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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Seite - 261 -
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Tragsessel an den Höfen der österreichischen Habsburger 261 Kosten verbunden war.229 Harrach sah bei diesen Kostenfaktoren vorerst aber keine Ein- sparungsmöglichkeiten.230 Ferdinand III. ging der erste Reformentwurf Harrachs aber offensichtlich nicht weit genug, da der Oberststallmeister bereits am 3. März 1657 ein zweites Konzept vorlegte, das wesentlich tiefere Einschnitte für den Bereich des Hofmarstalls vorsah. Der Pferde- und Maultierstand sollte laut diesem Schriftstück von 385 auf 286 Stück reduziert werden, und für die Tragsessel und Sesselträger waren darin keine eigenen Pferdegespanne mehr vorge- sehen.231 Die von Harrach vorgeschlagenen Einsparungen konnten jedoch nicht mehr wie geplant zur Ausführung gelangen, da Ferdinand III. am 2. April 1657 verstarb und damit etwaige Reformen seinem Sohn Leopold I. vorbehalten blieben. Leopold I. ersuchte bereits in den ersten Wochen nach seinem Regierungsantritt den scheidenden Oberststallmeister Franz Albrecht Harrach, der noch bis 30. Juni 1657 sein Amt versah,232 einen Überblick über das Marstallpersonal zu geben. Harrach legte daraufhin dem neuen Herrscher ein Papier vor, in dem er auch seine Einschätzung zu Einsparungsmöglichkeiten ausbreitete. In Hinblick auf das jugendliche Alter des noch unverheirateten Monarchen – Leopold I. wurde am 9. Juni 1657 erst siebzehn Jahre alt – meinte Harrach, dass derzeit keine Sesselträger benötigt würden, und stellte die Möglichkeit in den Raum, die vorhandenen Sesselträger der Kaiserin-Witwe Eleonora Gonzaga (II.) für deren neu zu schaffenden Witwen-Hofstaat zu überlassen. Der Oberst- stallmeisters stellte weiterhin fest, dass viele der Sesselträger schon sehr lange Dienst- zeiten hinter sich hätten, was darauf hindeuten könnte, dass er sie nur noch für bedingt einsatzfähig hielt und dem Herrscher in verblümter Weise ihre Entlassung nahelegen wollte.233 Leopold I. setzte kurz darauf tatsächlich einige der vorgeschlagenen Reformen 229 Bei der Donaureise von Kaiserin Maria von Linz nach Wien im Jahr 1645 waren insgesamt zwei- undfünfzig Schiffe eingesetzt, von denen eines für die Sesselträger und die Tragsessel reserviert war. ÖStA, HHStA, ÄZA, K. 3, Konv. 7, fol. 1–4, hier fol. 3r. Als im Jahr 1648 Kaiser Ferdinand III. und seine zweite Frau Maria Leopoldine von Linz nach Wien reisten, waren ihr Hofstaat und Gepäck auf neunundvierzig Schiffe und zehn Flöße aufgeteilt. Die Leiblakaien und Sesselträger teilten sich damals eine Plätte. ÖStA, HHStA, ÄZA, K. 3, Konv. 14, fol. 1–4, hier fol. 1v. 230 Unsigniert, aber wohl Oberststallmeister Franz Albrecht Harrach, Wien 1657 Februar 28, ÖStA, AVA, FA Harrach, Akten, K. 796, Konv. „Oesterreich, Hofstaat. Gestütte Lippizza und Kladrub und Oberststallmeisteramt.“, fol. 87v. 231 Oberststallmeister Franz Albrecht Harrach an Kaiser Ferdinand III., Wien 1657 März 3, ÖStA, AVA, FA Harrach, Akten, K. 796, Konv. „Oesterreich, Hofstaat. Gestütte Lippizza und Kladrub und Oberststallmeisteramt.“, fol. 12r–19v. 232 ÖStA, HHStA, OMeA, SR, Bd. 186, fol. 162v. 233 „Sesseltrager, weillen ihr könig[liche] may[estät] [Leopold I., Anm. d. Verf.] der zeit kheine betör- fen, stehen zu dero belieben, ob sie hiervon welche behalten, und ob ihr may[estät] die khayserin, villeucht etliche haben wolten, den es sein theils unter ihnen, so schon lang gedienet, und seint die Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Titel
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Untertitel
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Autor
Mario Döberl
Herausgeber
Alejandro López Álvarez
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorien
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