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Transdifferenz und Transkulturalität - Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
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Identität und Alterität im transkulturellen Raum: das Beispiel Triest 413 1. pluraliTäTen in TriesT Um diese Thesen plausibel darstellen zu können, ist es notwendig, einen kurzen Überblick über die gesellschaftliche Entwicklung der Stadt zu geben: 1382 stellte sich Triest nach dem Venezianischen Krieg freiwillig unter die Schutzherrschaft Österreichs. Triest war zunächst hauptsächlich landwirtschaftlich orientiert und hatte als Hafenstadt kaum Bedeutung. Dies änderte sich mit der Entscheidung Kai- ser Karls VI., der 1719 Triest zum Freihafen erklärte und damit den Anstoß für eine neue ökonomische Dynamik gab. Das schnell florierende neue Handelszentrum brachte Österreich erhebliche wirtschaftliche Einnahmen, die rasche sozioökono- mische und gesellschaftspolitische Veränderungen bewirkten. Zahlreiche auslän- dische Kaufleute siedelten sich in Triest an, und bald überragte Triest in seiner Leistungs- und Umsatzkraft selbst die traditionsreiche Hafenstadt Venedig. Mit dieser raschen Entwicklung stehen sich nun zwei Welten auf engstem geo- grafischen Raum gegenüber: Die eine versucht ihre Privilegien und Traditionen gegenüber den ökonomischen Kräften zu verteidigen, während die andere unauf- haltsam einem Modernisierungsprozess nacheifert. Die alte Welt verkörpert eine autonome, hauptsächlich italienisch geprägte Stadtgemeinde, umgeben von slove- nisch bestimmten Dorfgemeinden, die sich mit einer rasch wachsenden, kulturell heterogenen Gemeinde auseinandersetzen muss. Gleichzeitig wurden von der Politik besonders die österreichische Kultur und damit die deutsche Sprache gefördert. Es kam zu eklatanten demografischen Um- brüchen, infolge derer nicht nur die streng von der städtischen getrennte dörflich- slavische Gemeinschaft in die Stadt integriert wurde, sondern auch viele neue ita- lienisch sprechende Arbeitskräfte aus anderen Regionen nach Triest kamen. Trotz der dadurch entstandenen Sprachenvielfalt und der politisch forcierten deutsch- sprachig ausgelegten Kulturpolitik blieb jedoch die Alltagssprache Italienisch. In der Folge entstand im 19. Jahrhundert in Triest ein neues Gefühl: das der »Italiani- tà« – es ist das Bestreben, eine eigene italienische Identität zu entfalten. Diese Be- strebungen wurden durch den zentralisierenden Druck des Staates noch geschürt und fanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der polarisierenden Zeit des Ersten Weltkriegs ihren Höhepunkt.4 Wir sehen also, dass in Triest aufgrund der geografischen Lage bereits seit Jahr- hunderten eine italienisch-slavisch-deutsche Auseinandersetzung stattfindet, die sich zunächst sehr ›archaisch‹ manifestiert – die drei Sprachgemeinschaften leben isoliert nebeneinander – und dann im Zuge der ökonomisch-politischen Verände- rungen durch die Habsburger Monarchie neu belebt wird, indem dieser Archais- mus aufgerüttelt wird und neue kulturelle Konstellationen erzeugt werden. Die zuziehende deutschsprachige Gemeinschaft beeinflusst zwar sehr wohl die Le- bensgewohnheiten Triests, wird jedoch nie zu einer kulturell autonomen Gruppe des Adriahafens. Und auch wenn im 19. Jahrhundert vermehrt deutschsprachige Kulturinstitutionen in Triest gegründet werden – wie etwa 1860 der Schillerverein –, werden diese fast ausschließlich von den Staatsbeamten frequentiert, die sich 4 | Vgl. die historischen Ausführungen in Magris, Claudio/Ara, Angelo: Triest. Eine litera- rische Hauptstadt in Mitteleuropa [1987]. Übers. v. Ragni Maria Gschwend. Wien: Zsolnay 1999, insbesondere S. 7-89, und Schneider, Oliver: »Triest«. Eine Diskursanalyse. Würzburg: Königshausen & Neumann 2003, insbesondere S. 113-177.
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Transdifferenz und Transkulturalität Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Titel
Transdifferenz und Transkulturalität
Untertitel
Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Autoren
Alexandra Millner
Katalin Teller
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-3248-8
Abmessungen
15.4 x 23.9 cm
Seiten
454
Schlagwörter
transdifference, transculturality, alterity, migration, literary and cultural studies, Austria-Hungary, Transdifferenz, Transkulturalität, Alterität, Migration, Literatur- und Kulturwissenschaften, Österreich-Ungarn
Kategorie
Kunst und Kultur
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