Hans Weber (40 Gulden)130, was für Material und Arbeits- leistung einen Gesamtbetrag von 708 Gulden ergibt.131 Zählt man auch noch die Kosten von 1416 Gulden für die Livree hinzu, die der kaiserliche Zeltmeister Andreas Heiminger damals für neun kaiserliche Sesselträger neu anfertigte132 und die einen Bestandteil des Trag- sesselensembles bildete, ergibt dies die beachtliche Summe von 2124 Gulden. Vermutlich bediente sich die Kaiserin auch bei der solennen Zeremonie des Hervor- gangs aus dem Kindbett, ihrem ersten öffentlichen Auftritt vierzig Tage nach der Geburt, erneut ihres neu angefertigten rotsamtenen Tragsessels. Erwähnt ist in einer Quelle zu die- sem Ereignis, dass sich Maria Anna damals in einem Tragsessel aus ihren Gemächern über den sogenannten Augustinergang in die Augustinerkirche bringen ließ. Unmittelbar nach ihr folgte die Gräfin Trautson, die den kleinen Prinzen im Arm hielt und ihn über die Treppe hinab in die Kirche trug. In der Kirche übernahm die Kaiserin ihren Sohn und brachte ihn selbst bis zur Loretokapelle, wo sie ihn auf den Altar legte und vom Wiener Bischof segnen ließ. Nach beendeter Messfeier ließ sich die Kaiserin abermals im Tragsessel über die Treppe und den Gang zurück in ihre Räumlichkeiten in der Hofburg transportie- ren, wobei ihr wie zuvor Gräfin Trautson mit dem Kind folgte.133 Zu Beginn des Jahres 1642 gab der kaiserliche Oberststallmeister Waldstein erneut den Bau eines Tragsessels für Kaiserin Maria Anna in Auftrag, der diesmal mit schwarzer Seide 127 ÖStA, FHKA, HZAB, Bd. 86, fol. 226r (1640 Februar 29); erwähnt auch in Schwaighofer 1938 (wie Anm. 126), Reg. 253 (hier fälschlicherweise mit Hansen „Puch“ transkribiert). 128 ÖStA, FHKA, HZAB, Bd. 86, fol. 226v–227r (1640 Februar 29); erwähnt auch in Schwaig- hofer 1938 (wie Anm. 126), Reg. 255. Biographische Informationen zu Hans Leüttl liefert Herbert Haupt, Das Hof- und hofbefreite Handwerk im barocken Wien 1620 bis 1770. Ein Handbuch (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte 46, Innsbruck/Wien/Bozen 2007), S. 543 (dort unter der Namensvariante „Johann Leydl“). 129 ÖStA, FHKA, HZAB, Bd. 86, fol. 226v (1640 Februar 29); erwähnt auch in Schwaighofer 1938 (wie Anm. 126), Reg. 254. Mehr zu Knaupus findet sich bei Haupt 2007 (wie Anm. 128), S. 318 (dort unter der Namensvariante „Daniel Knaufus“). 130 ÖStA, FHKA, HZAB, Bd. 86, fol. 226v (1640 Februar 29). 131 Diese Gesamtsumme wird auch erwähnt in ÖStA, FHKA, Hoffinanz, Bd. 774, fol. 236r (1640 März 14), fol. 305v (1640 April 3) und fol. 381v (1640 April 3). 132 ÖStA, FHKA, HZAB, Bd. 86, fol. 227r (1640 Mai 19); erwähnt auch in Schwaighofer 1938 (wie Anm. 126), Reg. 252. Zu Haiminger siehe auch Haupt 2007 (wie Anm. 128), S. 493 f. 133 ÖStA, HHStA, ÄZA, K. 3, Konv. 2, fol. 1r–v. Eine weniger ausführliche Beschreibung dieses Ereig- nisses liefert der venezianischen Botschaftssekretär Thadio Vico an Doge Francesco Erizzo, Wien 1640 Juli 28, ÖStA, HHStA, Venedig, DdG, Bd. 84, S. 54 f. Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Titel
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Untertitel
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Autor
Mario Döberl
Herausgeber
Alejandro López Álvarez
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorien
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