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^7H Steiermark,
),n dieser Kirche bewahrt man achtzehn Schädel der ssillier Grafen. Daß Eilli sehr alt ist, beweisen zahlreiche Alter-
thümer, die man hier fand und immer uoch findet; viele derselbe» sind im Iuanneum zu Graz aufbewahrt. Die
römischen Kloaken, welche die Stadt unter der Erde iu allen Richtungen durchkreuze», werden noch jetzt zu Kanälen
bcnükt. Im Norden der heutigen Stadt hat ein Iupitertempel gestanden. Am 12. Oktober 288 — man weiß
den Tag noch ganz genau! — ist hier der heilige Bischof Maximilian lein Eillier) enthauptet worden, weil er dem
Mars nicht opfern wollte. „Auf der Stelle, wo sein Haupt hinfiel, sprudelte von dem Augenblicke an eine Ouelle
hervor", über welcher heute eine Kapelle steht, zu der viel Volk herankommt, weil es an? Wunder glaubt und das
Nasser also heilsam ist. - Viel zu leiden hatte Eilli in den wilden Zeiten der Völkerwanderung, aber zertreten ließ
es sich niemals. — Auf dein Schloßbcrge, der sich unterhalb der Stadt scharf vorschiebt und das Eannthal plötzlich
einengt, ragt das weitläufige und vielgestaltige Gemäuer der Ruiue Ober-Eilli. Ueber Schuttgerölle treten wir in
den Burghof; die Mauern sind eingesponnen von Epheu. Oestlich erhebt sich in gewaltiger, viereckiger Masse der
Friedrichsthurm, in welchem Kaiser Friedrich, verfolgt von seinen Mitbewerbern um das Erbe, sich verbarg. Alle?
Andere ist gar sehr zerfallen.
„Ein Triimmerwert, an dem Vernichtung nagt,
l'n'waltiae Pfciler, i^iese,nippen gleich,
Erwarten einzeln iln'en Todec'slveich;
Und Mauern fragen, winklig, schroff und dick.
Um ihren vorigen Zweck des Vand'rers Blick.
Hier einer Treppe Tanni, dort ein (Gemach,
Wo bald ei» Herz und bald ei» Becher brach;
Hier noch ei» Hof, wo manch ein Tchwerthieb klang.
Jetzt wuchert Gras den Waffcnvlatz entlang;
Dort, wo der Zelter kampfbegierig stand,
Ein ^rnchtfeld setzt, gepflanzt von karger Hand,"
Inmitten dieser Trümmer mag man sich erinnern, daß hier die Burg gestanden, die vor Zeiten der Mittel-
punkt jener siebzig Herrschaften gewesen ^ zerstreut in fünf Bändern — über welche einst der letzte Eillicr gebot.
Sie alle haben, sofcrne sie nicht vum Erdboden verschwunden sind, andere Herren erhalten; die Ruine Obcr-Eilli
aber wurde eines freien Bauer? freie? Eigen. ^ Lange Jahre hindurch hat das mächtige Dhnastengcschlecht in Steiermart
geherrscht, wie es im ganzen Innerösterrcich vielleicht sonst keinem mehr gelungen war. Es stieg durch Gunst nnd
Glück zur hohen Macht; aber auf dem Gipfel angelangt, war ein jähes Stürzen und Verlöschen. — Das Geschlecht,
a»5 dem Hause der Freien von Sunncck stammend, wnrdc 1841 zu Grafen von Eilli erhoben. Es ist reich an
Romantik. Eine Tochter dieser Grafen war 1402 Königin von Polen. Unter den Eilliern kennt die Geschichte
auch ein gar berüchtigte? Weib, die schöne Barbara, deren Gemahl niemand geringerer war, als Kaiser SigiZmund.
Aber die schöne, glänzende Frau hat es mit der ehelichen Treue nicht sonderlich genau genommen und in ihren
späteren Jahren hat sie gar Himmel und Hölle geleugnet — fasten und beten sei albern, angenehm zu leben nnd
die Freuden der Welt zu genießen sei der Menschen einziges Ziel, denn mit dem Sterben des Leibes sei auch die
Seele todt. — Das waren die Grundsätze dieses einen Weibes im fünfzehnten Jahrhundert. Und sie lebte darnach
— da hat sie ihr Gemahl von sich gewiesen. — Ein ähnlicher Eharaktcr mochte ihr Bruder Friedrich gewesen sein.
Unter den Dienstfräulcin seiner Gemahlin war die Tochter eines armen, kroatischen Edelmannes — Veronika von
Teschcnitz. Sie war reizend, Graf Friedrich sah, sie war schöner als seine Gattin. Und eines Morgens ist die
Gräfin todt im Ehbettc gefunden worden. Untersuchungsrichter, wie heute, gab es damals nicht, und Graf Friedrich
vermählte fich mit der schönen Veronika. Friedrichs Vater aber war gar adcltzstolz und wollte nicht, daß das Blut
der Eillicr gemischt werde mit dem armen, unberühmten kroatischen Geschlechte. Er ließ Veronika bei Abwesenheit
ihres Gemahls, den zur Icit Kaiser Sigismund in Ungarn gefangen hielt, hart verfolgen, sie floh und irrte
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918