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Transdifferenz und Transkulturalität - Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
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Anachronistinnen 349 möglichkeit der Vermittlung zwischen den unterschiedlichen sozialen Positionen herausstellen, d.h. den Status quo der aktuellen sozialen Hierarchie mitreflektie- ren. Die auch in den zeitgenössischen Besprechungen anzutreffende Kritik bezieht sich auf die Oberflächlichkeit, die zu den Gründen der zurecht beanstandeten Missstände nicht vorzudringen vermag, und die Alltäglichkeit der plauderhaften beziehungsweise typisch weiblich didaktischen Tonlage sowie der Partikularität der Themenwahl, die für den Band letzten Endes das Prädikat seriöse Literatur unmöglich macht.20 Somit werden Kriterien an den Tag gelegt, die im Umkehr- schluss die Alternativlosigkeit der urbanen Modernisierung an einem exemplari- schen Textensemble zeigen. Durch diesen selbstironischen Pragmatismus wird Ego in die Nähe der Vertreterinnen der konservativen Frauenbewegung gerückt, die im Gegensatz zu der systemischen, alle sozialen Bereiche inkludierenden Auf- fassung der Frauenfrage seitens der Feministinnen auf die »gesellschaftlichen Er- fahrungen der lokalen, aktuellen Verhältnisse« setzten und dementsprechend die Frauenantworten auf die »Interessen und Traditionen der gesamten Gemeinde«21 abstimmten. Im Epilog zum Band, dessen Texte zuerst im Publikationsorgan der profiliertesten Autorinnen und Autoren der Moderne, der Tageszeitung Pesti Napló (Pester Journal), erschienen sind, kündigt sie seitenlang den Rückzug aus der auf Hochtouren laufenden Debatte über die Dienstmädchenfrage an. Die Strategie der Selbstpersiflage auf sich selbst applizierend, erfolgt der Rückzug angesichts der zahlreichen Angriffe seitens der vornehmen Leserschaft, um letztlich den Band mit dem Dankesbrief eines Dienstmädchens abzuschließen. Diese Geste, die zwar nicht propagandistisch, aber kämpferisch den Entrechteten eine Stimme verleiht, findet auch im Nekrolog des sozialistischen Tagblatts Népszava (Volksstimme), ihres späteren Publikationsorts, Erwähnung.22 Diese lustvolle Kapitulation – sie apostrophiert sich bei der gescheiterten Er- probung der unterschiedlichen Lösungsmöglichkeiten als »geistigen Parvenü«23 – zeichnet auch die dramatisierten Skizzen von Olga Szende-Dárday (1878–1923) aus, die auf Ungarisch 1909 und in der englischen Übersetzung mit dem Titel Crab Apples. Hungarian society sketches 1914 erschienen sind.24 Diese soziale Typen und ideologische Positionen allegorisierenden Minidramen kann man zwar nur entit%C3%A1s_Budapesten_a_sz%C3%A1zadfordul%C3%B3n._Budapesti_Negy ed_16._%C3%A9vf._2008_2._sz._351_368 (zuletzt eingesehen am 12.8.2015). 20 | Vgl. NN: Pest és pestiek. In: Vasárnapi Ujság v. 1.12.1907, S. 973; NN: Pest és pestiek. In: Budapesti Hirlap v. 8.12.1907, S. 39. 21 | Sárai Szabó, Katalin: Normakövető női emancipáció. A konzervatív nőmozgalom Ma- gyarországon a 19. század végén, 20. század elején [Normverfolgende Frauenemanzipation. Konservative Frauenbewegung in Ungarn Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts]. In: Replika 85-86 (2014), S. 85-106, hier S. 88f. 22 | Vgl. NN: ego. In: Népszava v. 9.4.1940, S. 5. 23 | Ego: Pest és pestiek, S. 186. 24 | Szendéné Dárday, Olga: Vadalmák. Budapest: Rákosi Jenő Budapesti Hirlap Ujságvál- lalata 1909; Dárday, Olga: Crab Apples. Hungarian society sketches. O.Ü. London: Goschen 1914. In der 1914 gestarteten Reihe des Verlags »Goschen’s Library of Translations« er- schien außer Dárdays Werk lediglich Arthur Schnitzlers Frau Bertha Garlan. Dass der Verlag mehrere Werke der Großstadtliteratur im Programm führte, ist der einzige Anhaltspunkt für die Erklärung dieser Veröffentlichung.
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Transdifferenz und Transkulturalität Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Titel
Transdifferenz und Transkulturalität
Untertitel
Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Autoren
Alexandra Millner
Katalin Teller
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-3248-8
Abmessungen
15.4 x 23.9 cm
Seiten
454
Schlagwörter
transdifference, transculturality, alterity, migration, literary and cultural studies, Austria-Hungary, Transdifferenz, Transkulturalität, Alterität, Migration, Literatur- und Kulturwissenschaften, Österreich-Ungarn
Kategorie
Kunst und Kultur
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