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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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Slcicrmark, Anf dem Gange zum Bahnhuf an der Reichsstraßc sehen wir nuch das schlichte Denkmal des vater- ländischen Dichters Fellingcr — dann entführt uus der Zug durch die halleudc Badclgallcrie zur nächsten Etation Frohnlcitcn, dem malerisch an dem Ufer der Mur gelagerten Städtchen mit seiner Kaltwasserheilanstalt. Was da gran nnd finster hcrabschaut vom Waldbergkegel auf dcu schmucken, von den Grazcrn gern besuchn» Ort, ist eine alte Frohnburg. Aber heute starren nnr mehr die Trümmer anf über das lebendige, klangreiche Gewipfcl des Waldes, nnd Frohnlciten heiße Frohleitcn. Die Ruine heißt Pfanbcrg. Der östliche Theil derselben ist bereits eingestürzt oder dein Einstnrzc nahe. Der siebeneckige Thurm steht noch fest, doch knickt seine Dachtuppel zusammen. Er will noch ein Jahrhundert stehen und dem Verlaufe der Generationen znschaucn, die das Dampfroß erschaffen, dem elektrischen Fnnken das Sprechen nnd der Sonne das Portraitmalcn gelehrt haben. An den Wänden mit ihren zahlreichen Sälen nnd Zellen rankt üppiges Laubwerk, und im Hofe steht ein stolzer, knurriger Tanncnbaum, vielleicht der älteste Bewohner der Rnine. Anf dem Stamme jnnge BlüthenkälM'n, Eichhörnchen, lustige Vögel — ein rechter Baum des Lebens. Daß nnr kein schönes Burgfränlein nnter seinem Schatten sitzt! — Nicht weit vom lebcnsstrutzcndcn Baum steht ciuc juugc aber schwindsüchtige Birke im weißen Kleid. Der hat irgend ein Mensch, welcher sich sonstwie kein Denkmal zu setzen weiß, mit verwegenem Messerschnitte die Anfangsbuchstaben seines Namens tief in den Splint gegraben. Jetzt muß der arme Baum versiechen nnd stellt ihm der ^orstwart den Todtcnschcin ans: gestorben an dem Namen eines Eitlen. Am besten erhalten ist die Kapelle; einige Wandgemälde sind noch ziemlich frisch, aber die einst berühmten Gnadenbilder sind davongetragen. Wer jetzt hier beten wollte — er müßte es zum unsichtbaren Gott thnn. Das thut man nicht nnd so ist das Gemäuer verlassen. Nur manchmal ein Schatzgräber wühlt in dem alten Maucrwcrt, findet aber nichts, als — verkittetes Gestein nnd gut gebrannte Ziegel. Auch ein Schatz, wer ihn zn heben wüßte. Vor sechshundert Jahren haben die Herren von Pfanbcrg dicfcs Bcrgschloß erbaut. Ich möchte von heute in scchs- hnndcrt Jahren nicht gerne anfragen, was mit den großen Bauten des neunzehnten Jahrhunderts geworden ist. Die Ruinen unserer Kirchen, Klöster nnd Kafernen werden noch am weitesten in die künftigen Zeiten hineinragen. Und ich hätte die Festigkeit dem Hanse gewünscht. Es ist uns poetisch zu Muthe, wenn wir niedersteigen von der Ruine. Allein an einem Baum- strunk lehnt ein abgehärmter Bauersmann. Er trägt ein zermartertes Leben, blickt starr hinanf zur Ruine
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
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