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Transdifferenz und Transkulturalität - Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
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»Der heißblütige Dalmatiner« 363 puppt. Diese entkommt trotz starker und erwiderter Sympathie zu Géza aus der Gefangenschaft, um erst drei Jahre später von Géza wieder ausfindig gemacht und mithilfe einer List vor den Traualtar geführt zu werden. Die Szenerie, nämlich die bosnische Berglandschaft mit ihren Schluchten, verschiedenen lauernden Gefah- ren, mit einer schönen, geheimnisvollen und selbstbewussten Bosnierin sowie mit dem feschen ungarischen Offizier Géza, gibt der auktorialen Erzählerin genügend Raum, all die verfestigten Stereotypen der Nationalimagologie und der Gattung epigonenhaft durchzuexerzieren.7 Hierbei erscheinen die stationierten Militärs als gefühlsstarke, empathische Persönlichkeiten, die Einheimischen als ebenso reine und im Grunde sittliche Figuren, die den zivilisatorischen Anstrengungen der Be- satzer freudig entgegenkommen. So wird es auch in einem Brief an den Bataillons- führer auf den Punkt gebracht: »Ich, Beg Hussein Zaikovič, zwar Gutsbesitzer im Sandschak, aber sehr gut auf die Oesterreicher zu sprechen, die ich für unsere Befreier und Verbreiter einer höchst nothwendigen Civilisation betrachte, wende mich mit einer allerdings sonderbaren Bitte an Sie.«8 Mit der Bitte, der selbst- verständlich nachgekommen wird, erfüllt sich auch die mit List herbeigeführte feuchtfröhliche Vereinigung von Mann und Frau, d.h. des habsburgischen Militärs und der nunmehr freiwillig gebändigten Naturkraft der Ureinwohnerinnen und Ureinwohner in Gestalt der bildhübschen Haidukentochter. Insgesamt handelt es sich um ein Paradebeispiel für ein stark sentimentalisiertes Klischeebündel mit der unverkennbaren Legitimierung der politischen Bemühungen der Monarchie, wo- bei der Zivilisierungsimpetus mit einer eindeutigen Verklärung des christlichen Glaubens einhergeht (die Hochzeitfeier findet nämlich in einem katholischen Klos- ter statt), einer Konstante auch in Lacromas Reisebeschreibungen.9 Etwa zeitgleich mit der im zeitgenössischen Literaturkanon fest verankerten und vielfach ins Italienische übersetzten Paul Maria Lacroma tritt Marie Berks (1859–1910), gewissermaßen als Außenseiterin, mit fiktionalen und nichtfiktiona- len Texten über die Südslaven auf den Plan: Ihre wohl einflussreichste Schrift ist der Text Südslavische Frauen, auszugshaft 1883 in Alexander Sacher-Masochs kurz- lebiger Kulturzeitschrift Auf der Höhe10 publiziert und 1888 in Buchform erschie- nen,11 eine frühe ethnografische Abhandlung, die v.a. in Ungarn dank der Verbin- 7 | Zu antimodernistischen Tendenzen in der österreichischen Bosnien-Belletristik vgl. Campara, Lejla: »Wie wir im 78er Jahr unten waren […]!«. Bosnien-Bilder in der deutschspra- chigen Literatur. Würzburg: Königshausen & Neumann 2012. 8 | Lacroma, Paul Maria [Marie Egger-Schmitzhausen]: Auf Räubercommando. Novelle (Schluß). In: Der Heimgarten 11 (1887) 12, S. 902-912, hier S. 902f. 9 | Vgl. u.a. Lacroma, P.M. [Marie Egger-Schmitzhausen]: Predil und Pontebba. In: Die Di- oskuren 14 (1885), S. 307-314. Dieser Text wurde auch in eine Sammlung von Reisetexten aufgenommen, vgl. dies.: Bagatellen. Skizzen und Studien. 3., durchges.u. verm. Aufl. Dres- den: Pierson 1905. 10 | Vgl. Exner, Lisbeth: Leopold von Sacher-Masoch. Reinbek b.H.: Rowohlt 2003, S. 99- 113. 11 | Vgl. Čop, Mara [Marie Berks]: Südslavische Frauen [I]. In: Auf der Höhe. Internatio- nale Revue II (1883) VII, S. 427-440 und dies.: Südslavische Frauen (Schluß). In: Auf der Höhe. Internationale Revue II (1883) VIII, 209-222; dies.: Südslavische Frauen. Auf Hö- hen und Tiefen der Balkanländer. Budapest: Grill 1888; s. auch in mit falschem Publika- tionsjahr versehener digitalisierter Form unter http://digital.onb.ac.at/OnbViewer/viewer.fa
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Transdifferenz und Transkulturalität Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Titel
Transdifferenz und Transkulturalität
Untertitel
Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Autoren
Alexandra Millner
Katalin Teller
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-3248-8
Abmessungen
15.4 x 23.9 cm
Seiten
454
Schlagwörter
transdifference, transculturality, alterity, migration, literary and cultural studies, Austria-Hungary, Transdifferenz, Transkulturalität, Alterität, Migration, Literatur- und Kulturwissenschaften, Österreich-Ungarn
Kategorie
Kunst und Kultur
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