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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 - Aufbruch in eine neue Zeit
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9 SCHLUSS 441 ‚deutschen Universität‘, zur südlichsten Festung deutscher Wissenschaft stilisiert wurde. So wurden die italienischen Studenten immer mehr ausge- grenzt, umgekehrt pochten sie selbst zunehmend auf die Gleichberechtigung ihrer Nationalität an der Universität bzw. die Gründung einer italienischen Fakultät/Universität. Für beide Sprachgruppen wurde Wissenschaft zuneh- mend als nationales Projekt figuriert und gerade für Italiener, die sich ja selbst als Kulturvolk verstanden, war es eine Demütigung, dass sie hinsicht- lich einer nationalen Universität von anderen Nationalitäten des Reiches, sogar von „den geschichtslosen Nationen überholt“37 wurden. Die Ausein- andersetzungen zwischen deutsch- und italienischsprachigen Akademikern gipfelten 1904 in den fatti di Innsbruck. Die grundlegenden Ursachen finden sich in der Ära Thun begründet. Parallel, aber in vielfacher Hinsicht entgegengesetzt zur zunehmenden Apostrophierung der Universität als deutscher Universität lässt sich jedoch auch feststellen, dass gerade ultramontane Gruppen und Professoren eine alternative Konnotation der Universität forcierten und diese als Stützpfei- ler zwischen den deutschsprachigen Katholiken und dem Papst in Rom definierten. Diese Absicht wurde besonders anlässlich der Eröffnung der theologischen Fakultät erkennbar, die hier im Rahmen der Debatten um die Gründung einer katholischen Universität im deutschsprachigen Raum in Kapitel 6 dargestellt worden ist. Innsbruck war ja damals immer wieder als möglicher Standort für eine solche katholische Universität im Gespräch gewesen. Im Zuge dieser Debatte wurde die Innsbrucker Universität als Fes- tung des wahren Glaubens beschrieben, mehrfach auch auf die historische Mission der Universität verwiesen und diese dabei auf gegenreformatorische Aspekte reduziert und damit auch eine antiaufklärerische Tradition konst- ruiert.38 In diesem Sinn sollte die Universität nach der Reform durch Thun wieder an diese historische Mission anknüpfen, die protestantische Wis- senschaft zurückdrängen und ihr eine katholische Wissenschaft entgegen- stellen. Die Untersuchung – bzw. auch der oben zitierte Brief von Kopetzky – verdeutlichten dabei, dass unter einer protestantischen Wissenschaft insbesondere eine wissenschaftliche Beschäftigung und Lehre in absoluter Freiheit, ohne Rücksicht auf die Lehren der (katholischen) Kirche angesehen worden ist. Die Gleichsetzung von protestantischer und deutscher Wissenschaft war vielfach gegeben. Hinsichtlich dessen, was unter katholischer Wissenschaft 37 PaLLaver, Die „fatti di Innsbruck“ – Die traditionellen Parteien und die nationalen Fronten, S. 107. 38 Vgl. dazu auch für das Beispiel der Universität Tübingen: PaLetscHek, Die permanente Erfindung einer Tradition, S. 483–484.
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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 Aufbruch in eine neue Zeit
Titel
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Untertitel
Aufbruch in eine neue Zeit
Autor
Christof Aichner
Verlag
Böhlau Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20847-1
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
512
Schlagwörter
University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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