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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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NH Steiermarl, Wendcnlande heraufgckommcii; aber hier werden sie deutsch, sprechen deutsch, kochen deutsch, lieben und hcirathcn deutsch — nur in der Kirche bedienen sie sich ihres wendischen Gcbctbüchleins, weil sie doch nicht ganz überzeugt sind, ob der liebe Herrgott auch deutsch versteht. — Des Weitere» ^ weim man noch die italienischen Studenten ansnimmt, die übrigens mich nur da sind, nm deutsche Wissenschaft »nd deutsches Bier einzusaugen — ist Graz lirdeutsch. Gerne treibt man Politik nnd in manchen Kreisen gehört es zur Mode, mit den inneren Znständrn möglichst linzufricdcn zn sein. — Der Lurus ist im Wachsen — eine Erschcinnng, die der Industrielle, vielleicht vorläufig auch der Nationalökonom mit Freuden begrüßt, der Pädagoge aber bedauert. In guter Blüthe ist das Wirthshauslcbcn; Eirkusbuden sind stets voll von Zuschauern, während in den Theatern mituuter Ocde herrscht. Und anderseits doch wieder ideales Streben, das zeigen die vielen Vereine für Geselligkeit, Wohlthätigkeit und Knnst. Daß sich die Grazer und Stcirer für Literatur interrssiren, zeigen die zwölf Buchhandlungen, an denen die Thürangeln nicht rosten, die fünfzehn verschiedenen Journale politischen, wirthschaftlichen, belletristischen lind religiösen Inhaltes, beweisen endlich auch die Dichter nnd vieleil Schriftsteller, die hier leben nnd sich Wohlbefinden. — Graz ist stolz anf seine bedeutenden Männer, die es hatte nnd hat. Da waren unter vielen Anderen die Geschichtschreiber Sigmnnd Freiherr von Hcrbcrstcin (auch Kriegsheld, der uuter fünf Kaisern gedient hatte), In l , A. Eäsar »nd A. v. Muchar; die berühmten Gelehrten Hammcr-Plirgstall, Prokesch-Osten, G. F. Schreiner, Keppler, Ungar; da sind die Politiker Rechbaucr nnd Kaiscrfeld, die Künstler Kauperz, Schiffer, Stark, Tnnncr, Vrockmann, Unter den Dichtern nenne ich Johann v. Kalchberg, G. v. Lcitncr, Anastasins Grün, Robcrt Hamerling und F. Marr. Ferner ist Graz die Gebnrts- nnd Pflegestätte vieler bedeutender Schauspieler und Schauspielerinnen. Und noch mehr würde der ideal angelegte Theil des Grazcr Publikums der Kunst leben, wenn nicht die Natnr in der Umgebung der Hauptstadt so sehr verlockend wäre. An heiteren Frühlings-, Sommer- lind Herbsttagen ist es in Graz unmöglich, ein Blich zu lesen oder in einer Akademie zn sitze». Die Spaziergäiigc und Ausflüge sind zn verlockend. Da ist der Stadtpart, der nahe Hilmteich mit seinen lieblichen Waldpartien, der sonnig-heitere Ruckrrlbcrg, der villenreiche Rosenbrrg mit seinem schattige» Fraucutirchleiu Maria Grün — ein Plätzchen voll des Friedens nnd der Poesie. Da ist auf freier Höhnng die schöne zwcithürmigc Wallfahrtskirche mit dem schönen Namen „Maria-Trost". Da ist der Nainerkogel mit feiner überraschenden Aussicht anf Graz, mit seiner düster-öden aber stimmungsreichen Ulrichskapelle in der Waldschlncht. Da ist der interessante Andritzursprung mit seinem wnnderbar schöneil tiefen Wasser, in welchem ein wahrer Garten von bunten Wasserpflanzen wuchert. Da ist der Felsschober des Ealvarienberges mit den drei Kreuzen und lebensgroßen Statuen aus der Leidensgeschichte des Erlösers. Da ist die mächtige Rninc Gösting mit ihren Wcinberglrhncn nnd dem romantischen Inngfernsprnng, einem Felsen, von welchem sich ei»st die schölle Anna von Gösting, da man ihren Geliebten im Iweikampf erschlug, in die Tiefe stürzte. Da ist der Plawntsch mit seiner Fürstcnwarte, von der aus man eine herrliche Aussicht vom Donatiberg bis z»m Hochschwab, vom Rabenwald in Osten, bis zur Koralpc in Westen genießt. Ferner schöne Spaziergänge nach dem fürstlichen Schlosse Eggcnberg mit seinem Grabmahle der Gräfin Herberstein von Eanovn nnd mit der freundlichen Kaltwasserheilanstalt für Lcblustigc. Spazicrgänge nach dem gartenähnlichen Thalkcsscl Thal und nach dein altdeutsch geballten Schlosse Hardt, a» dessen Eingang uns folgende Worte begrüßen: „Willkommen, Fremdling oder Freund, Tollst sorglos bei uns weile». Und all, was Herz und Haus dir beut, Recht fröhlich mit uns theilen," Selbstverständlich kehren wir ein und finden einen biederen deutschen Mann, der ans den Rhcinlandcn gekommen ist, sich in Graz ein glückliches Haus echtdeutscher Art gegründet und einen hochgeachteten Namen erworben hat — der Großindiistriellc Peter Rcininghaus. Dieser Name ist so sehr verwachsen mit der steirischcn Landwirthschaft, Industrie, mit dem politischen Leben des Landes und der Kunstwelt der Hauptstadt, daß er hier nicht unerwähnt bleiben darf.
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
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