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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 - Aufbruch in eine neue Zeit
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9 SCHLUSS 445 ren Hilfe eine gezielte Förderung gewisser Schulen, Paradigmen und For- schungsschwerpunkte erzielt und auch die Lehrfreiheit implizit begrenzt werden konnte. Als zentrales Ergebnis dieser Untersuchung kann festge- halten werden, dass Thuns starke Hand bei Personalentscheidungen für die Universität unverkennbar ist. In beinahe allen Berufungen bzw. bei allen neu errichteten Lehrstühlen entschied er allein und eigenmächtig über die zu ernennenden Kandidaten. In den meisten Fällen holte er dazu nicht ein- mal einen Vorschlag der eigentlich zuständigen Fakultät ein, sondern stellte diese vor vollendete Tatsachen. Für die Grazer Universität hatte Manfred Bauer – trotz des kürzeren Untersuchungszeitraums – Ähnliches festgehal- ten, wenngleich dort die Fakultät aber offenbar stärker versucht hatte, Ent- scheidungen mitzugestalten. Für andere Universitäten fehlen systematische Untersuchungen.52 Ein gewisses Maß an Einflussnahme versuchte die Innsbrucker Univer- sität sich indes zu erhalten, indem einige Professoren der Universität bei Thun als private/persönliche Ratgeber auftraten. An der Universität hatte man offenbar recht schnell verstanden, dass der amtliche Weg bei Thun nur bedingt zielführend war. Deshalb wurden Anträge der Universität meist auch noch mit privaten Briefen unterstützt oder teilweise gar nur dieser Weg eingeschlagen. Ein wichtiger Berater Thuns war in diesem Sinn der Historiker Julius Ficker. Dieser beriet den Minister nicht nur in Perso- nalfragen der Universität Innsbruck, sondern war allgemein ein wichtiger Ratgeber Thuns, wenn es um die Bestellung von Historikern und Gymna- siallehrern aus Fickers Heimatland Westfalen ging. Erwähnen muss man auch Karl Ernst Moy de Sons, dessen Einfluss bei Thun allerdings begrenzt gewesen zu sein scheint, der sich dessen ungeachtet jedoch in einer Vielzahl von Situationen an Thun wandte, um dessen Entscheidungen zu beeinflus- sen oder zu beschleunigen. Vielfach wurde auch der Umweg über Minis- terialbeamte und/oder Tiroler in Wien gewählt, die bei Thun vorsprechen sollten. Beredtes Beispiel hierfür gibt eine Aussage des Ministerialrates Vinzenz von Ehrhart, der sich bei Adolf Pichler darüber beschwerte, dass er laufend mit Anliegen aus der Heimat konfrontiert sei. Bei der Besetzung der Stelle eines Skriptors der Universitätsbibliothek wurde er etwa von sechs Kandidaten um Einflussnahme bei Thun gebeten.53 Mehrfach um Vermitt- 52 Nennen muss man jedoch die Arbeit von zikuLnig, Restrukturierung, Regeneration und Reform: Die Prinzipien der Besetzungspolitik der Lehrkanzeln in der Ära des Ministers Leo Graf Thun-Hohenstein. Da sie jedoch nicht Aussagen für einzelne Universitäten trifft, eignet sich die Arbeit schwer für einen zwischenuniversitären Vergleich. 53 Siehe Erhart an Pichler, Wien 07.01.1860, GSK 74/I, 7, 1, Goethe- und Schiller-Archiv, Weimar.
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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 Aufbruch in eine neue Zeit
Titel
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Untertitel
Aufbruch in eine neue Zeit
Autor
Christof Aichner
Verlag
Böhlau Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20847-1
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
512
Schlagwörter
University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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