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8 DIE UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK INNSBRUCK IN DER
REFORMÄRA416
für Universitäts- und Studienbibliotheken‘80 des Wiener Bibliothekars Fer-
dinand Grassauer in der Folgezeit eine Generation von Bibliothekaren und
Bibliotheken, ohne jedoch amtlichen Charakter zu besitzen.81 Außerdem
hatte das Institut für Österreichische Geschichtsforschung in Wien in seinen
Statuten den Auftrag, „die fachmännische Heranbildung von Bibliotheksbe-
amten“ zu besorgen.82 Wichtig für das Selbstverständnis und Ausdruck der
Ausbildung eines eigenen Berufsbildes war auch die Herausgabe der Zeit-
schrift Mitteilungen des Österreichischen Vereines für Bibliothekswesen des
Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen seit 1897.
Alles in allem ergeben sich damit zwei zentrale Tendenzen: zum einen ein
zunehmender Akademisierungsgrad bei den Bibliotheksbeamten, das heißt
nicht nur bei den leitenden Bibliothekaren, bei denen das schon vorher der
Fall war, und zum anderen eine weitgehende Trennung der Berufe Wissen-
schaftler/Professor und Bibliothekar.83 Diese Entwicklung hing zwar nicht ur-
sächlich mit der Reform von Thun-Hohenstein zusammen – sie hatte bereits
früher eingesetzt – erscheint jedoch als Ausdruck desselben Prozesses einer
Professionalisierung und Spezialisierung im universitären Bereich. Dass in
dieser Zeit unterschiedliche Vorstellungen von Anforderungen bzw. Tätigkei-
ten eines Bibliothekars herrschten, verwundert daher nicht.
80 grassauer, Handbuch für österreichische Universitäts- und Studienbibliotheken sowie für
Volks-, Mittel- und Bezirks-Lehrerbibliotheken.
81 Siehe Pongratz, Geschichte der Universitätsbibliothek Wien, S. 98–102. Grassauer selbst
hatte an der Wiener Universitätsbibliothek bei dem vormaligen Innsbrucker Bibliothekar
Friedrich Leithe sein Handwerk verfeinert. Leithe hatte noch in Innsbruck eine neue, für
Wien und Innsbruck geltende, Bibliotheksordnung ausgearbeitet, die dann auch durch
Grassauer verbreitet wurde. (In Leithes Privatexemplar von Grassauers Handbuch, das
heute im regulären Bestand der UB Innsbruck ausleihbar ist, findet sich auch eine Wid-
mung von Grassauer an seinen „hochgeehrten Herrn Chef“.) Vgl. auch Hugo aLker, Auf-
stellung und Signaturen der Universitätsbibliothek Wien. Ein Beitrag zur Geschichte des
Numerus currens, in: Zentralblatt für das Bibliothekswesen 68 (1954), S. 241–252, hier S.
251.
82 grassauer, Handbuch für österreichische Universitäts- und Studienbibliotheken sowie für
Volks-, Mittel- und Bezirks-Lehrerbibliotheken, S. 44. Vgl. dazu auch LHotsky, Geschichte
des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 1854–1954, S. 129–131, dort auch
die neuen Statuten des IÖG. Im § 1.2. heißt es, „Eine weitere Aufgabe des Instituts ist es,
die fachmännische Heranbildung von Beamten für Bibliotheken, Archive und Museen zu
erzielen.“ Der Grund für diese erweiterte Zielsetzung war nicht bloß der, die Bibliothekar-
sausbildung zu verbessern, sondern auch die bisweilen schlechten Berufsaussichten der
Absolventen zu verbessern.
83 Vgl. JocHum, Kleine Bibliotheksgeschichte, S. 125, allerdings mit dem Unterschied zu den
preußischen Verhältnissen, dass dort die Bibliotheken meist direkt den Universitäten un-
terstanden und nicht, wie es in Österreich vielfach üblich war, die Bibliotheken und Uni-
versitäten zwar eng gebunden, aber formal unabhängig voneinander waren.
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Aufbruch in eine neue Zeit
- Titel
- Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
- Untertitel
- Aufbruch in eine neue Zeit
- Autor
- Christof Aichner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20847-1
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 512
- Schlagwörter
- University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen