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Transdifferenz und Transkulturalität - Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
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Anachronistinnen 351 zensentin sprach im offiziellen Organ des Vereins der Feministinnen um Rózsa Bédy-Schwimmer, das auch einen Auszug veröffentlichte,30 dem Band jede nost- algische, reaktionäre Tendenz ab und würdigte die ohne belletristische Ambitionen angefertigten »fotografischen Aufnahmen«31 als reformerisch und der Progression verpflichtet. Die Zusammenführung dieser auseinanderstrebenden Linien der Rezeption zeigt, wenn auch kein reziprokes Verhältnis, so allenfalls doch eine Interdependenz der Kriterienbildungen, indem Negativformulierungen und abge- schwächte Differenzierungen die Urteilsfindung begleiten und dabei, wie im Fall von Egos fortschrittlichem Konservatismus, einmal mehr die Isolierbarkeit der mit der Frauenfrage assoziierbaren Themenfelder belegen. Die beiden Beispiele von Ego und Szende-Dárday exemplifizieren die generel- le spielerische Lesart der Transdifferenz, jene Leichtigkeit, die auf der Kenntnis der problematischen Sachverhalte beruht, aber mit Egos Worten sowohl vor der Skandalisierung als auch vor dem Predigen zurückschreckt.32 Dieses Unbehagen an den herkömmlichen Formen des Engagements ist auch für die letzten beiden Beispiele bezeichnend, die an sich problemlos, d.h. mit den männlichen Pendants durchaus vergleichbar, als klassische Reportagen rubriziert werden können. Der Band Túl a palotákon (Jenseits der Paläste) von Frau Géza Antal (1874–1914) aus dem Jahr 1913,33 der auf ihre Publikationen in der bürgerlich-radikalen Tageszeitung Világ (Welt) zurückgeht, kommt vollends den gegenüber der Textsorte gehegten Erwartungen entgegen und bietet eine Revue aus den leicht identifizierbaren klas- sischen Problemfeldern der urbanen Modernisierung. Prototypisch ist auch ihre Selbstbeschreibung, die sie auf die Umfrage des wichtigsten Reporters der Zeit, Kornél Tábori, dem Reporterkollegen von Ego und Vater des Dramatikers Georg(e)/ György Tábori (Tabori), eingeschickt hat, der 1912 für den A Budapesti Ujságírók Egyesülete Almanachja (Almanach des Verbands der Budapester Journalisten) das Feld der Schriftstellerinnen und Journalistinnen ermessen wollte: Durch das Schlüsselloch zu blicken, wo das Leben, das spannende Leben, das spannende, bunte Leben atmet, gärt, weint, jubelt und tobt. Heute unter den Perditen; sie sitzen um mich herum und erzählen von den Ereignissen der elendsten Laufbahn; morgen unter lachenden glücklichen Frauen. Dann wieder unter den Verworfenen, und dann mal unter den Benei- deten. Und das Leben sehen, eintauchen und lieben und getreu wiedergeben, was in ihm steckt. Und all das im Dienste der herrlichsten, der undankbarsten Laufbahn, im Dienste des Journalismus, all das mit dem Zweck, dass er für einen Tag lebt wie eine Eintagsfliege!34 Frau Antal betrieb als Reporterin mit wechselndem Erfolg verdeckte Recherche, die in den härtesten Krisensituationen zu ihrer Enttarnung führte. Die im Band 30 | Vgl. Szendéné-Dárday, Olga: Az édes otthon [Das süße Heim]. In: A Nő és a Társadalom v. 1.1.1910, S. 14-15, sowie v. 1.2.1910, S. 28-29. 31 | NN: Szendéné Dárday Olga: Vadalmák. In: A Nő és a Társadalom v. 1.5.1909, S. 77. 32 | Vgl. Ego: Pest és pestiek, S. 132. 33 | Antal, Gézáné: Túl a palotákon. Pesti riportok [Jenseits der Paläste. Pester Reportagen]. Budapest: Dick 1913; s. auch http://mtdaportal.extra.hu/books/antal_gezane_tul_a_pa lotakon.pdf (zuletzt eingesehen am 12.8.2015). 34 | Tábori, Kornél: Női írók és zsurnaliszták [Weibliche Schriftsteller und Journalisten]. In: A Budapesti Ujságírók Egyesülete Almanachja 1912, S. 33-72, hier S. 47.
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Transdifferenz und Transkulturalität Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Titel
Transdifferenz und Transkulturalität
Untertitel
Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Autoren
Alexandra Millner
Katalin Teller
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-3248-8
Abmessungen
15.4 x 23.9 cm
Seiten
454
Schlagwörter
transdifference, transculturality, alterity, migration, literary and cultural studies, Austria-Hungary, Transdifferenz, Transkulturalität, Alterität, Migration, Literatur- und Kulturwissenschaften, Österreich-Ungarn
Kategorie
Kunst und Kultur
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