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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 - Aufbruch in eine neue Zeit
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9 SCHLUSS 449 die Pose des christlichen Märtyrers, der für seinen Glauben „den Spott der Weltweisen“ geduldig erträgt.66 Ein anderer, Tobias Wildauer, den Thun besonders gefördert hatte, vollzog eine Wende zum Liberalismus und konnte so wohl auch nicht die Hoffnungen erfüllen, die Thun und seine Förderer um Bischof Vinzenz Gasser in ihn gesetzt hatten. Umgekehrt genoss Adolf Pich- ler, obschon mehrfach für unterschiedliche Lehrkanzeln vorgeschlagen, aber von Thun nicht berufen, bei den Studierenden großes Ansehen. Wie Johannes Feichtinger mehrfach betont hat67, war auf wissenschaft- licher/epistemologischer Ebene die Förderung des Positivismus und eine Ab- kehr vom Subjektivismus des Idealismus ein zentrales Ziel bzw. Folge von Thuns Wissenschaftspolitik. Ausgangspunkt hierzu war Franz Exners För- derung der Lehren Johann Friedrich Herbarts bzw. dessen eigene antiide- alistische Psychologie, die er aufbauend auf der Lehre Herbarts entwickelt hatte und so auch die verfemte Philosophie Bernard Bolzanos wiederbelebte. Für den Neoabsolutismus war die Trennung von Philosophie und Politik at- traktiv, um so auch die Entpolitisierung der Universitäten zu erreichen und eine neuerliche Revolution zu verhindern. So wie Thun mit seiner Personalpolitik letztlich gescheitert ist, war auch das neoabsolutistische System nur von kurzer Dauer. Anders als zahlreiche andere Projekte des Jahres 1848 hatte die Universitätsreform jedoch den Neoabsolutismus überdauert, und es herrscht in der Literatur durchaus Ei- nigkeit darüber, dass dies ein zentrales Verdienst Thuns war.68 Die vorlie- gende Untersuchung legt nahe, dass die Reformen durchaus im Rahmen des Neoabsolutismus gedeutet werden können, dies gilt sowohl für die Inhalte als auch die Art, wie die Reform umgesetzt worden ist. Gerade die zentra- listische und autoritäre Personalpolitik Thuns ist hierfür das beste Beispiel. Die eigentliche Selbstrekrutierung der Universitäten wurde von Thun zu- gunsten einer zentral gesteuerten Personalpolitik ausgehebelt. Damit sollte nicht nur das Erreichen der oben erwähnten Ziele Thuns sichergestellt wer- 66 Moy an Thun, Innsbruck 6.01.1855, Nachlass Leo Thun-Hohenstein, A3 XXI D322, Staatli- ches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach. Ähnliches gilt im Übrigen auch für Phillips, der Thun deswegen um Beurlaubung bat. Vgl. Phillips an Thun, Wien 08.09.1854, Nachlass Leo Thun-Hohenstein, A3 XXI D280, Staatliches Gebietsarchiv Leit- meritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach. 67 feicHtinger, Positivismus in der österreichischen Philosophie; feicHtinger, Wissenschaft als reflexives Projekt; Johannes feicHtinger, ‚Staatsnation‘, ‚Kulturnation‘, ‚Nationalstaat‘: The Role of National Politics in the Advancement of Science and Scholarship in Austria from 1848 to 1938, in: Mitchell G. Ash/Jan Surman (Hgg.), The Nationalization of Scien- tific Knowledge in Nineteenth-Century Central Europe, New York 2012, S. 57–82, hier S. 68–70. 68 Vgl. etwa meister, Entwicklung und Reformen des österreichischen Studienwesens, Ab- handlung, S. 113; HeindL, Universitätsreform – Gesellschaftsreform.
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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 Aufbruch in eine neue Zeit
Titel
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Untertitel
Aufbruch in eine neue Zeit
Autor
Christof Aichner
Verlag
Böhlau Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20847-1
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
512
Schlagwörter
University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860