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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Seite - 255 -
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Tragsessel an den Höfen der österreichischen Habsburger 255 blieb der Gesundheitszustand des Kaisers konstant schlecht. Der venezianische Botschafter berichtete, dass die Wassersucht, die sich an den geschwollenen Beinen Ferdinands III. bemerkbar machte, wenig Hoffnung auf eine Genesung gebe und dass dies auch bei den anwesenden Reichsvertretern mit Schrecken registriert werde.209 Die Wahl Ferdinands IV. zum Römischen König fand am 31. Mai 1653 in der Augsbur- ger Kirche St. Ulrich statt. Nach Beendigung des Konklaves wurde der Kaiser vom Aus- gang der Wahl verständigt und im Tragsessel in die Gregorkapelle von St. Ulrich gebracht, wo man ihm den kaiserlichen Ornat angelegte. Anschließend verließ er gemeinsam mit seinem Sohn, der dem Volk als zukünftiger Kaiser präsentiert wurde, den Kurfürsten und den Gesandten in feierlicher Prozession die Kirche in Richtung kaiserliches Quartier. Da- bei wurde Ferdinand III. in einem „roth sameten sessel“ unter einem Baldachin getragen, gefolgt vom zu Fuß schreitenden Ferdinand IV.210 Auch diese Prozession wurde auf einem in mehrere Felder geteilten Kupferstich bildlich wiedergegeben (Abb. 7). Zwar ist darauf zu sehen, dass der Kaiser in einem von zwei Sesselträgern bedienten offenen Tragsessel unter einem Baldachin befördert wird, allerdings lassen sich keine weiteren Details des Tragevehikels erkennen. Auch bei der Krönung Ferdinands IV. am 18. Juni 1653 in Regensburg musste sich der Kaiser der „unpässlichkheit halber“ in den Dom und nach vollzogener Krönungszeremo- nie vom Dom zum Bankett in einem „sessel“ tragen lassen, über den Regensburger Rats- mitglieder einen Baldachin spannten.211 Vom Krönungstag existiert ebenfalls ein Einblatt- druck samt einer graphischen Darstellung des Kaisers im Tragsessel. Allerdings gibt auch diese Bildquelle, die ähnlich der Illustration auf dem Stich zum Wahltag (Abb. 7) gestaltet ist, nur einen sehr schematischen Eindruck vom Geschehen.212 Auf einem weit qualitätvolleren, aber leider weder mit einem Titel noch mit einer Be- schreibung versehenen Stich des 17. Jahrhunderts ist gleichfalls ein Kaiser im Tragsessel dargestellt, dem der Römische König als sein designierter Nachfolger im vollen Krö- nungsornat hinterhergeht (Abb. 8). Da es sich dabei um eine Szene aus einer Krönung 209 „[…] rappresentano la mala dispositione di salute di Sua Maestà aggravata da una specie d’hidropesia nelle gambe e con poca speranza di rimedio, pare che queste rimostranze faccino impressione in Ratis- bona, […].“ Venezianischer Botschafter Girolamo Giustinian an Doge Francesco Molin, Prag 1653 Februar 19, ÖStA, HHStA, Venedig, DdG, Bd. 102, S. 455 f. 210 ÖStA, HHStA, ZA, Prot. 1, S. 200–217. Dass der Kaiser bei dieser Gelegenheit in einem Trag- sessel transportiert wurde, ist auch im Theatrum Europaeum, Bd. 7 (Frankfurt a. M. 1685), S. 359, festgehalten. Auch eine italienischsprachige Zeitung aus Augsburg vom 6. Juni 1653 erwähnt, dass Ferdinand III. aus der Kirche in vollem Ornat „sotto ad un superbissimo baldacchino in seggietta“ getragen worden sei. ASF, MdP, filza 4400, unfol. 211 ÖStA, HHStA, ZA, Prot. 1, S. 241, 263 f. 212 John Roger Paas, The German Political Broadsheet 1600–1700, Bd. 8 (Wiesbaden 2005), P-2321. Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Titel
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Untertitel
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Autor
Mario Döberl
Herausgeber
Alejandro López Álvarez
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorien
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