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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 - Aufbruch in eine neue Zeit
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8 DIE UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK INNSBRUCK IN DER REFORMÄRA426 bliotheken nach und nach eine gewisse Spezialisierung statt, ein Ausdruck hierfür ist die Gründung von Seminar- und Institutsbibliotheken, parallel zur Einrichtung der einzelnen Seminare. Ein weiterer Punkt, der die Rolle der Bibliothek gewandelt hatte, war der Transformationsprozess der Wissenschaft, der seit der Aufklärung stattge- funden hatte und dem mit der Thun’schen Reform nun auch an den Öster- reichischen Universitäten Bahn gebrochen wurde: Die Universitäten wur- den von reinen Lehranstalten zunehmend zu Forschungsstätten. Während es nicht mehr um die Weitergabe kanonischen Wissens ging, stand nun die Hervorbringung von neuem Wissen im Mittelpunkt. Zur Aufgabe der Biblio- thek wurde nun weniger das Bewahren als das Zugänglichmachen von Bü- chern und das Ermöglichen möglichst rasch zu den gewünschten Informatio- nen zu gelangen. Johannes Feichtinger kommentiert diesen Strukturwandel der Wissenschaft in dieser Zeit prägnant mit der Formel: „Was Systematisie- rung war, sollte nun Innovation werden.“124 Der Bibliothekar hatte damit auch gewissermaßen seine Sonderstellung als Vermittler des Wissens mehr und mehr eingebüßt. Die Professoren wollten sich selber ihre Bücher suchen und auf den bürokratischen Appa- rat verzichten und der Katalog ersetzte nach und nach das Wissen des Bi- bliothekars, der schon bei der rasch wachsenden Masse an Büchern nicht mehr jedes Buch kennen konnte. Die Entwicklung hin zum Massenbetrieb der Forschung, in der das Individuum, der geniale Forscher nur noch ein- geschränkte Wichtigkeit gegenüber den Heerscharen an wissenschaftlichen Fachkräften hat, ist freilich noch weit entfernt, scheint sich in den Klagen Scherers jedoch bereits anzukündigen. 8.5. Resümee Die Universitätsbibliothek war bei ihrer Gründung als eine „Bibliothek für die Universität […] nicht als Bibliothek der Universität“125 konzipiert wor- den. Die Bibliothek sollte ein Spezialinstitut für die Universität sein, aber nicht Teil der Universität. Dies führte insbesondere nach 1848 vermehrt zu Spannungen, da der Bibliothek für Professoren und Studenten eine neue Bedeutung zukam und insbesondere die Professoren mehr Einfluss auf die Ausrichtung der Bibliothek verlangten. Regelmäßig wird sie in diesen Jah- ren als zentrales Institut der Universität beschrieben, als „das wichtigste 124 feicHtinger, Wissenschaft als reflexives Projekt, S. 111. 125 neuHauser, Am Anfang stand die Biblioteca publica (Oenipontana), S. 195.
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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 Aufbruch in eine neue Zeit
Titel
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Untertitel
Aufbruch in eine neue Zeit
Autor
Christof Aichner
Verlag
Böhlau Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20847-1
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
512
Schlagwörter
University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
Kategorien
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