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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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Steierlnark, still-heiteren Ruhe zu pflegen, oder vom Leben noch zu erhäschen, was sich erhäschen läßt. — Der Stadtpark eristirl erst seit wenigen Jahren; früher dehnte sich über diese Flächen das Glacis, auf welchem zweimal des Jahrs der berühmte Fetzenmarkt abgehalten wurde. Tiefer Trödelmarkt im ausgedehntesten Maßstabe ist eine Eigenthümlichkeit von Graz, er wird jetzt auf dem Lcndplatze abgehalten, nnd ist Tummclfest der Armen nnd der Landleute, welche herbeikommen, um alte Waaren aller Art, oft bis zu elenden „Fetzen" dcgradirt, um billiges Geld anzukaufen. Den mannigfaltigen Stadtftark durchschritten, biegen wir durch das alte Paulusthor wieder in die innen' Stadt ein. An den weitläufigen Gebäuden des allgemeinen Krankcnhanses schleichen wir still, aber rasch vorbei, Got! dankend für die freie Luft und den Sonnenschein, lieber dem großen, aber etwas öden Earmeliterplntz gelangen wir in der Sporgassc zn einem vierstöckigen Hanse, nntcr dessen Gesimse der Oberkörper ein« mit dem Schwerte dräuenden Türken herausschaut. Tas ist ein Wahrzeichen von Graz. In diesem Palaste des Grafen Sauran hat bei der Türlenbclagcrung von 15:^ der türkische Heerführer Ibrahim Pascha gewohnt. Da soll ihm eines Tages bei der Mahlzeit eine von den Grazer Bürgern auf dem Schloßbergc abgeschossene Kanonenkugel durch die Zimmer decke mitten in die Schlisset geflogen fein. Aus Rache habe der Heerführer die Stadt anzünden lassen und war hernach abgezogen. Die Türkcngestalt ist ein Andenken an diese Begeben- heit. — Wir biegen nun auf den Fran- zcnsplatz ein und eilen an dem erze- nen Standbildc des Kaiser»:- Franz I., a» dem landschaft- lichen Theater und der Universität vor bei der Domtirche zu. Ein altehrwür digcs Gebäude in go' thischcm Stile, aber mit einem kleinen, kupfernen Thürin - chcn, das zu deu massigen Quader- maner» nicht passen will. Die Außen- seite des Baues zieren mehrere interessante Gemälde aus alter Zeit, welche Ereignisse aus der Geschichte der ^tadt darstellen. Hier der verheerende Heuschreckenzng, der die Stadt 1480 heimgesucht hatte, hier Gräuel aus der Türkenzeit, hier die Schrecknisse der Pest; und darüber in schöner Ausführung die Bilduissc der Trcicinigkeit lind der Heiligen Gottes. Die dabei befindliche Inschrift lautet: „1480 nmb uns fraun tag der schidung sind hie zu Gräcz gutts plag drh gewesn, haberschreckh, Türke vnd Pestilenz vnd yede so gross daß dem Menschen vnerhörlich ist. got sey vns gnädi." Unter den Mauern dieses Gotteshauses ruhen die Ucberrcste vieler Großen des Landes. Nur wenige Schritte von der Domtirche entfernt, auf derselbcu Terrasse, die den Dom trägt, und zu welcher sechsundzwanzig Cteinstnfen emporführen, steht das interessanteste Pruntgebände von Graz. Es ist das Mausoleum Kaiser Ferdinand II . Die Fronte mit ionischen Halblauten nnd den doppelt übereinander gestellten Giebeln ist mit Zicrrathcn überreich beladen. Ueber den Giebeln stehen die massigen Figuren der heiligen Katharina und zweier Engel. Kolossale, starkvergoldctc Reichsinsignien dienen den beiden Kuppeln und dein schlanken rundcu Thurme zum Aufsatze. Der übrige Theil des Gebäudes zeichnet sich dnrch schönes Maß nnd edle Einfachheit aus, so daß die Leute von dieser Kirche sagen, sie wäre hinten schöner, wie vorn. Das Innere ist in lateinischer Kreuzform, und ernste Einfachheit erinnert an das Hans des Todten. Das Mausoleum ist jährlich nur einmal, lind zwar zu Ostern geöffnet, wo die pomphafte Auferstchungsfeicrlichkeit darin abgehalten wird. Das Burgthor gleich daneben, über welchem sich die unscheinlichcn Gebäude der aus dem elfteil Jahrhundert
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Geschichte Vor 1918
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