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Transdifferenz und Transkulturalität - Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Seite - 352 -
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Amália Kerekes352 wohl dokumentierten Beispiele für das Gelingen und Scheitern dieser Reportage- technik sind v.a. aus dem Grund aufschlussreich, weil sie zwar in die vertrauten Elendsviertel von Budapest führen, aber deutlicher als die anderen Exemplare die Frage der Schuldzuweisung beziehungsweise die Bewusstheit der Armut aus der Perspektive der eigentlichen Objekte der Darstellung thematisieren.35 Diese Form der Armutsdarstellung lässt sich ungleich schwerer mit den begrifflichen Kontu- ren der Transdifferenz charakterisieren, denn der Grad der Reflexivität verhallt in rhetorischen Fragen, die keine Unsicherheit signalisieren, nur ihr Gegenteil – »frei von Sentimentalität«,36 wie es ein Jahr später in ihrem Nekrolog heißen wird. Auch wenn in den einzelnen Reportagen exemplarisch veranschaulicht wird, was es heißt, sich auf eine Situation einzulassen und mit mäßigem Erfolg aus ihr her- auszukommen, bleibt die Linie klar; und auch die zahlreichen Metaphern, die zur Beschreibung der kaum fassbaren Armut herangezogen werden, beziehungswei- se die Interventionen der Reporterin zugunsten der Herstellung einer gerechten Ordnung verstärken eher den Eindruck, dass die Perspektive der Reportagen auf die Destruktion und nicht Dekonstruktion der Differenzen ausgerichtet ist, mit anderen Worten, dass aus einer abgesicherten Position gegen die Opfer und Täter des Systems argumentiert wird. Die einhellig positive Aufnahme des Bandes lässt lediglich kleine Unterschiede in den Akzentsetzungen erkennen, die die Textsorte selbst beziehungsweise die Ty- pologisierung der dargestellten Subjekte betreffen. Dass die Literarizität der Texte einerseits mit Blick auf ihre Nähe zur realistischen, naturalistischen Prosatradi- tion, andererseits als Überbietung der vermeintlich mechanisch registrierenden Reportagen zugunsten der »großen Symphonie« des »Ewigmenschlichen«37 dis- kutiert wird, hängt dabei mit einer fast zwanghaften Suche nach den Zeichen der Empathie von Frau Antal zusammen, die in den »sozialen Razzien«38 eher intui- tiv erkannt, argumentativ jedoch nicht belegt werden können. Komplementär und nicht widersprüchlich verhalten sich dazu jene Rezensionen, die diese Sehnsucht nach einer Art Sozialromantik gerade durch den Mangel an literarischen Mitteln als erfüllt erachten und damit wiederum auf die Geschlossenheit, gar sozialwissen- schaftliche Prägnanz, der Darstellung39 aufmerksam machen. Erst in den sozial- demokratischen und feministischen Blättern wird die Frage nach der Tendenz der Reportagen kurz angerissen, und zwar als Problem eines konstruktiven Gegenent- wurfs, dessen Fehlen diese »Milieuzeichnungen«, »Genrebilder« zwar als »Ankla- 35 | Zu den Ethnostereotypen im Umgang mit der Frage der Obdachlosigkeit von Antals Re- portagen, die, wie die weiteren Darstellungen der Zeit, bei ihren Erklärungen auf ethnische Stigmatisierungen zurückgreifen, vgl. Lénárt, Imre: A társadalmi szemléletváltás forduló- pontjai a hajléktalanok megítélésében [Wendepunkte des gesellschaftlichen Sichtwechsels in der Beurteilung der Obdachlosen]. In: Ethnographia 2 (2006), S. 137-147, hier S. 146; s. auch http://apps.arcanum.hu/ethnografia/a111126.htm?v=pdf&a=pdfdata&id=Ethnogra- fia_2006_117&pg=0&lang=hun#pg=148&zoom=f&l=s (zuletzt eingesehen am 12.8.2015). 36 | NN: Frau Géza Antal. In: Pester Lloyd v. 4.7.1914, S. 4. 37 | Barta, Lajos: Tul a palotákon. In: Világ v. 15.6.1913, S. 4. 38 | P. ö.: Tul a palotában [sic!]. In: Népszava v. 28.6.1913, S. 2-3, hier S. 2. 39 | Vgl. NN: Túl a palotákon. In: Vasárnapi Ujság v. 29.6.1913, S. 520.
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Transdifferenz und Transkulturalität Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Titel
Transdifferenz und Transkulturalität
Untertitel
Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Autoren
Alexandra Millner
Katalin Teller
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-3248-8
Abmessungen
15.4 x 23.9 cm
Seiten
454
Schlagwörter
transdifference, transculturality, alterity, migration, literary and cultural studies, Austria-Hungary, Transdifferenz, Transkulturalität, Alterität, Migration, Literatur- und Kulturwissenschaften, Österreich-Ungarn
Kategorie
Kunst und Kultur
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