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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 - Aufbruch in eine neue Zeit
Seite - 443 -
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9 SCHLUSS 443 auch auf die anbrechende Auseinandersetzung um die Glaubenseinheit Tirols, in der sich dieses Mobilisierungspotential eindrücklich unter Beweis stellen sollte. Die Diskussion um die Errichtung einer katholischen Univer- sität in Tirol bzw. um die Festschreibung des katholischen Charakters der Innsbrucker Universität lassen sich dabei insgesamt als Teilbereich der Aus- einandersetzung um die Glaubenseinheit Tirols verstehen. Das breite öffent- liche Engagement für die Universität ist dabei durchaus ein interessantes Phänomen, wenn man bedenkt, dass die Universität von großen Teilen der Bevölkerung wohl nur am Rande wahrgenommen bzw. durchaus kritisch ge- sehen wurde. Man denke etwa an die distanzierte Haltung der Bevölkerung gegenüber den Studenten während der Kundgebungen im Jahr 1848. Noch deutlicher zeigt sich diese kritische Haltung am Vorgehen gegen einige Pro- fessoren während des Tiroler Aufstandes wenige Jahrzehnte zuvor.42 Festhalten kann man außerdem, dass in der Diskussion zur Gründung einer katholischen Universität schon vieles vorweggenommen wurde, was im späten 19. Jahrhundert ausgehend von Deutschland/Bayern intensiv als „katholisches Bildungsdefizit“43 diskutiert worden ist und zu einer Reihe von Initiativen katholischer Laiengruppen zur Hebung des allgemeinen Bil- dungstandes in den katholischen Ländern bzw. zur Vermittlung von Wis- senschaft an interessierte Bürger führte.44 In diesem Zusammenhang muss besonders auch auf einen führenden Mitarbeiter Thuns, Joseph Alexander von Helfert, verwiesen werden, der als Gründer der Österreichischen Leo-Ge- sellschaft (1892), die sich der Förderung und Vermittlung katholischer Wis- senschaft verschrieb, von Bedeutung sein wird.45 Erst in dieser Zeit gab es dann auch eine intensivere Auseinandersetzung mit der Frage, was eine katholische Wissenschaft überhaupt zu bedeuten habe.46 Die Eröffnung der theologischen Fakultät, besonders aber die Übertra- gung an die Jesuiten, wurde Thun vor allem in liberalen Kreisen kritisch angerechnet und wurde gleichsam zum Sinnbild von Thuns reaktionärer Politik. Spätestens in der liberalen Ära brachen dann auch die bislang weit- gehend unter der Oberfläche brodelnden Konflikte um die Stellung und die Sonderrechte der Jesuiten an der Universität offen hervor. Diese gipfelten in einer Petition der drei weltlichen Fakultäten, in welcher sie die Entfernung 42 urmann, Isolierte Aufklärung, marginaler Liberalismus? 43 Vgl. dazu Laetitia BoeHm, Katholizismus, Bildungs- und Hochschulwesen nach der Säku- larisation, in: Anton Rauscher (Hg.), Katholizismus, Bildung und Wissenschaft im 19. und 20. Jahrhundert, Paderborn, München, Wien, Zürich 1987, S. 9–59. 44 Vgl. dazu etwa kLöcker, Katholizismus und Bildungsbürgertum. 45 Zur Leo-Gesellschaft fehlen leider neuere Forschungen. Vgl. unterdessen Martin scHind- Ler, Die Leo-Gesellschaft 1891–1901, Wien 1902. 46 Vgl. auch surman, Habsburg Universities 1848–1918, S. 336–340.
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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 Aufbruch in eine neue Zeit
Titel
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Untertitel
Aufbruch in eine neue Zeit
Autor
Christof Aichner
Verlag
Böhlau Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20847-1
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
512
Schlagwörter
University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
Kategorien
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