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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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^H Steiermark. der Fürst selten in Hollencgg nnd an Sonn- nnd Feiertagen ist das herrliche Schloß ein Zielpunkt der Grazer Ausflügler. Wir steigen nun in das Thal der Sulm hinab, berühren die kohlenrcichen Gegenden von Schwanberg, Wies und Eibiswald, mit ihren Hütten-, Berg-, Eisen- und Stahlwerken. Bei Eibiswald steht das stattliche Schloß der alten Eibiswalder. Auffallend ist die Sagenarmnth dieser sonst so poesiereichcn Gegenden; und die doch vorhandenen Sagen und Märchen, die sich das Volk erzählt, tragen in der Regel den Eharaktcr anderer deutschen Geschichten, wie sie sich überall an Ocrtlichkcitcn, Ruinen und Naturmcrkwürdigkcitcn knüpfen. So auch ist's hicr mit dcm Text des Volksliedes, während die Melodie desselben schon etwas fremdartig klingt. Eine Stunde hinter Eibiswald wird auf der Straße unser „Grüß Gott!" schon in slavischer Sprache beantwortet. Wir sind angelangt an der Sprachgrenze, uud somit auch an der Grenze „unseres Vaterlandes". — Weil es aber wohl wahr ist, daß die Slovenen von Jahr zu Jahr weiter ins deutsche Land hereinnagcn, freilich um sich dann wieder aufzulösen in den deutschen Elementen, so wollen auch wir einen Zug ins Windischc keck unternehmen und dem Liede folgen, das die Gauen „hoch vom Dachstein an bis ins Wcndenland, ins Bett der Sann" als des deutschen Steirers Vaterland bezeichnet. Wollen in raschem Fluge über die Dräu und das Bachcr- gebirge den Sannthalcralpcu zustreben, in welchen die Alpenwelt noch einmal in ihrer ganzen, wilden Herrlichkeit auflebt. Wollen dann quer durchs Ncndcnland bis an die kroatische Grenze, und von dort wieder anf deutschen Boden und ins Herz des Landes zurückkehren. Wir steigen hinab zu den kalkigen Wellen der Dräu. Das ist der größte Fluß Steiermarks, aber von Geburt ein Tiroler Bcrgkind, das seine Jugend in Kärntcn verlebt. Schon mannbar nnd gesetzt kommt die Fran ins steirischc Wcinland und man sieht ihr den Uebermuth kaum mehr an, mit dem sie einst über die Felsen sprang. Hier ist sie schon gesittet und überschreitet — auch bei Huchwasser — die Grenzen des Anstandcs nur selten. Sie trägt schwere Floße nnd gibt sich gar auch schon ein wenig mit Schifffahrt ab. Sie treibt unterwegs hunderterlei von Rädern und hält allerlei Fische, wie Huchen, Hechte, Karpfen, Barben, Schleien, Bürstlinge, Schiele, Alten, zu jeder Tageszeit feil. Gerne fchaut sie an den windischcn Büheln hin dcm Winzer beim Keltern zu, wird schließlich eingeladen znm Feste und macht eine gute Partie, vermählt sich mit dem fenrigen Jünglinge Rebensaft und erzeugt mit ihm den „Wein". Auch der von den steirischcn Alpen kommende Mnrfluß hat sich um die Dräu beworben und ihr viele Meilen her auf kürzestem Wege zugestrebt. Aber plötzlich bei Ehrenhausen — nur mehr wenige Stunden vom Ziele entfernt — fällts dem launenhaften Burschen ein: er vermähle sich noch nicht, nnd er schleicht oberhalb den nnndischen Büheln hin. Erst auf den Pnsten Ungarns wirds ihm allein zn langweilig nnd er geht die Verbindung mit der robusten Tirolcrin endlich ein. Bei Mahrcnburg übersetzen wir die Dran und wandern an der Ruine Wuchern, dcm Stammsitze der einst so mächtigen Mährenbergcr vorbei über das Bachergcbirge. Das ist eine finstere Welt für sich. Da ist noch Vorzeit. Zu hundcrttausenden stehen sie da in ihrer stämmigsten Ursprünglichteit, die Lanb- nnd Nadelhölzer, aus deren adwärtsstrebcndcin Graste der Baumbart in langen, grauen Strähnen niedcrwebt in die ewigen Schatten, die mir selten ein Blitzstrahl der Tonne durchbricht. Doch gesellt sich zu dem Rauschen des Windes, zu dem Aufschrei des Adlers nun bereits auch der Widerhall der Holzaxt, welche ausgeschickt ist von hungcrigen Glashütten, Eisen- werken und Brettcrsägcn, um Nahrung heimzubringen. Das Bachergcbirge windet sich aus Kärnten her, um sich in Stciermart zwischen der Dran und Sann auszubreiten, emporzuheben zu seiner 4866 Fuß hohen „Veika, kgMä,", und östlich zur weiten Pettauer Ebene niederzufallen. Es ist siebenzehn Geviertmeilrn groß und enthält die bedeutendsten und urthümlichstcn Waldungen Steiermarks. Auf seinen Höhen springt das Reh, der Hirsch, jauchzt der Auer- und Schildhahn; in seinen Schluchten war vor wenigen Jahrzehnten Meister Petz noch heimisch. An seinen niedrigen Hängen und Vurbergen aber stehen zahlreiche Dörfer, Schlösser nnd an die fünfzig Kirchen, lehnen Wiesen, Saatfelder
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
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