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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 - Aufbruch in eine neue Zeit
Seite - 437 -
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9 SCHLUSS 437 wurde nicht mehr das Bewahren, sondern das Zugänglichmachen von Bü- chern und die Garantie, möglichst rasch zu den gewünschten Informationen zu gelangen. Daher kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwi- schen den Professoren und dem leitenden Bibliothekar Martin Scherer, dem vielmehr die Vervollständigung der Bibliothek am Herzen lag als der Ankauf neuester Literatur bzw. wissenschaftlicher Zeitschriften. Die disziplinäre Differenzierung sah er ebenso kritisch und betonte stattdessen die wichtige allgemeinbildende Funktion der Bibliothek. Während Scherer die Stellung der Bibliothek als Landesbibliothek betonte, empfanden die Professoren hin- gegen die Bibliothek als Instrument ihrer Forschung und verlangten daher Einfluss auf die Anschaffungen. Neben diesen unterschiedlichen Vorstellungen von der Aufgabe der Bi- bliothek bzw. der Universität lässt sich die Auseinandersetzung zwischen Bibliothekar und Professoren auch als Generationenkonflikt deuten, in dem die Ansichten des Vertreters vormärzlicher Wissenschaft und die Vorstel- lungen einer neuen Generation von jungen Wissenschaftlern aufeinander- prallten, und so sinnbildlich für die ganze Ära Thun als Umbruchsära steht. Die neue Forschungsorientierung zeigte sich außerdem auch auf der Ebene der Veröffentlichungen: Während die meisten Professoren der Universität im Vormärz nur wenig publizierten, veröffentlichten die vielfach jungen und neuberufenen Professoren verstärkt und regelmäßig wissenschaftliche Ar- beiten. Das Jahr 1848 bildete nicht nur in Österreich den Ausgangspunkt für eine intensive Bildungsdebatte, sondern auch in den benachbarten deutschen Bundesstaaten. In Bayern etwa hatte diese bereits im Jahr 1847 begonnen und zog sich über das Revolutionsjahr hinaus fort. Die Debatte ähnelt dabei in vielerlei Hinsicht jener in Österreich. Dies gilt etwa für die Frage nach dem Zweck oder dem Rechtscharakter der Universitäten. Wesentlich war in beiden Fällen auch die Auseinandersetzung mit den preußischen Hoch- schulen – und damit verbunden die Frage nach der eigenen, katholischen Bildungstradition.25 Eine besondere Parallele zwischen Österreich und Bay- ern ergibt sich auch dadurch, dass hier wie dort der Plan, ein katholisches Gegengewicht zu Preußen auf dem Feld der Wissenschaften zu etablieren, verfolgt worden ist.26 25 Vgl. könig, Universitätsreform in Bayern in den Revolutionsjahren 1848/49, S. 29–55; Rai- ner A. müLLer, Der bayerische „Sonderweg“ in der deutschen Hochschulentwicklung, in: Gert Schubring (Hg.), Einsamkeit und Freiheit neu besichtigt. Universitätsreformen und Disziplinenbildung in Preußen als Modell für Wissenschaftspolitik im Europa des 19. Jahr- hunderts, Stuttgart 1991, S. 255–267, hier S. 263. 26 Vgl. dazu bei sing, Die Wissenschaftspolitik Maximilians II. von Bayern (1848–1864), S. 83–85.
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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 Aufbruch in eine neue Zeit
Titel
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Untertitel
Aufbruch in eine neue Zeit
Autor
Christof Aichner
Verlag
Böhlau Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20847-1
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
512
Schlagwörter
University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
Kategorien
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