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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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5)2 Steiermark. nu, so graths eben nicht." Das Unternehmen gcrieth, und daher der Name „Graths" oder Gratz. - So wirds vom Spaßvogel erzählt. Aber die Gelehrten wollen Alles besser wissen. Einige derselben sagen, Stadt und Burg sei nach dem Bächlein Graz benannt, welches hier in die Mur fließt, und Manche sprechen nm jeden Preis Grätz. Andere behaupten, das Wort Grez stamme von dem slavischen „Frkäec", Festung, Burg, welche ja auf dem Berge erbaut worden war. — Genug davon. Im neunten Jahrhundert ist das erstemal von Graz die Rede. Später ist der Ort die Residenz der traungauischen Grafen von Eteicr geworden. Den Traungaucrn folgten die Babenberger, von welchen noch die Kirche am Lecch, die älteste von Graz, herrührt. Seit 1232 gehört Graz und Stcicrmark zum Hause Habsburg. Um jene Zeit schon wurde in Graz eine „Freischule" gegründet, aus welcher sich später die jetzige Karl-Franzens-Universität entwickelte. — Im Laufe der Zeiten hatte Graz die mannigfaltigsten Schicksale. Ungarn und Türken, Pest und Feuer, Heuschrecken, Erdbeben, gewaltige Ueberschwcmmungen auch suchten die Stadt schrecklich oft heim. Aber der Feind ist immer wieder heldenmüthig vertrieben worden und Graz wuchs langsam, aber stetig. 1259 vertrieben die Stcicrmärkcr binnen elf Tagen alle Ungarn. Im fünfzehnten Jahrhundert nntcr Albrecht I I I . , Wilhelm dem Freundlichen, Erncst dem Eisernen, wnrdcn die Burgen auf dem Schlußberge nnd am Fuße desselben vergrößert, der Dom gebaut, die Stadtmauern, Gräben, Thürme und Wälle vollendet. Zu jener Zeit hat sich die allen Stciermärtern bekannte Geschichte Baumkirchcrs zugetragen. Andreas Baumkirchcr war ein steirischer Ritter (einige Ruinen seinetz Hauses sind in der Nähe von Iudenbnrg uoch zu sehen), der in einer Schlacht bei Wiener Neustadt Kaiser Friedrich I I I . das Leben rettete nnd selbst dreizehn Wunden dabei davon trug. Ncbstbei war der Kaiser ein Schuldner Baumkirchers an Geld und Gut. Da war es, daß Baumtircher das Seine vom Kaiser zurück- forderte. Der Kaiser zahlte nicht; so zog Baumkirchcr mit scincn Mannen und seinem Freunde Grciscncckcr gegen den eigenen Herrn um die Auszahlung zn erzwingen. Er eroberte mehrere stcirische Orte, wurde aber endlich unter Versprechen eines sicheren Geleites in die Burg nach Graz zn einem Ausgleiche beschieden. Der Gcorgitag 1471 bis Abends zur Vespergluckc war der Tag des vom Kaiser zngesicherten freien Gclcitrs. Baumtircher und sein Frcnnd Grciscnccker erschienen nichts Böses ahnend in der Burg; aber der schlaue kaiserliche Kanzler wußte die Ver- handlungen derart zn hintertreiben und in die Länge zu ziehen, daß die beiden Frennde die Zeit der Vesperglocke versäumten. Bevor sie noch durch das letzte Thor gegen die Murbrückc hinaus waren, klang das Abendglöcklein. Vor und hinter ihnen fielen die Thorflügel zu, Priester nnd Scharfrichter erschienen — es war zum Sterben. Vergebens bot Baumkirchcr all seine Güter für sein Leben; an Ort und Stelle fiel ihr Haupt durch das Beil des Henkers. So die Baumkirchersage, die der steirische Dichter Johann Kalchberg in einem Drama verewigt hat, welches in Graz von Zeit zn Zeit unter großem Beifall der Menge aufgeführt wird. Der Dichter hat Baumtircher verherrlicht und den taiserlichcn Kanzler als Schurken hingestellt, der schließlich in einen Sack gesteckt uud in die Mnr geworfen wird. — Aber viele Geschichtsforscher, wie solche mit den Poeten in stetem Hader liegen, halten Banmkirchcr für einen gemeinen Hochvcrräther. Im Jahre 1496 war in Graz die große Iudcnverbannung und die Vertreibung derselben aus Steiermart. Noch heute findet man in dieser Stadt verhältnißmäßig wenig Israeliten. Im Jahre 1515 — 1516 zogen anf' rührcrischc Bauernhanfen aus der Dräu- und Savegcgend gegen Graz, von welchen, um die Empörung zu dämpfen, hunderteinundsechzig Mann hingerichtet wurden. — Zur Rcformationszeit war Graz dermaßen protestantisch geworden, daß die Fruhnlcichnamsprozcssion zwanzig Jahre lang nicht abgehalten wurde, bis Ferdinand I. 1570 die Jesuiten schickte, die Graz bald wieder katholisch machten. Alle Andersgläubigen wurden 1598 ausgewiesen; in der Stadt wurde ein Kloster nach dein andern gegründet, so daß trotz der Aufräumung unter Kaifer Joseph noch bis heute eine gute Anzahl davon übrig blieb. Doch verfolgen fast alle diefc Ordenshäuser humauitäre Zwecke. Seit dem Türkencinfall 1664 wird auf dem Glockenthurmc dreimal des Tages die „große Liesel" zum Gebete geläutet. 1680 war die furchtbare Pestzcit. Als Denkmale an diese Drangsal stehen die Mariensäulen anf dem Gries-, dem Lendplatze, in der Vorstadt Münzgrabrn und die Dreifaltigkcitssäulc auf dem Earincliterplatz. Unter Maria Theresia
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
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