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9 SCHLUSS
Die Ministerschaft Thuns endete im Oktober 1860. Der Minister war nicht be-
reit gewesen, den neuen Verfassungskurs des Kaisers mitzutragen und wurde
daher demissioniert. Wie andere Universitäten auch1, sandte die Innsbrucker
Professorenschaft anlässlich des Rücktritts eine Dankadresse2 an den ehema-
ligen Minister. Darin sprachen die Professoren dem Minister sowohl ihre An-
erkennung für dessen Leistungen aus, den „sie als Vertreter der Wissenschaft
ihm schuldig sind“3, als auch ihre Hoffnung, dass die von Thun geschaffenen
Einrichtungen Bestand haben würden. Die Professoren rühmten Thun in ih-
rem Schreiben als den Schöpfer eines geistigen Erwachens in der Monarchie,
das letztlich auch für einen „Aufschwung des staatlichen Lebens“4 gesorgt
hatte. Mehrfach wird auf dieses geistige Erwachen verwiesen und damit neu-
erlich eine klare Zäsur zum Vormärz gezogen – ähnlich wie es die Studenten
bereits in ihren Liedern für Thun im Jahre 1854 getan hatten.5 Gleichzeitig
ist bemerkenswert, dass die Professoren eine Verbindung zwischen den Refor-
men der Universitäten und einer allgemeinen Reform des Staates ziehen und
somit Thuns eigene Ansicht bzw. dessen Reformanspruch widerspiegeln, nur
eine Reform des geistigen Lebens könne eine Reform des Staates ermöglichen.
Von Bedeutung ist außerdem der neuerliche Verweis auf die besondere Rolle
der Universität „an den Grenzmarken des großen Vaterlandes und nahe der
Berührungslinie Deutscher und Italienischer Zunge“6.
Abgesehen vom Inhalt dieser Dankadresse ist auch die Art des Zustan-
dekommens des Schreibens von Bedeutung. Die Wiener Zeitung hatte zwar
angegeben, dass die Adresse „von sämmtlichen Professoren und Würdenträ-
gern sowohl der theologischen als der juridischen und philosophischen Fa-
kultät“7 unterzeichnet worden sei, was allerdings nicht den Tatsachen ent-
sprach. Denn wir erfahren aus einem Brief von Adolf Pichler, dass nicht alle
Professoren das Dankschreiben unterzeichnet hatten:
1 Vgl. dazu die über 30 Dankadressen von Universitäten, Gymnasien und Privatpersonen
im Nachlass Leo Thun-Hohenstein, A3 XXI D623 und D623a, Staatliches Gebietsarchiv
Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach.
2 Die Dankadresse der Innsbrucker Universität ist abgedruckt in der Wiener Zeitung 277
(25.11.1860), S. 4682. Die Innsbrucker Dankadresse fehlt allerdings im Nachlass von Leo
Thun. Die Adresse ist im Anhang der Dissertation abgedruckt.
3 Ebenda.
4 Ebenda.
5 Vgl. dazu Kapitel 4.2.2.
6 Wiener Zeitung 277 (25.11.1860), S. 4682.
7 Ebenda.
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Aufbruch in eine neue Zeit
- Titel
- Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
- Untertitel
- Aufbruch in eine neue Zeit
- Autor
- Christof Aichner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20847-1
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 512
- Schlagwörter
- University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen