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248 Mario Döberl
Elisabeth (1737)168, Maria Anna (1738)169, Maria Karolina (1740)170 und Joseph (II.) (1741)171,
keinerlei Tragsessel erwähnt.
So lässt sich als Fazit festhalten, dass in schriftlichen Dokumentationen von Taufen
am Kaiserhof erstmals für das Jahr 1640 mit Sicherheit die Verwendung eines Tragsessels
nachweisbar ist, Tragevehikel aber anschließend für lange Zeit bei Taufen nicht mehr zum
Einsatz kamen. Erst viele Jahrzehnte später, bei den Taufen der Kinder von Kaiser Karl VI.
und Kaiserin Elisabeth, fanden Tragsessel wieder einen – wenn auch nur peripheren –
Platz im Rahmen des kaiserlichen Taufzeremoniells. Schon Ende der 1730er Jahre hatten
sie diesen aber vorläufig erneut verloren.
Etwas anders als bei den Taufen sieht die Situation bei den feierlichen Hervorgängen
der Mütter aus dem Kindbett aus. Eleonora Gonzaga (II.), die dritte Frau Kaiser Ferdi-
nands III., brachte insgesamt vier Kinder zur Welt. Für ihre ersten öffentlichen Auftritte
nach den jeweiligen Geburten lässt die Quellenlage leider zu wünschen übrig. Ihr Hervor-
gang nach der Niederkunft mit ihrer ältesten Tochter Therese Maria Josepha (1652) wurde
in den Zeremonialprotokollen noch nicht erfasst,172 und auch der Hervorgang nach der
Geburt von Maria Anna Josepha (1655)173 findet keine Erwähnung in dieser bedeutenden
Quelle zu zeremoniellen Ereignissen am Kaiserhof. Die Hervorgänge der Kaiserin nach
den Geburten von Eleonore Maria Josepha (1653)174 und Ferdinand Joseph (1657)175 sind
in den Zeremonialprotokollen zwar kurz beschrieben, diese bieten aber ebenfalls keinerlei
Anhaltspunkte dafür, dass dabei Tragsessel zum Einsatz kamen. Eine dauerhafte Änderung
im Zeremoniell lässt sich erst ab den 1660er Jahren konstatieren. Als am 28. September
1667 Kaiser Leopold I. und seiner ersten Frau Margarita Teresa mit Ferdinand Wenzel
ein Thronfolger geboren wurde, wurde der Hervorgang der Kaiserin am 6. November be-
sonders festlich begangen. Auf dem Weg von ihren Gemächern in der Wiener Hofburg
über den Augustinergang in die nahe gelegene Augustinerkirche folgte unmittelbar nach
168 ÖStA, HHStA, ZA, Prot. 16, fol. 205r–207v.
169 ÖStA, HHStA, ZA, Prot. 16, fol. 383r–386r.
170 ÖStA, HHStA, ZA, Prot. 17, fol. 102v–105r.
171 ÖStA, HHStA, ZA, Prot. 18, fol. 29v–46r.
172 Die Zeremonialprotokolle des Wiener Hofes setzen erst mit 29. September 1652 ein, die Taufe von
Erzherzogin Therese Maria Josepha fand aber bereits am 27. März desselben Jahres statt. ÖStA,
HHStA, ZA, Prot. 1, S. 1; Theatrum Europaeum, Bd. 7 (Frankfurt a. M. 1685), S. 324.
173 ÖStA, HHStA, ZA, Prot. 1.
174 ÖStA, HHStA, ZA, Prot. 1, S. 295 f.
175 ÖStA, HHStA, ZA, Prot. 1, S. 634. Etwas ausführlicher ist ein in den sogenannten „Älteren Zere-
monialakten“ aufbewahrter Bericht über den Hervorgang der Kaiserin am 26. März 1657, in dem
aber ebenfalls keine Verwendung eines Tragsessels dokumentiert ist. ÖStA, HHStA, ÄZA, K. 3,
Konv. 2, fol. 1v.
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
- Titel
- Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
- Untertitel
- Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
- Autor
- Mario Döberl
- Herausgeber
- Alejandro López Álvarez
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20966-9
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 432
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918