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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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Die untersteirischc Schweiz. ?1 Schützen am Engpaß der Nadel halten ein ganzes Heer auf. — Im Torfe sieht man gewöhnlich nur Greise und Kiudcr; die Mannbaren sind in den Holzschlägen, anf den Halden, von welchen des Abends die Kühe glockend herab' kommen, um vor den Häusern gemolken zu werden — oder treiben sich als Gcmsjägcr auf den Klippen der OistriM, auf den Zacken der Rinka nmhcr. Die Leute hier sterben an Altersschwäche oder an einem Sturz in den Abgrund. Die Burschen sehen in ihren Filzhütcn mit Hahnenfedern und niedergebogenen Krempen verwegen aus. Die „Garten- laube" brachte in ihrem Jahrgange 1865 ein sehr wenig schmeichelhaftes Kapitel über das Snlzbacherthal; es nannte dieses „die grüßte Räuberburg Deutschlands". Alle Soldatenflüchtlinge der weiten Umgebungen hätten fich nach Sulzbach gezogen, dort anfangs vom Wildern gelebt; die Sulzbacher hätten gar keinen Gendarmen und keinen kaiserlichen Beamten zu sich hineingelassen, die herkömmlichen Steuern jedoch regelmäßig an die Behörde abgeliefert. Bald wäre das zusammengelaufene Gesinde! aber aus der Felscnburg hervorgebrochen, hätte in Kärntcn, Kram und Steicrmark geraubt und geplündert und selbst die Rcichsstraße zwischen Wien und Trieft nicht geschont. Im Jahre 1848 wären sie endlich in mächtigen, wuhlorganisirtrn Banden in die Nachbarländer eingefallen, eroberten z. B. Vleiburg in Kärnten mit feinen zwei Gerichten und eintausend Bewohnern. Ta bestürmte man Sulzbach im Jahre 1852 von der steirischcn und kärntnerischen Seite mit Militärmacht. Viele wurden gefangen; andere verkrochen sich hoch an den Wänden in die Höhlen und Spalten, wo sie aber bald von Hunger und Kälte besiegt wnrdcn. So erzählt Dr. Friedrich Hoffmann in der „Gartenlaube"; fo war es aber nicht. Eine zehntägige Belagerung Sulzbachs im genannten Jahre fand allerdings statt; das jedoch nur, weil Bauernbursche von Sulzbach drei Gen- darmen mißhandelten, die in der Gegend herumgezogen waren, um paßlose Individuen aufzuspüren. Solche Individuen, und besonders Militärsiüchtlingc mögen in Sulzbach, wie zu jener Zeit allerorts im Gebirge, wohl vorgekommen sein — aber die romantische Geschichte von den Räuberbanden ist erfunden. Tie Leute dieser Gegend sind meist gutmüthig nnd redlich; gleichwohl ihre Abgeschlossenheit von der Welt auch Mißtrauen, Aberglaube» und Verstocktheit zur Folge haben muß. Dieses Sulzbach wäre eine (nicht von des Gedankens Blässe modernen Lebens angekränkelte) Idylle ans alter Zeit, wenn nicht das arme, kummer' und mühevolle Leben die Poesie zerstörte. Die Felsen engen den Blick ein nnd leiten ihn gegen Himmel, wo diese armen Menschen einst zu wohnen hoffen, wo es keine wilden Berge mehr gibt, wo ein sonniger Rosengarten blüht, ähnlich dem lieblichen Gelände, auf dem die Eilli-Stadt steht, und das Einer oder der Andere in seinem Leben einmal schon gesehen hat. Als ein bedeutendes Kulturelemcnt für Sulzbach erscheint die allgemeine Wehrpflicht. Die männliche Jugend dieses schönen, kräftigen Menschenschlages wird fast durchgehends tauglich befunden. Als Soldat kommt der Jüngling in die Fremde, verliert seine Vorurthcilc, lernt in der Regel deutsch lesen und schreiben und kommt nach wenigen Jahren als neuer Mensch zurück. — Wie das Fremdenbuch in Sulzbach erzählt, sind Fremde jeden Standes, Damen und Herren, sogar aus England nnd Schottland schon dagewesen. Und da sich die Alpeuvereine nun um diesen nencntdeckten Touristenwinkel annehmen, so geht Eulzbach einer guten Zukuuft entgegen. Im Angesichte der Natur« wunder, die in diesem Gebirge das Mcnschcngemüth zutiefst erschauern machen nnd zugleich erquicken und erheben, hat der Dichter I. G. Seidl das humorvolle und ergreifende Lied gesuugen: „Weil du ein Weib dich nennst, Natur, Ich soll dir sagen, daß du zart Doch nein, Natnr, hier oist du's nicht, So sollt' ich dir wohl schmeicheln, Und lieblich bist uor Allen! Nicht zart, nicht mild, wie Frauen! Und dir mit zarten Fingern nur Nicht wahr, so mags nach Dichterart, Ein Amazonenangesicht Die Wange kosend streicheln! Dir, Eitle, Wohlgefallen?! Zeigst du uns hier, uoll Grauen! In deinem Zorne stehst du da, Doch edel ist dein Zorn und groß. Mit herrschend stolzen Blicken, Gepaart mit milder Schonung; Daß, wer dir in das Auge sah. Und also mandl' ich schreckenloo Sich mnß in Demuth bücken. In deiner Schauerwohnung.
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
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