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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Seite - 352 -
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352 Marie Maggiani den sozialen Status, den eine Person innehatte beziehungsweise anstrebte. In der damals vorherrschenden Kultur des Scheins waren die Menschen gezwungen, hohe Ausgaben für Luxusgüter zu tätigen, um sich allzeit in bestem Licht darzustellen. Das permanente, kol- lektive Zurschaustellen der eigenen Person, etwa bei Theaterbesuchen, Spazierfahrten oder ähnlichen gesellschaftlichen Ereignissen, nahm mitunter die Gestalt regelrechter Paraden im öffentlichen Raum an. Entgegen der gängigen Annahme, Tragsessel seien allein für Frauen und kranke oder gebrechliche Geistliche bestimmt gewesen, war die Realität weit komplexer. Zwar trifft es zu, dass hochrangige Kleriker schon sehr früh Tragsessel verwendeten, die ihnen entweder selbst gehörten oder die ihnen zur Ausübung ihres Amtes zur Verfügung gestellt wurden und auf denen in der Regel ihr eigenes Wappen angebracht war.21 Und auch wohlhabende verheiratete Frauen, die sich auf eigene Kosten einen Tragsessel beschafften, oder Bräute, die zuweilen einen Tragsessel als Hochzeitsgeschenk erhielten, zählten zu den Nutzern von Tragsesseln. Außer Zweifel steht jedoch auch, dass Tragsessel, die das Allianzwappen eines Ehepaars trugen, auch von beiden Eheleuten verwendet werden konnten. Gelegentlich stand hinter der Bestellung eines neuen Vehikels ein sozialer Aufstieg oder ein Emporkom- men auf der Karriereleiter. In Anbetracht der hohen Kosten und des großen Platzbedarfs für Equipagen stellten Tragsessel manchmal auch für Männer eine ernsthafte Alternative zu Kutschen dar. 3 Beispiele aus sekundären Machtzentren und der Peripherie des Königreichs Da die Herstellungsumstände von Pariser Tragsesseln weitgehend im Dunkeln liegen, ist es auch schwierig einzuschätzen, wie und mit welcher Geschwindigkeit sich die in der Hauptstadt entwickelten Modelle im Rest des Königreiches verbreiteten. Wir können je- doch davon ausgehen, dass in Fachkreisen Zeichnungen, Modelle, Graphiken oder gar „Kataloge“ von Tragsesseln zirkulierten. Zudem ist der direkte Austausch unter Berufs- kollegen in Betracht zu ziehen. Auf diesen Wegen war es mit Hilfe von Entwürfen oder auf dem Wege persönlicher Vermittlung möglich, hinsichtlich Weiterentwicklungen tech- nischer oder stilistischer Natur auf dem Laufenden zu bleiben. Außerdem bestand auch die Option, ein bereits existierendes Vehikel einfach nachzubauen. Ein solches Vorgehen 21 Hierfür existieren nur Beispiele aus dem 18. Jahrhundert, so etwa ein im Museum Duplessis (Car- pentras) ausgestellter Tragsessel im Rokokostil. Dieses Vehikel trägt auf der Rückseite das Wappen von Monseigneur Vignoli, der 1757 zum Bischof der Stadt ernannt wurde. Auf den Türen ist das Wappen seines Nachfolgers, Monseigneur Beni (1776–1791), angebracht. Siehe Maggiani 2007 (wie Anm. 4), Bd. 2, Tragsessel Nr. 24. Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Titel
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Untertitel
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Autor
Mario Döberl
Herausgeber
Alejandro López Álvarez
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Abmessungen
17.5 x 24.7 cm
Seiten
432
Kategorien
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