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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Seite - 337 -
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Tragsessel am Münchner Hof 337 nicht nur gründlich gereinigt, sondern auch ausgeräuchert werden musste. Zudem hatte der Sesselmeister die Aufsicht über die Sesselträger: Hat er sich auf die Türckhen, so zum tragen gebraucht werden, Obacht zuhalten, d[a]z sye in ihrer Klaidtung nit zerissen, od[er] schlämppisch daher gehen, sonder sich alzeit sauber halten.73 Dieser Absatz ist interessant, werden doch ausdrücklich Türken als Sesselträger genannt. Auf dem Kupferstich mögen die Kopfbedeckungen der beiden Sesselträger an Heidu- cken-Darstellungen aus dem 18. Jahrhundert erinnern.74 3 3 Türken als Sesselträger Bereits Ende 1683 kamen die ersten türkischen Kriegsgefangenen nach der Schlacht am Kahlenberg bei Wien nach München. Zwei Türken, die sich beide Achmet nannten, wur- den im Januar 1684 im Münchner Zuchthaus verhört, da man sich Lösegeld von ihnen versprach.75 Weil eine Auslösung nicht zustande kam, versuchte man die beiden Türken in München zu integrieren. Sie konvertierten zum katholischen Glauben und ließen sich taufen. Am 2. Juli 1684 nahm ein Achmet den Namen seines Taufpaten, des kurbaye- rischen Hofrats, Hofoberrichters und Truchsesses Franz Adam Präntl zu Irnsing an. Er nannte sich nun Franz Adam. Laut Matrikeleintrag im Taufbuch von St. Peter wurde die Taufe nicht in der Kirche vollzogen, sondern wegen einer Erkrankung des Türken im städ- tischen Zuchthaus.76 Hier fand am 18. August 1684 noch eine zweite Taufe statt, bei der Kurfürst Max Emanuel selbst die Patenschaft übernahm. Vertreten wurde er durch seinen Kammerdiener Kilian Bill. Dieser türkische Kriegsgefangene, der sich gleichfalls Achmet nannte, hieß nun Anton Achmet.77 Der in lateinischer Sprache verfasste Eintrag im Tauf- buch von St. Peter berichtet, dass Anton Achmet 1683 bei Wien gefangen genommen und 73 Ebenda, Absatz 7. 74 Heiducken waren Wehrbauern, die in Südosteuropa im Grenzgebiet zum Osmanischen Reich leb- ten. Seit dem späten 16. und im frühen 17. Jahrhundert wurden in Österreich und im Königreich Ungarn besoldete Infanteristen als Heiduck bezeichnet. 75 Kurfürst Max Emanuel. Bayern und Europa um 1700, 2 Bde. (Ausstellungskatalog, München 1976), S. 81, Nr. 210. 76 Archiv des Erzbistums München und Freising, Pfarrmatrikeln, Taufen St. Peter, 1683–1689 (Sign. 8953), fol. 67v.; vgl. Markus Krischer, Der Mann aus Babadag. Wie ein türkischer Janitschar 1683 nach München verschleppt und dort fürstlicher Sänftenträger wurde (Darmstadt 2014), S. 82 f. 77 Archiv des Erzbistums München und Freising, Pfarrmatrikeln, Taufen St. Peter, 1683–1689 (Sign. 8953), fol. 71v. Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Titel
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Untertitel
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Autor
Mario Döberl
Herausgeber
Alejandro López Álvarez
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorien
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