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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 - Aufbruch in eine neue Zeit
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9 SCHLUSS450 den, sondern eben auch die Vereinheitlichung der Monarchie durch die Etab- lierung eines weitgehend homogenen wissenschaftlichen Raumes innerhalb der Grenzen der Monarchie ermöglicht werden. Zudem bezweckte Thuns Po- litik eine gezielte Förderung einiger bevorzugter Paradedisziplinen, wie die Geschichtswissenschaften bzw. Schulen, wie die historische Methode in den Rechtswissenschaften, die Wissen produzieren sollten, das der Stabilisie- rung des Gesamtstaates diente.69 Die Reform der juridischen Fakultät, an der insbesondere Beamte für den Aufbau einer effektiven Verwaltung ausge- bildet wurden, die das Rückgrat einer gesamtstaatlichen Verwaltung bilde- ten, ist hier ebenfalls zu nennen. Das gilt jedoch für alle Universitäten und nicht nur für Innsbruck. Der Neoabsolutismus als Modernisierungsphase wird auch besonders deutlich bei der Förderung von naturwissenschaftli- chen Fächern – hier hatte Thun etwa mehrfach auf die notwendige Moder- nisierung landwirtschaftlicher Methoden etwa durch chemische Forschung hingewiesen. Die Sprachenpolitik Thuns mit der Förderung des Deutschen als der zentralen Wissenschaftssprache war ebenfalls ein Mittel zur Etablie- rung eines einheitlichen Gesamtstaates. Das Beispiel der Sprachenpolitik bei den Prüfungen der italienischen Studenten in Innsbruck veranschaulicht zudem die Widerstände gegen den zentralistischen Kurs Wiens (Kap. 7.2.). Während man in Tirol auf traditionelle Rechte und landestypische Eigenhei- ten pochte, zählte in Wien vor allem eine Vereinheitlichung von Standards. Für die Frage der Verwaltung der Universitäten bzw. für die Gestaltung einer eigenständigen Universitätspolitik ist besonders das Verhältnis zwi- schen dem Statthalter und dem Ministerium von Interesse. Hier zeigte sich, dass die beiden Statthalter der Ära Thun, Cajetan Bissingen und Erzherzog Karl Ludwig, mehrfach versucht hatten, an der Universitätspolitik Anteil zu nehmen. Beide versuchten zum Beispiel Personalentscheidungen zu be- einflussen. Karl Ludwig, der Bruder des Kaisers, besaß dabei den größeren Ehrgeiz und versuchte auch in der Sprachenfrage – hier mit Hinweis auf den aufkeimenden italienischen Nationalismus – zu vermitteln. Außerdem enga- gierte er sich besonders für die Vervollständigung der Universität durch die Eröffnung der fehlenden medizinischen und theologischen Fakultät. Aller- dings machen beide Beispiele deutlich, dass der Erzherzog dabei einen rela- tiv kleinen Spielraum besaß, der von Wien aus vorgegeben wurde, und dass eine eigenständige Universitätspolitik im Land nur begrenzt möglich war. Den Neoabsolutismus als Modernisierungsphase zu betrachten, wie es jüngst mehrfach geschehen ist, kann durchaus auch für die Universitäten 69 Vgl. auch feicHtinger, ‚Staatsnation‘, ‚Kulturnation‘, ‚Nationalstaat‘: The Role of National Politics in the Advancement of Science and Scholarship in Austria from 1848 to 1938, S. 65–66.
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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 Aufbruch in eine neue Zeit
Titel
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Untertitel
Aufbruch in eine neue Zeit
Autor
Christof Aichner
Verlag
Böhlau Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20847-1
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
512
Schlagwörter
University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
Kategorien
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