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Transdifferenz und Transkulturalität - Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
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Identität und Alterität im transkulturellen Raum: das Beispiel Triest 425 ten eine Konstante. Dem Subjekt wird schon mit Geburt eine Identität »auferlegt« – z.B. durch die Namensgebung, die sozialen Verhältnisse, in die es hineingebo- ren wird.56 Die Spannung, die über die Beziehungen zwischen dem Ich und dem Anderen entsteht, muss im Foucault’schen Sinne in Bezug auf die Institutionen Psychiatrie und Gefängnis immer über Machtstrukturen gelesen werden. Die Wahrnehmung des Anderen hängt ganz besonders von der Perspektive und der Beobachtungsform ab, ebenso aber von der Selbsteinschätzung und von der Dis- tanz zum Fremden. »[…] Fremde [bedeutet] einen Bereich, der mir oder uns mehr oder weniger unverständlich ist, dessen in Gesten, Reden, Handlungen, Werken und Institutionen inkorporierter und symbolisierter Sinn uns mehr oder weniger verschlossen bleibt.«57 Die »Fremde«, die Waldenfels hier beschreibt, wird über die Unverständlichkeit definiert, insofern ist der Wahnsinn die Konstitution, zu dem das Ich, das sich als »normal« definiert, Distanz aufbaut. Es geht in den drei Romanen allerdings nicht nur um kulturelle Fremdheit (von der Waldenfels hauptsächlich ausgeht, die aber in Triest ohnehin aufgelöst zu sein scheint), sondern vielmehr um soziale Fremdheit. Die literarischen Texte zeigen hier sehr unterschiedliche Herangehensweisen auf, jedoch steht in den Romanen die Erfahrung der Marginalisierung im Mittelpunkt. Alle drei Protagonisten ma- chen die Erfahrung, der Andere oder auch der Fremde zu sein oder zu werden und der Alterität auf einer Art vertikalen Ebene zu begegnen, um sich – ohne Hierar- chien – auf diese einzulassen. Die hierarchische Perspektive impliziert immer eine distanzierte Beobachtung und somit klare Machstrukturen. Die Protagonisten ver- weigern sich diesen Machtstrukturen und finden ihren eigenen Zugang zur oder in die Alterität. Die Analyse des Blickes macht deutlich, dass der Blick, die Beobachterinstanz, die Perspektive eine ebenso identitätsstiftende Funktion hat. Insbesondere Rover- edos Roman liegt eine »teilnehmende beobachtende Perspektive« zugrunde, die hier in Anlehnung an die soziologischen Ansätze der Kommunikativen Sozialfor- schung so genannt werden soll. Die traditionelle Sozialforschung basiert auf der »distanzierten Beobachterperspektive«, durch die sich Forscherinnen und For- scher aus dem Geschehen heraushalten und so (angebliche) Objektivität wahren. In den 1970er Jahren wurde in der Soziologie die »teilnehmende Beobachterrolle« ausgearbeitet, die sich eigentlich in der Ethnologie entwickelt hatte und eine Teil- habe am Geschehen, z.B. innerhalb einer dem Beobachter unbekannten Kultur, meint. Die Methode wendete sich gegen die traditionelle Sozialforschung und gilt als Antwort auf klassische ethnozentrische beziehungsweise koloniale Untersu- chungsmethoden.58 In diesem Sinne nutzte die Soziologie Erfahrungen aus der Ethnologie, die den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen ein hohes Maß an Reflexivität abverlangt, indem sie sich immer wieder zwischen Nähe und Distanz positionieren und sich selbst dabei als Teilnehmende reflektieren müssen. Über 56 | Vgl. hierzu z.B. Waldenfels, Bernhard: Topographie des Fremden. Studien zur Phänome- nologie des Fremden 1. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1997, S. 193. 57 | Waldenfels, Bernhard: Verfremdung der Moderne. Phänomenologische Grenzgänge. Göttingen: Wallstein 2001, S. 41. 58 | Vgl. Pillow, Wanda S.: Confession, catharsis, or cure? Rethinking the uses of reflexivity as methodological power in qualitative research. In: International Journal of Qualitative Stu- dies in Education 2 (2003), S. 175-196, hier insbesondere S. 178.
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Transdifferenz und Transkulturalität Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Titel
Transdifferenz und Transkulturalität
Untertitel
Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Autoren
Alexandra Millner
Katalin Teller
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-3248-8
Abmessungen
15.4 x 23.9 cm
Seiten
454
Schlagwörter
transdifference, transculturality, alterity, migration, literary and cultural studies, Austria-Hungary, Transdifferenz, Transkulturalität, Alterität, Migration, Literatur- und Kulturwissenschaften, Österreich-Ungarn
Kategorie
Kunst und Kultur
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