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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 - Aufbruch in eine neue Zeit
Seite - 435 -
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9 SCHLUSS 435 niger zimperlich, deren Freiheiten nach dem Ende der revolutionären Phase wieder einzuschränken. Letzteres verdeutlichte besonders die Diskussion um eine neue Disziplinarordnung. Diese Debatte ist im Übrigen auch noch für zwei weitere Entwicklungen von Interesse: Zunächst macht sie deutlich, dass die Reform im Hinblick auf den Rechtscharakter der Universitäten – Korporation oder Staatsanstalt – keine klare Positionierung vollzog. Wäh- rend an der Universität Wien die beabsichtigte Auflösung der Doktorenkol- legien einerseits eine klare Abkehr vom korporativen Charakter zu bedeuten schien, so bot die Gewährung von Selbstverwaltungsrechten für die Fakultä- ten umgekehrt die Möglichkeit zu einer entgegengesetzten Deutung.24 An der Innsbrucker Universität gab es allerdings keine Doktorenkollegien und damit scheint sich bei den Professoren auch eine gewisse Hoffnung einge- stellt zu haben, mit der Übertragung der Universitätsverwaltung auf den Lehrkörper würde die Universität wieder als Korporation definiert. Die Pro- fessoren betonten daher auch mehrfach, dass die Überwachung der Studen- ten am besten im Rahmen einer Organisierung der Universität als Korpora- tion funktionieren könne. Darüber hinaus offenbart das Ringen um eine neue Disziplinarordnung auch, wie sehr die Revolution von 1848 als Argument während der gesamten Reformphase verwendet wurde. Dabei agierten die Professoren sehr selektiv: Einerseits argumentierten sie, wie erwähnt, dass eine korporative Organisa- tion die bessere Überwachung und positive Beeinflussung der Studenten er- mögliche – und somit einen Schutz vor einer neuerlichen Revolution gewähr- leiste. Andererseits betrachteten sie den friedlichen Verlauf der Revolution und das ruhige Verhalten der Studenten während der Revolution als Beweis für ihre gute Arbeit und dafür, dass Innsbruck mit seinem positiven Umfeld für die Studenten einen idealen Universitätsstandort bilde. Gerade letzteres Argument begegnete während der gesamten 1850er-Jahre und diente beson- ders auch in der Debatte um die Errichtung einer katholischen Universität im deutschsprachigen Raum als Rechtfertigung zur Unterstützung dieses Plans. Innsbruck wird dabei als optimale Studentenstadt gezeichnet: nicht zu groß und daher vor Ablenkung und Verführungen schützend, mit gesun- der Luft, genügend kulturellen Einrichtungen und, was besonders betont wurde, durch seine Lage im katholischen Tirol, auch den moralischen, religi- ösen Sinn der Studenten bewahrend. Die Studenten (Kap. 4.2.) begrüßten insbesondere die neuen Freiheiten und empfanden die Reformen durchaus als Beginn einer neuen Ära – man 24 Vgl. dazu bei HeindL, Universitätsreform–Gesellschaftsreform, S. 138–142; winkLer, Die Rechtspersönlichkeit der Universitäten, S. 255–266, der zeigt, dass die Frage bis weit ins 20. Jahrhundert unklar blieb.
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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 Aufbruch in eine neue Zeit
Titel
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Untertitel
Aufbruch in eine neue Zeit
Autor
Christof Aichner
Verlag
Böhlau Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20847-1
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
512
Schlagwörter
University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
Kategorien
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