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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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Wanderungen in: 3ande der IVenden, HI Mahlzeiten gibt der Winzer den Nachbarn aus Tankbarteit für eine gute Lese; und das junge Volt tanzt sich die Suhlen uun den Füßen, und allerwärts Frohsinn und helle Lust — unter der traubenrcifcnden Sonne Homers. — Weit über den Büheln her leuchten die Hochschlösscr Mureck, Radkersburg, die Glcichenbergerkcgel mit ihrer Burg, dann die stolze feste Riegersburg, die Pyramide des Kulm bei Wciz, das blaue Band des Rabenwald und die hohe Tafel des Grazer Schocket. Gar bis znm Wechsel und zum Schnccberg in Niedcröstcrreich dringt der Blick! Weiter links ^ in tiefer Ferne dehnen fich die schnecgesprenkcltcn Massen des Hochschwnb, dann ziehen die Gleinalpe, die Kor- und Schwanbergeralpcn den Orenzwall. Im Westen endlich haben wir das Urwaldgebirgc des Bacher und über dasselbe herein schimmert in reine» Morgenstunden der Glanzpunkt des herrlichen Bildes — niemand geringerer, als die Spitze des Großglockner. — Tann kommen zur Linken die schroffen Fclshörner des Weitensteinerthales mit seinen murmelnden Bächen, brummenden Waldmühlen und tobenden Eisenhämmern und mit seinen malerischen Tchloßruinen. Tann das alte Sccbecken des Schall- thalcs mit seinem hohen Ursalabcrg, auf welchem eine Wallfahrtskirche steht, die ihren Eingang in Käruten, ihren Hochaltar aber in Stciermark hat. — Die hohe Petzen dort weckt uns die Eriimerung an die uralte kärntnerische Raubfirma: „Meister Petz uud Söhne", die in den Waldungen der Petzeil ihren Stammsitz hatten. Und endlich kommen, hinter grünen Waldpolstern abenteuerlich aufstrebend die hörnerncn Grenzwarten, die Enlzbacheralpeu, mit dem auswärtigen Ehrcnmitgliedc im Hintergrund, dem hoch in die Wolken ragenden Tcrgluu. Ueber Eilli zurück fliegt das Auge bis zu den näheren Punkten Süßenberg, Lemberg, Kostreinitz, nnd allen den schimmernden Ortschaften, die auf grünen Auen ruhen. Bis zu der schattigeu Waldschlucht ferner, zur zerstörte» Karthause Seiz — der größten Teutschlands. Von Ottukar, dem ersten Traungaucr, wurde sie 1151 gegründet; von Josef I I . 1781 aufgehoben. Tic Gebeine des Stifters und seiner Gemahlin, welche im Kloster ruhten, sind in das Stift Rein bei Graz übertragen worden. Noch finden wir in nnsercr Nähe am Wotschberg die Kirchen Maria Loretto l»w St. Florian, und auf idyllischem Huchthalc die Nikolaitirche, welche der heilige Nikolaus — dein es in dieser Gegend auch gefällt — persönlich herausgetragen haben soll. Am Fnßc des Berges noch das versteckte Schloß Studenitz und das alte Nonnenkloster Gnadcnprunn, wo man seit hundert Jahren vergebens nach Horatlängcn lauscht. Kaiser Josef hat ein rafchcs Ende gemacht mit allen jenen Klöstern, in welche sich die arbeitsscheuen, feigen und grämigeu Kinder der Erde zurückgezogen hatten, nm durch Beten und Nichtsthun Gott nnd den Menschen Genüge zu leisten. Nur jene geistlichen Anstalten, die humanitäre Zwecke verfolgten, als das Lehramt, die Krankenpflege, ließ der große Kaiser bestehen und nahm sie unter seinen Schutz. — Wenn wir endlich noch die zwei mächtigen aber unbeständigen Bäche sehen, die vom Nordhangc des Wotsch niederstürzen, nnd in welchen oft blinde Forellen von ungewöhnlicher Größe zu Tage kommen -^ so daß man hier einen unterirdischen See vermuthet — so haben wir den großartige» Rundblick auf dem Tonatibcrg geschlossen. — Geist und Auge hat sich satt getrunken, nun dürstet vielleicht noch den Gaumen. Setzen wir uns auf den Steingrnnd, wo einst der Tempel gestanden, und trinken wir Wein. Wein aus dem Wcndcnlande, und bringen wir ein Hoch dem gesegneten Buden, auf dem er gewachsen ist. Wir haben uns wieder zur Siidbahn geschlagen, daß sie uns in einem Stündchen über das weite Pcttaucrfeld nach Marburg trage. Bei Pragahof halten wir an und besinnen uns, ub wir auf der ungarischen, hier abzweigenden Bahn nach Budapest nicht einen kleinen Abstecher zn den Magyaren machen wulltcn. Mit nichten; unser Reisepaß gilt nur für Stciermark. So fahren wir in die zweitgrößte Stadt des Landes ein, in die gute Weinstadt Marburg. Sie liegt zwischen dem Bacher, dem rebenreichen Poßruck und den windischen Büheln, am Ufer der Dran, die hier gar stattlich und breit ist und so mächtig erscheint, wie etwa die Tonau bei Linz. Am Strande des Flusses sehen wir eine Unzahl von kleineren Schiffen und Fahrzeugen aller Art, die aber nur für den lokalen Gebrauch find. Eine lange Holzbrückc und die massige Eisenbahnbrücke der Südbahn, die hier auch nach Kärnten nnd Tirol
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
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