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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 - Aufbruch in eine neue Zeit
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8.4. DIE BIBLIOTHEK ALS WISSENSCHAFTLICHES INSTRUMENT 421 Nach 1848, noch während der Amtszeit von Martin Scherer, war es jedoch regelmäßig zu Auseinandersetzungen zwischen Universität und Bibliothe- kar gekommen. Dabei spielen mehrere Faktoren zusammen. Einerseits war der Bibliothekar Scherer nicht gleichzeitig auch Professor der Universität, damit war der bis dahin vorherrschende Status einer Personalunion von Professoren und Bibliothekaren aufgelöst und somit auch der Zugriff der Universität auf die Bibliothek erschwert. Mit der Thun’schen Reform wurde zudem die Stellung der Professoren aufgewertet, was zu einem gesteigerten Selbstvertrauen der Professorenschaft geführt hat. Scherer musste im Ge- genzug zahlreiche Eingriffe in ‚seine‘ Bibliothek erdulden, was ihm gar nicht behagte. Damit stand auf der einen Seite eine gestärkte Professorenschaft, im Glauben um historische ‚Ansprüche‘ auf die Bibliothek und auf der ande- ren Seite ein gekränkter Bibliothekar, der sich zunehmenden Eingriffen in seinen Wirkungsbereich ausgesetzt sah und daher die Unabhängigkeit der Bibliothek stärker zu verteidigen begann. Daraus ergab sich in den folgen- den Jahren ein schwelender Streit mit wechselnder Beteiligung zwischen Bibliothek und Universität. Nachzeichnen kann man dies insbesondere an- hand von Bücheranschaffungen und der Besetzung von Bibliothekarsstel- len, überdies werden dabei auch die unterschiedlichen Auffassungen von den Aufgaben der Bibliothek erkennbar. Als es etwa um die, bereits mehrfach erwähnte, Anschaffung von Büchern für die juridischen Studien ging, betonte der Bibliothekar Scherer, dass man zwar die Dotation für die Bibliothek erhöhen, aber nicht einzelne Fä- cher bevorzugen sollte, da die Bibliothek ja eine öffentliche sei und man die Interessen der Allgemeinheit nicht gegen jene einiger Weniger ausspielen dürfe.102 Die beiden Professoren, die den Antrag gestellt hatten, sahen jedoch in ihrem Gesuch – im Gegensatz zu Scherer und auch im Gegensatz zu den Bibliotheksinstruktionen von 1825 – nicht den öffentlichen Charakter der Bibliothek im Vordergrund103, sondern betonten nur einen zweifachen Wert 102 Scherer an die Statthalterei, Innsbruck 24.12.1856, Statthalterei Studien 24188 ad 7602/ 1856, Tiroler Landesarchiv, vgl. dazu auch die Instruction für die k.k. Universitäts- und Studienbibliotheken, provisorisch erlassen mit Stud. Hof-Comm.-Decrete vom 23. Juli 1825, Z. 2930, §§ 82–88. Das Argument des usus publicus hatte im Übrigen bereits der Gründer der Bibliothek Roschmann gegen die Professoren angeführt, die für sich ein Recht auf Entlehnung in Anspruch nehmen wollten. Vgl. neuHauser, Anton Roschmann als Bib- liothekar und Handschriftenforscher, S. 20. 103 Vgl. Instruction für die k.k. Universitäts- und Studienbibliotheken, provisorisch erlas- sen mit Stud. Hof-Comm.-Decrete vom 23. Juli 1825, Z. 2930, § 88; siehe auch grassauer, Handbuch für österreichische Universitäts- und Studienbibliotheken sowie für Volks-, Mit- tel- und Bezirks-Lehrerbibliotheken, S. 37–38.
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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 Aufbruch in eine neue Zeit
Titel
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Untertitel
Aufbruch in eine neue Zeit
Autor
Christof Aichner
Verlag
Böhlau Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20847-1
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
512
Schlagwörter
University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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