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Zugbrücke herabzulassen. Nachdem wir die zunächst dcr Stadt gelegenen
Gärten passirt hatten, breitete sich vor uns ein eintöniges, wellenförmiges,
doch gut bebautes Terrain aus, erst wieder in weiter Ferne zeigte sich
üppigere Vegetation, und die hohen Berge Inncrmarokko's. Unsere höchst
feurigen Bcrbcrrossc griffen auf dem zum Reiten wie geschaffenen Boden
wacker ans, und schon nach drei stunden erreichten nur das flache sandige
Ufer, welches sich vom Eap sparte! südwärts zieht.
Unser Führer war seiner Sache nicht ganz sicher gewesen, und so
mußten wir längs des Strandes gegen Süden reiten, um das Wrack auf-
zusuchen. Endlich nahmen wir, obgleich noch auf beträchtliche Distanz,
ein Schiff mit anfgegciteu Regeln wahr, dem Anscheine nach zwar gau;
iutaet, allein da es sich nicht bewegte, so wurde es uns bald klar, das;
dies die „^rteusia" sein müsse, Hiefür sprachen auch die zahlreichen
Anker und Schiffsausrüstungsgcgcnständc, welche wir längs des Strandes
vorfanden, nnd die bezeugten, daß wir uns jenem Thcile der Küste näher-
tcu, dcr besonders bei nebligem Wetter durch seine geringe Erhebung
über dem Meere den TchisM, welche die Straße von Gibraltar anlaufen
wollen, nur zu oft gefährlich wird,
Uuserc Annahme erwies sich gerechtfertigt, und nach weiterem halb-
stündigen Ritte befanden wir uns au Ort und Stelle, Der zur Wache
beim Wrack bestellte Kavaschc des Eousuls übernahm unsere Pferde, nnd
wir begannen das ^bject unseres Ausfluges uähcr zu besichtigen.
Trotz des von dcr Küste wehenden Ostwindes war die Brandung
bedeutend nnd erlaubte nicht an Bord zu gehe», allein da das Schiff
kaum 50 Klafter vom Ufer saß, so kouuten wir selbst von unserem iuuc-
habcudcn Standpunkte dessen Zustaud ziemlich genau bcurthcilen.
Leider war nur zu klar, daß dcr Schiffskörper unrettbar verloren
fei, indem die heftigsten Wellcustöße ihu nicht mehr zu rühre» vermochten,
überdies das Hiutcrtheil sich uicht iu der normale» Lage befand, somit
ein gänzlicher Bruch des Körpers stattgefunden haben mußte. Einen
förmlich wehmüthigcn Eindruck machte die stattliche Bemastnng, welche
zwar mit vom Winde zerfetzten Segeln, allein sonst im vollkommen in-
taeten Zustaudc der Gewalt der Elemente bis jetzt Trotz geboten hatte.
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Um Afrika
Skizzen von der Reise Sr. Majestät Corvette Helgoland in den Jahren 1873-75
- Titel
- Um Afrika
- Untertitel
- Skizzen von der Reise Sr. Majestät Corvette Helgoland in den Jahren 1873-75
- Autor
- Leopold von Jedina
- Verlag
- A. Hartleben’s Verlag
- Ort
- Wien, Pest, Leipzig
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 14.8 x 21.8 cm
- Seiten
- 394
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918