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Transdifferenz und Transkulturalität - Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
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›Zu Nixe‹ werden 391 den Rittern der Tafelrunde verknüpft31 –, ist in ein mittelalterliches Flair getaucht, während sich das Publikum des flussabwärts fahrenden Schiffes als ein Gemisch aus philisterhaften und bornierten Passagieren erweist, das dem pekuniären Ge- sichtspunkt erlegen ist. Das Wasser wird – im Sinne der Sage eine Randzone, in der sich Gegensätze verflüssigen – in Gestalt des Flusses Donau zu einer Achse, entlang der Unterschie- de sichtbar werden. Bemerkenswert ist hierbei die ethnische, soziale und räumli- che Codierung der beiden Schiffe, die von Wien in zwei verschiedene Richtungen fahren. Während die freien Korpsstudenten in der Ferne verschwinden, bleibt der Heldin der Geschichte nichts anderes übrig, als sich körperlich und existenziell in den Besitz ihres Gatten zu begeben, die Freiheit, die ihr bleibt, ist die, sich das Leben zu nehmen. Sie wird, als alle ihre Wünsche zunichtewerden, selbst zur Nixe. Diese verführt aber nicht mehr, sie fungiert vielmehr als das sagenhafte Requisit eines alles Zauberhaften entbehrenden Frauenschicksals. Die Erzählung Donaunixe ist in vieler Hinsicht ein Vorgänger des Wasserni- xe-Kapitels im Roman Donaukind; bündelt sie doch eine Reihe von Motiven und Themen, die auch in delle Grazies autobiografischen Romanen behandelt werden: Der Traum der unglücklichen jungen Frau während der Schifffahrt, der vereitelte Selbstmord und das Kind, das aus dem Wasser kommt und das sich die Wasser- nixe einmal holen wird, sowie die Benennung des Flusses als Donau sind in den beiden Texten fast identisch, oft auch im selben Wortlaut erzählt. Doch während in Donaukind die Geschichte in ihrer Rahmung als das Geheimnis der Frauen Nelly Grittis neue Identität, ihre Entfremdung von ihrer Mutter und ihre spätere Aufkün- digung einer bestimmten Frauenrolle (Heiraten und Kinder-Kriegen) begründet, wird in der Erzählung Donaunixe der Traum von der Nixe ohne diesen distanzie- renden Rahmen – durch die Wahrnehmung und durch das Erleben der jungen Frau – eingesetzt, die sich in der Geschichte mit ihrer Mutter identifiziert. Es ist auch auffallend, dass die junge Frau der Erzählung die entgegengesetzte Richtung (donauabwärts) wie delle Grazie oder ihr literarisches Alter Ego Nelly Gritti in den autobiografisch geprägten Romanen einschlägt. Durch die Struktur der Wieder- kehr wird hervorgehoben, dass die Nixe immer einer sehr jungen Frau gegenüber- steht: Halb Kind, halb Frau, ist sie selbst im Begriff, Teil der patriarchalen Ordnung zu werden. Mit dem Todessprung entzieht sie sich ihr und macht sich zur Heldin der Selbstverweigerung. Es verbindet sie mit Ophelia eine viel engere literarische Verwandtschaft als mit den Nixen und Melusinen der Romantik.32 3. eineS leBenS Sterne Die Fortsetzung von delle Grazies autobiografisch inspiriertem Donaukind er- schien 1919 unter dem Titel Eines Lebens Sterne.33 Während der erste Roman die im Banat verbrachte Kindheit der Dichterin erzählt, umfasst seine Fortsetzung haupt- sächlich die Jahre nach dem Tod des Vaters und begleitet das Schicksal Nelly Grittis 31 | Ebd., S. 23. 32 | Für den Hinweis danke ich Harry Brittnacher. 33 | Vgl. delle Grazie, Marie Eugenie: Eines Lebens Sterne. Leipzig: Breitkopf und Härtel 1919.
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Transdifferenz und Transkulturalität Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Titel
Transdifferenz und Transkulturalität
Untertitel
Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Autoren
Alexandra Millner
Katalin Teller
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-3248-8
Abmessungen
15.4 x 23.9 cm
Seiten
454
Schlagwörter
transdifference, transculturality, alterity, migration, literary and cultural studies, Austria-Hungary, Transdifferenz, Transkulturalität, Alterität, Migration, Literatur- und Kulturwissenschaften, Österreich-Ungarn
Kategorie
Kunst und Kultur
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