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Steiermarf.
Dar
abziveigt, fiihren iibcr den Fluß. Marburg mit seinen zwei Vorstädten und den uächstgelegenen Höfen hat bei vier-
zehntausend Einwuhncr, wovon die Mehrzahl aus Teutschen besteht. Der Handel mit dem vom Bacher kommenden
volzreichthum, dem hier wachsenden Wein und den Erzeugnissen der Glas-, Leder- und Rosogliufabriken ist ein
lebhafter. Die Südbahn hat hier eine große Maschincnwcrkstatt gebaut und beschäftigt über tausend Arbeiter. Die
Stadt ist der Sitz des Bischofs von Lauant, mehrerer Verwaltungs- nnd Gerichtsbehörden, besitzt mehrere wohl-
thätige Institute, Kirchen, ein Theater, kurz, ist ein Ort, der sich nicht mehr gerne „Städtchen" schelten läßt. In
neuer Zeit hat man den Marburgcrn nachgesagt, daß sie in ihrer Stadt so vorzügliche Wcinfabriken besäßen; aber
ein Wcinfcst, das sie vor ein paar Jahren angeordnet nnd zn welchem zahlreiche Gäste erschienen sind, hat die Welt
belehrt: Es ist, Gott sei Tank, Natnrwcin noch in solcher Fülle da, daß es nicht nöthig ist, an Kunstwcin zu
denken. — Tie alte Marburg (Markbnrg), ein Bcsitzthum des Grafen Brandis, enthält eine wcrthvollc Gemälde-
sammlung. — Nördlich von der Stadt auf einem Bcrgkegcl stand einst das Schloß Obcrmarburg, das aber gänzlich
zerstört ist. Es war der Sitz der Grafen von Marchburg; zweimal wurde es von den argen Schaaren M. Eorvins
belagert, hat aber tapfer widerstanden. Die Zerstörung der Burg scheint der „Türk" auf dem Gewissen zu haben. —
Einige reizende Theile der Umgebung laden zu Ausflügen ein. Uns aber entführt die Eisenbahn unter der Erde
durch den Poßruck; ein zweiter Tunnel durchbricht die wiudischcn Bühel nnd wir sind wieder auf dem Gebiete einer
alten Bekannten — der Mnr. Sie kommt stets an der Seite der Eisenbahn vom Obcrlandc und von Graz herab,
biegt aber hier bei Ehrenhausen, nachdem sie noch die Sulm, welche aus dem „stcirischcn Paradiese" kommt, auf
ihre Achsel genoinmen hat, nach Mureck und Nadkersbcrg ab.
Wir begrüßen noch den freundlichen Ort Leibnitz, der schon wieder im lieben, deutschen Bereiche liegt, begrüßen
in seiner Nähe die alten Mauerreste, wo erwiesenermaßen das römische Flammn Solva gestanden hat, begrüßen den
etwas zerfahrenen Bischofsfitz Scckau, der auf einer schönen, waldigen Höhe liegt, und begrüßen endlich das weite
Leibnitzcrfeld selbst, wo 1529 die Türken geschlagen wurden.
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918