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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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Die untersteirische Schweiz. Die untersteirische Schweiz. Im Murgen öffnen wir, nach dem Wetter auslugend, das Fenster. Ein kühles Lüftchen weht uns an; das Frühroth vergoldet den Thörberg, welcher gerade vor uns sein leichtes Ncbelkleid fallen läßt. In der Morgenfrische erreichen wir den Markt Laufen, den Stapelplatz der Flöße, für welche die Sann hier schiffbar zu werden an- fängt. — Die Lanfner sind ein rabiates Völklcin, so wie überhaupt die ganze Gegend nicht im besten Rufe steht. Burschen- übermuth in ruhester Form, Raufereien, Todtschlag nnd selbst Morde kommen nicht selten vor. Die Gerichte müssen für diese Leutchen ganz eigene Maßregeln treffen. Das Beste ist, man nimmt alle tollen Burschen, sie mögen „tauglich" sein oder nicht, zu Euldaten; nur so kann ihr Heißblnt nutzbringend angewendet iverden. Hinter Laufen fangen sich die Ufer allmälig zu heben an. Hohe Berge, mit dickstämmigcn Waldungen bedeckt, ragen beider- seits an. Der Weg schlingt sich bald über steile Anhöhen empor, bald senkt er sich wieder tief bis ans Flußbett. Brausend schäumt die Sann über kolossale Felstrümmer dahin, welche die Berge, in wildem Grolle zusammenschauernd, im Laufe der Zeiten abgeschüttelt haben. Bald geht's in düsteres Gehölz, bald gähnt vor uns ein Abgrund in die Sann. Halbvermorschtc Holzbrücken führen über von den Bergen niederfahrende Wässer. Dort und da ein langer, schwanker Steg, wie ein Faden über die Sann gespannt. — Wir erreichen eine Stelle, über welche die Felsen einen ehernen Baldachin bilden; eine Steinbank ladet uns znm Rasten ein. Wir thun es und gewahren die unendliche Einsamkeit, die uns umgibt. Stundenweit kein Haus, kein gastlich Dach. Wenn hier ein Ungewitter losbräche, oder ein anderes Elcmcntarereigniß uns überraschte? — Die hohe Karnitza zur Seite und den Velki Verh vor sich, schreiten wir wieder getrost vorwärts. Wir wandeln durch sanftgrünes Laubholz auf dem Rücken einer Anhöhe dahin; die Berge scheinen auscinanderzutreten, das Auge ahnt eine freiere Aussicht. Wir sehen den spitzen Kirchthurm von Leutschdorf. Hier schlägt sich der forellenreiche Lentschbach zur Sann. Wir sind mitten in der Gebirgswelt, wie wir eine solche in Untcrsteiermark nicht gesucht hätten. Gerade gegen Westen hin steht die Podvesha, die absichtlich recht breite Achseln macht, um vorläufig das noch zu verdecken, was im Hintergründe bestimmt ist, uns zu überraschen. Nördlich ragt in trotziger Gewalt die Raducha. Im gastlichen Wirthshause zu Leutschdorf hängen an Gams- und Hirschgeweihen Steigeisen, Hacken, Wurfspieß und Zither: auch die Tracht der Leute erinnert uns hier wieder an deutsches Hochgebirge. Es ist ein ergiebiges Jagdrevier, in dem wir uns befinden. Nicht nur der stattliche Berghirsch, der „König des Bergwaldes", sundern auch die Gemse wird hier von Jägern und Burschen mit einer an Todesverachtung grenzenden Kühnheit gejagt. »Jäger, eine geschossene Gemse anseilend.
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
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